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Von Geldnot, Tunnel und Friedhöfen

Im Kellersaal geht es zur Sache

Sabbenhausen. Jetzt bricht wieder die Zeit der Weihnachtsfeiern an. Und Heinz Reker könnte sich glatt klonen lassen – so viele Einladungen landen auf seinem Bürgermeister-Schreibtisch im Lügder Rathaus.

veröffentlicht am 24.11.2010 um 21:19 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:26 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Bei Sabbenhausens Seniorentreff ist der Kellersaal des „Schierbrucher Krugs“ zwar auch schon mit ein paar Gestecken und Holz-Weihnachtsmännern dekoriert. Und obwohl Lügdes Verwaltungschef seinen Auftritt hier, rund 13 Monate nach Amtsantritt, ein „Heimspiel nennt, kommt er gleich zur Sache: „Alle Kommunen steuern ungebremst auf den Ruin zu“, stellt Reker klar und nennt das Thema Nothaushalt „nur noch eine Frage des Zeitpunktes“. Angesichts der explodierenden Sozialkosten, die in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent stiegen, wähnt er die Stadt „eher im dritten Jahr der Krise“ als im Aufschwung.

Seine Frage: „Wieviel Sozialstaat können wir uns auf Dauer noch leisten?“, lässt er unbeantwortet. Gleichwohl warnt der Bürgermeister davor, das Gemeinwesen mit dem unerbittlichen Abschmelzen der freiwilligen Leistungen kaputtzusparen. „Da muss man aufpassen, dass man die Strukturen nicht in kürzester Zeit zerschlägt“– zumal das ohnehin nur Kosmetik wäre, aber die eigentlichen, vor allem auf Bundesebene anzugehenden Probleme nicht löse.

Auch den demografischen Wandel lässt Reker nicht aus – begonnen beim Beispiel Fußball: „Sabbenhausen hat heute schon Probleme, die Erste Herren vollzukriegen.“

Vonseiten der rund 30 bei Kaffee und Bier zusammensitzenden Männer und Frauen schlägt dem Gast aus der Kernstadt zwar Wohlwollen entgegen. Und doch sparen die Zuhörer nicht mit kritischen Fragen. So begreift Prälat Heinrich Festing bis heute nicht, dass nach der Bau-Meier-Pleite die Auffanggesellschaft nicht erhalten wurde. Und er will wissen, ob die Ortsumgehung nicht auch ohne den teuren Tunnel funktioniert hätte. Die Umgehung, daran lässt Reker keinen Zweifel, „war Lügdes allerletzte Chance.“ Mancher Rentner wird das mulmige Gefühl im Tunnel allerdings nicht los: „Ich gucke immer zur Decke in die Ecke, ob da Wasser durchkommt“, raunt einer seinem Nachbarn zu.

Unmut entzündet sich an der Bestattungspraxis auf den Friedhöfen der Ortsteile. Reker verspricht, das Thema im Rathaus aufzugreifen und notiert es auf seinem Zettel. Denn in den Feinheiten des Lügder Bestattungswesens ist er nicht so firm, gibt er zu.

Anders beim Emmerauenpark: Als ein Besucher wissen will, warum denn so ein Park hermuss, „wenn ich schon kein Geld habe“, stellt Reker klar, dass die Altstadt ohne nahe Grünflächen schlicht keine Chance hätte. Und er erklärt den Unterschied zwischen Finanznot und Verschuldung: „Die Verschuldung ist für Lügde, verglichen mit anderen Kommunen, kein Thema“, sagt er. „Für Neuinvestitionen ist noch Luft da.“

In puncto Altstadtsanierung springt ihm Fördervereins-Chef Jürgen Hundertmark bei, der im Lügder Rat der FWG-Fraktion vorsteht: „Liegenlassen, das kann‘s ja nicht sein“, findet er. „Wenn wir die Zuschüsse nicht nehmen, dann gehen sie woanders hin.“ Und doch stößt insbesondere das Park-Projekt einigen auf – auch wenn sie kaum etwas darüber wissen: „Wer will denn seine Füße in diesen verseuchten Jordan ‘reinhalten?“, fragt einer mit Blick auf den geplanten Strand. Hier rät Reker, am besten Bauamtsleiter Günter Loges für einen Vortrag einzuladen. „Der treibt das Projekt mit ganz viel Herzblut voran.“

Fördervereins-Chef Jürgen Hundertmark (vorn) hat Lügdes Bürgermeister Heinz Reker (li.) zum Sabbenhäuser Seniorentreff eingeladen. Auch Ortsbürgermeister Karl-Heinz Klus ist mit dabei. Foto: jl



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