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Für Bauüberwacher Winter gibt es hier nichts mehr zu tun

„Ich wäre wirklich gern noch in Lügde geblieben“

Lügde. Fünf Jahre lang riefen viele Baustellen-gebeutelte Lügder immer wieder bei ihm an oder standen in der Emmerstraße glich auf der Matte. Denn es gehörte zu Frank Winters Job, sich ihre Klagen über Lärm und Dreck anzuhören und sich um Abhilfe zu bemühen. Doch jetzt bricht der Bauingenieur seine Zelte in der Emmerstadt ab und wechselt in die „Straßen. NRW“-Niederlassung Bielefeld. „In den Innendienst“, sagt der 53-Jährige bei einer Tasse Kaffee in der Küche des zur Lügder Dependance umfunktionierten Einfamilienhauses. Wenn der gebürtige Blomberger dann von seiner künftigen Arbeit beim Neubau der A 33 bei Bielefeld spricht, hört sich das, nach seiner „wahnsinnig interessanten Bauaufgabe“ in Lügde, wenig euphorisch an. Der Satz „Ich habe mich hier wohlgefühlt und wäre gern noch hiergeblieben“, klingt indes nicht nach höflicher Floskel. Aber im 19 Millionen Euro teuren Tunnel, wo nach dem Bau des Kreisels an der Schwarzen Brücke im Herbst nur noch ein paar Zentimeter Asphalt aufgebracht werden müssen und ein paar andere Restarbeiten zu erledigen sind, gibt es für den Ingenieur nichts mehr zu überwachen. Denn eigentlich war ja vor allem das sein Job.

veröffentlicht am 07.01.2010 um 22:02 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:28 Uhr

Aus geplanten drei Jahren wurden fast fünf. Da sammelt sich eine
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Übrigens: Über das Gerücht, wonach der Tunnel nicht hoch genug für Lkw sei, kann Winter nur grinsen, fischt aber dennoch gleich den entsprechenden Plan aus einem von 200 Tunnel-Aktenordnern im Büro nebenan. „Lichte Höhe 4,50 Meter“, sagt er und versichert: „Wir haben das zwischendurch immer wieder gemessen.“ Auch, dass der Tunnel wieder abgerissen werden müsse, weil er zu schmal sei, kam ihm irgendwann zu Ohren. Am meisten amüsierte ihn jedoch der Anruf eines auswärtigen Kanufahrers. „Der wollte ganz aufgeregt wissen, warum wir den Fluss denn jetzt in so einen großen Kanal leiten.“

Auch, wenn Winter jetzt seine Sachen packt – die Erinnerungen an viel Arbeit, aber auch an die komischen bis anstrengenden Episoden werden ihm bleiben. Sofort fällt dem 53-Jährigen eine Führung für den katholischen Kindergarten aus der Anfangszeit ein. „Die Kinder sprangen begeistert im Dreck herum, denn damals war jede Menge Matsch auf der Baustelle.“

Trotz der eingesauten Kinderkleidung scheinen jedoch auch die Erzieherinnen den Ausflug nicht bereut zu haben – ziert doch ihr Dankesbrief noch immer die Küchenwand in Winters Lügder Bleibe. Und ebenso wenig wie die Nachbarn, die auch mal mit Kuchen vorbeikamen, wird Winter eine andere der insgesamt über 40 Tunnel-Führungen vergessen: „Da standen auf Einladung der Kolpingsfamilie plötzlich 100 Leute vor der Tür“, wundert er sich noch heute.

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Auch ein Dankesbrief des Lügder St.-Marien-Kindergartens ziert die Wand in der Küche.

Belustigt denkt er auch an ein paar tierische Zwischenfälle. So, als ein „Riesenhund“ durch die frisch betonierte Tunnelsohle lief, ein Meisenpaar sein Nest ausgerechnet in einer Aussparung in der Tunnelwand baute, ein ausgebüxtes Pony, Ziegen und mehrere Entenfamilien die Baustelle aufmischten oder jugendliche Einbrecher in einem Container ein paar weiße Ratten hinterließen.

Dass die Lügder auch zu feiern verstehen, erlebte Winter bei einem Schützenfest – und, als die Emmerbrücke nach der Einweihung zur Tanzfläche wurde. Schon jetzt steht für ihn fest: „Klar komme ich zur Party, wenn alles fertig ist.“

Der enge Kontakt zu den Menschen war es, der Winters Job in Lügde prägte. „Normalerweise stehen Baubüros ja nicht mitten im Ort.“ Bisweilen strengte ihn die Nähe zu den vielen betroffenen Anliegern aber auch an. „Das Jahr, als wir die acht Hochwasser hatten, war stressig“, denkt Winter an die Probleme ab Januar 2007 zurück. Und wenn die Strabag bei staubenden Arbeiten früher den Besenwagen geordert hätte, wäre Winter auch einiges an Ärger erspart geblieben.

Geschichte ist übrigens auch bald sein Büro: Das Haus wird wohl im Frühjahr abgerissen. Denn die Anbindung vom künftigen „Kreisel Mitte“ zur Umgehungsstraße führt genau hindurch.

Frank Winter wird künftig nur noch in Bielefeld zu erreichen sein (Telefon 0521 / 1082180), aber es gibt mit Dirk Nesemeier (Handy 0162/2398641) von der Straßenmeisterei in Schieder weiterhin einen Ansprechpartner in der Nähe.



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