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Speicherkraftwerk bei Elbrinxen geplant

Hochtief will 300 Millionen Euro investieren

Lügde. Wo derzeit noch viele Wanderer die Natur genießen, könnte es schon bald vorbei sein mit der Idylle: Der Bauriese Hochtief plant an der ehemaligen Nato-Station auf dem „Mörth“ zwischen Elbrinxen und Rischenau ein Pumpspeicherkraftwerk zu errichten. Das teilte der Kreis Lippe am Mittwoch mit. Das Unternehmen sei derzeit dabei, einen Zeitplan auszuarbeiten. Mit einem Baustart rechne Hochtief jedoch frühestens ab 2016, die Inbetriebnahme wäre dann ab 2021 möglich, heißt es in der Presseerklärung weiter. Mit 320 Megawatt Leistung würde das Pumpspeicherwerk zu einem der größten in Deutschland zählen. Die Kosten dafür sollen sich auf rund 300 Millionen Euro belaufen. Landrat Friedel Heuwinkel stellt jedoch klar: „Derzeit sind wir erst in den Anfängen der Planungen.“ Fragen nach der Umweltverträglichkeit, Planfeststellung, Grundstückssicherung, die technische Konzeption sowie die Finanzierung und weitere Voraussetzungen müssten erst noch geklärt werden.

veröffentlicht am 04.07.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 05:41 Uhr

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Autor:

von jennifer bremer
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Hochtief sucht derzeit deutschlandweit nach geeigneten Standorten für Pumpspeicherkraftwerke. Aufgrund der topografischen Gegebenheiten würde sich der Standort auf dem Mörth jedoch anbieten, denn dort können Fallhöhen von bis zu 300 Metern erzielt werden und das ist wichtig, denn: Produziert zum Beispiel ein Windpark mehr Strom als benötigt, pumpt das Kraftwerk mithilfe des überschüssigen Stroms Wasser aus einem tiefer gelegenen Becken in ein höher gelegenes Bassin. Übersteigt dann zu einem anderen Zeitpunkt die Stromnachfrage die Produktion, wird das Wasser aus den Oberbecken abgelassen und treibt eine Turbine an, die so den benötigten Strom erzeugt. Der Landrat betont, „dass ein Pumpspeicherkraftwerk Chancen für die Region bringt“. Neben einer Stärkung des Umsatzes durch eine mehrjährige Bautätigkeit und einer gesteigerten Wahrnehmung der Region, ermögliche ein Pumpspeicherkraftwerk, im Vergleich zu anderen Speichertechnologien, eine regionale Wertschöpfung und erhöhe die Versorgungssicherheit im Umfeld der Anlage.

Lügdes Bürgermeister Heinz Reker reagierte indessen verhalten. In seiner Brust scheinen derzeit zwei Herzen zu schlagen: „Ich gehe da ergebnisoffen ran. Dreihundert Millionen werden schließlich nicht jeden Tag in Lügde investiert, dennoch darf man den Aspekt Landschaftsschutz nicht außer Acht lassen.“

Rischenaus Ortsbürgermeister Dieter Diekmeier scheint die mögliche Errichtung des Pumpspeicherkraftwerks gelassen zu sehen: „Es sind ja erst einmal nur Überlegungen.“ Dennoch erinnert er daran, dass dadurch „eine Menge landwirtschaftlicher Fläche verloren gehen würde“. Denn zum Speichern des Wassers soll nicht nur ein Obersee angelegt werden – die dafür ins Auge gefasste Fläche gehört dem Landesverband – sondern auch ein Untersee. Und der wiederum würde auf Privatland angelegt. Dafür soll es im Falle einer Realisierung des Projekts Verhandlungen mit rund 20 Landbesitzern geben. Insgesamt soll das ganze Areal, das Hochtief erwerben müsste, rund 60 Hektar groß sein.

In einem Pumpspeicherwerk wird bei geringer Energienachfrage Wasser von einem niedrigen Niveau auf ein höheres gepumpt. In Spitzenlastzeiten wird es dann aus dem oberen Becken in das untere Becken abgelassen, um über Generatoren Strom zu produzieren. Hochtief

Diese Dimensionen vermag sich Hermann Wenneker, Ortsvorsteher von Elbrinxen, noch gar nicht vorstellen: „Die Größenordnung übersteigt alles. Wie soll das denn da oben hinpassen? Wollen die da etwas anbauen?“, fragt er sich. Probleme sieht er auf Hochtief zukommen, wenn es darum geht, das Land für den unteren See zu erwerben: „Der Landesverband mag beim Verkauf des Geländes ja noch mitspielen, aber ob das die Landwirte tun, wage ich zu bezweifeln.“

Über weitere Details der Planung will Hochtief derzeit keine Auskunft geben. „Das machen wir erst nach den Sommerferien“, sagt Pressesprecher Bernd Reuther.

An dem alten Nato-Gelände auf dem „Mörth“ zwischen Elbrinxen und Rischenau könnte zukünftig ein Pumpspeicherwerk stehen.heb



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