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Hochkonjunktur in Storchenstation Elbrinxen

ELBRINXEN. Wer sich in diesen Tagen in oder rund um den Lügder Ortsteil Elbrinxen aufhält, dem werden rege Flugaktivitäten von Störchen nicht entgehen. Auf ihren weiten Schwingen kreisen sie über der Feldmark, über dem Dorf und der Storchenstation. Hier herrschen derzeit rege Brutaktivitäten bei den insgesamt zehn Storchenpaaren, darunter acht, die bereits in den letzten Jahren in Elbrinxen „wohnten“.

veröffentlicht am 13.05.2019 um 16:53 Uhr
aktualisiert am 13.05.2019 um 19:00 Uhr

Die nasse und kalte Witterung der letzten Tage stellt für die Storcheneltern eine besondere Herausforderung bei der Aufzucht ihrer Jungtiere dar. Unaufhörlich sind sie auch unterwegs, um ausreichend Nahrung zu suchen. foto: afk

Autor:

Joachim Krause
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Storchenpfleger Rolf Klinge vom Verein zum Schutze des Weißstorches rechnet damit, dass es letztlich mindestens 20 Jungtiere sein werden, die in Elbrinxen das Licht der Welt erblicken, so viele wie in den letzten Jahren auch.

Im schmucken Informationsgebäude neben dem Gehege schaut Rolf Klinge bis zu dreimal täglich vorbei, um das Geschehen rund um die Nester zu beobachten. Jede Veränderung im Verhalten der Störche wird registriert und mit der Erfahrung aus den 14 Jahren seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der Storchenaufzucht bewertet. „Die Witterung macht den Tieren zu schaffen. Im letzten Jahr war es die extreme Trockenheit um diese Zeit, die das Nahrungsangebot einschränkte. In diesem Jahr sind es die Nässe und die Kälte, die den Jungtieren zusetzen“, ist Klinge besorgt, der wie sein Stellvertreter Werner Rissiek und Adrian Walter sowie der Vorsitzende des Vereins, Günter Kopei, mehrmals täglich auf dem Gelände vorbeischaut. „Es machen uns jetzt auch Plastikteile von Tüten und Siloplanen zu schaffen, die vor allem die männlichen Tiere mit in die Nester bringen“, beklagt der Storchenvater und zeigt als Beweis einen Reinigungsschwamm vor, den Werner Rissiek gerade aus einem Nest entfernt hat. „Wenn sich die Folien zwischen Ei und Bruttier legen, strahlt nicht genug Wärme nach unten ab. Bei der nasskalten Witterung verenden dann die Jungtiere.“ Zwei Jungstörche mussten die Elbrinxer Storchenfreunde bereits tot bergen.

Diese störenden Teile zu entfernen, ist aber nicht so ganz einfach, denn zum einen liegen sie in den Nestern in sieben Meter Höhe, zum anderen wollen die Storchenpfleger die brütenden Stelzvögel so wenig wie möglich stören. Bei dem einen, ständig durch eine stationäre Kamera überwachten Nest ist die Kontrolle aus der Entfernung dank der Livebilder in der Station gut möglich. Bei den anderen bedient man sich einer auf eine langen Teleskopstange montierten mobilen Minikamera, mit der die Vereinsaktiven vorsichtig ins Nest „spicken“. „Das haben wir bisher noch nicht gemacht. Deshalb wissen wir derzeit nicht genau, wie viele Jungstörche inzwischen schon geschlüpft sind“, sagt Günter Kopei.

2 Bilder
Eng zusammengekauert, um sich gegenseitig zu wärmen, liegen hier vier Jungstörche in einem der Nester in der Elbrinxer Storchenstation. foto: afk

Beim Livebild aus dem Nest sind ein Storchenelternpaar und ein schon recht properes Jungtier zu erkennen. Klinge: „In der Regel legen Störche fünf Eier im Abstand von fünf Tagen. Aber erst nach dem dritten Ei fangen die Paare an zu brüten.“ Die geschlüpften Jungtiere suchen sich unter dem wärmenden Federkleid ihrer abwechselnd brütenden Storcheneltern ihr Plätzchen. „Das kann auch schon mal dazu führen, dass die etwas Älteren das Schwächste totpicken, weil sie es als Nahrung sehen“, weiß der Storchenvater und beobachtet den regen Betrieb am Monitor. Letztlich sind es in der Regel zwei Jungtiere pro Paar, die die Zeit der Brut, des achtwöchigen Aufwachsens und danach den Jungfernflug lebend überstehen.

„Auch wenn die Natur ihre eigenen Gesetze hat und auch tote Tiere dazugehören – am liebsten ist uns natürlich, wenn wir alle durchbringen“, gesteht Rolf Klinge, der selbst von Kindesbeinen an begeisterter Taubenzüchter ist und in diesem Jahr sogar Deutscher Meister wurde. Die Erfahrung des 74-Jährigen im Umgang mit Geflügel ist unschätzbar auch im Verein. Er dokumentiert alles rund um die Tiere und freut sich: „Ich finde es toll, dass immer mehr Dörfer Nistmöglichkeiten für Störche schaffen.“ Aber Günter Kopei macht die Einstellung der Storchenfreunde deutlich: „Das sind Wildtiere und sollen es auch bleiben.“ Bis Ende August müssen die Jungtiere so weit sein, dass sie die Reise nach Süden antreten können.

Die Storchenstation in Elbrinxen erfreut sich großen Interesses. Dort vermitteln die Experten im Rahmen von kostenlosen Führungen und über das Live-Videobild hautnahe Eindrücke über die aktuellen Aktivitäten. Schulklassen, aber auch Besuchergruppen, sind gerngesehene Gäste. „Das beeindruckt alle immer wieder“, freuen sich Rolf Klinge und Günter Kopei über die positiven Reaktionen von Interessierten, die aus dem weiten Umkreis Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens gezielt nach Elbrinxen anreisen, um die Störche live zu erleben und sich über die Arbeit der Helfer zu informieren. Führungen müssen vorab angemeldet werden unter Telefon 05283/ 423. Die Storchenstation selbst ist in Elbrinxen von der Durchgangsstraße aus mit Hinweistafeln ausgeschildert.



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