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Eltern melden ihren Nachwuchs immer früher zur Betreuung in den Kindergärten an – Nachricht gibt’s aber erst im April

Hilfe! Viel zu wenige Kita-Plätze für die Kleinsten

Lügde. Das Schlagwort von der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ bemühen Politiker landauf, landab immer gern im Zusammenhang mit dem Thema Kinderbetreuung. Einen Rechtsanspruch darauf haben Eltern bisher bekanntlich erst dann, wenn ihr Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat. Für die Kleineren, also die „U-3“-Kinder, soll er erst 2013 kommen. Das nordrhein-westfälische Kinderbildungsgesetz (KiBiz) macht die Sache nicht einfacher. Es gilt zwar seit vier Jahren – und doch haben alle Eltern, die ihren unter drei Jahre alten Nachwuchs jetzt für die Krippe angemeldet haben, auch jetzt wieder eine Hängepartie vor sich: Erst Mitte, Ende April erfahren sie, ob sie einen Betreuungsplatz kriegen oder nicht. Das heißt: Vorher können die Mütter – denn sie betrifft das Problem meistens – nicht klären, ob die dann wieder außer Haus arbeiten gehen können oder weiterhin daheim bleiben müssen.

veröffentlicht am 21.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 11:17 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Lügdes Kindergarten-Erzieherinnen wissen von so mancher Mutter, die noch ein Jahr länger zu Hause blieb als sie eigentlich wollte, weil sie für ihren Nachwuchs keinen Kita-Platz fand. „Die Eltern melden ihre kleinen Kinder nicht zum Spaß an“, sagt etwa Falkenhagens Kita-Leiterin Martina Deppenmeier. „In vielen Familien müssen einfach beide verdienen, um über die Runden zu kommen.“

Im Lügder Rathaus hat Walter Schrader jetzt die Anmeldezahlen aus den fünf Kindergärten und Tagesstätten zur Kreisverwaltung nach Detmold weitergeleitet. Und das, was die Kita-Leiterinnen allen Eltern gesagt haben, betont auch er: „Wir wissen nicht, ob es gelingt, alle Kinder aufzunehmen.“ Sabbenhausens Kita-Leiterin Beate Deppenmeier ergänzt: „Wir wollen nicht, dass sich jemand falsche Hoffnungen macht.“

Denn wieder einmal übertrifft die Zahl der Anmeldungen von U-3-Kindern die der vorhandenen Plätze bei weitem. Seit es mehr Krippenplätze gibt, versuchen immer mehr Eltern, ihre Kinder schon so früh wie möglich betreuen zu lassen – weil sie auf zwei Gehälter angewiesen sind oder weil die Mutter die einzige Verdienerin ist.

Deshalb sind Kinder im Alter ab drei Jahren, die zum kommenden Sommer in den Lügder Kitas angemeldet worden sind, in der Minderheit. Um die 30 Eltern dürften somit von Rechts wegen überhaupt auf Betreuungsplätze pochen können. Viele dieser Kinder hätten die Eltern gern schon früher außer Haus betreuen lassen. Doch mangels Rechtsanspruch und Plätzen wurde daraus nichts.

Immerhin haben Alleinerziehende bei der Vergabe ganz gute Chancen auf einen Kita-Platz für ihre Kleinkinder, denn die werden bevorzugt behandelt. Die anderen hingegen brauchen Glück.

Deshalb melden viele Eltern ihre Kinder – vor allem in der Kernstadt mit ihren drei Einrichtungen – sicherheitshalber gleich doppelt oder sogar dreifach an. Das allerdings erschwert die Übersicht: So haben Lügdes Eltern für insgesamt 105 Kinder Betreuungsstunden in den fünf Einrichtungen in Lügde, Falkenhagen und Sabbenhausen gebucht. Die Mehrfachanmeldungen abgezogen, dürften es locker 20 weniger sein. Doch: Weit über die Hälfte der Kleinen sind noch keine drei Jahre alt. In der AWO-Kita am Sonnenhof trifft das sogar auf 20 von 21 Anmeldungen zu. In der Waldstraße fallen 22 von 32 angemeldeten Kindern in Kategorie „U 3“, und auch in der katholischen St.-Marien-Kita übertrifft der Bedarf das Angebot deutlich. In Falkenhagen und Sabbenhausen haben elf beziehungsweise zwölf der jeweils 19 angemeldeten Kinder das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet.

Deshalb blicken jetzt sowohl die Stadt als auch die Träger der übrigen Kitas gespannt nach Detmold und Düsseldorf. Denn niemand weiß bisher, wie dort dem gestiegenen Bedarf an Plätzen für die Minis begegnet wird. Halten sich die Entscheider ans Gesetz, dann könnte es passieren, dass zum Beispiel in den drei städtischen Kitas nur die freiwerdenden Krippenplätze besetzt werden. Das wären bei je zehn Krippenplätzen nach aktuellem Stand je sieben an der Waldstraße, in Falkenhagen und Sabbenhausen. Denn mindestens neun der 30 Krippenplätze an den drei Standorten bleiben auch nach dem Sommer mit schon jetzt dort betreuten Kleinkindern belegt. Im St.-Marien-Kindergarten werden wohl sechs U-3-Plätze frei und in der AWO-Kita neun.

Angesichts der leeren Kassen der Kommunen ist kaum davon auszugehen, das den ganz Kleinen ohne Anspruch nun allerorten Tür und Tor geöffnet werden. Denn die Beiträge der Eltern decken die tatsächlichen Betreuungskosten nicht; hier buttert die Öffentliche Hand kräftig zu.

Und auch die mittlerweile drei Tagesmütter in der Emmerstadt werden die Lücke kaum schließen können.



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