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So mischt Gernot Hassknecht Lügde auf

Herrliche Hasstiraden und Pointen zuhauf

Lügde. Gleich zu Beginn erfuhren die „Lüchter“ schon mal, wo es langgeht: „In diesem Saal riecht’s wie Opossum, das Licht habt Ihr wohl auch auf einem Flohmarkt gekauft, und hier würde Rainer Brüderle auch nach drei Flaschen Riesling niemanden anbaggern.“

veröffentlicht am 14.04.2014 um 00:01 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 15:41 Uhr

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Autor:

Rudi Rudolph
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Ein Meter sechzig kommen aus dem Saal die Treppe heraufgefegt und haben das Publikum im Griff. Hans-Joachim Heist, besser bekannt als Gernot Hassknecht, der Giftzwerg aus der „heute-show“ und Choleriker aus Passion, führt die Zuschauer nicht „In zwölf Schritten zum Choleriker“, wie sein Programm übertitelt ist, das würde wohl auch ermüden. Eher unternimmt er einen Parforceritt durch die Politik und durchs Private und beleidigt dabei alles, was ihm in die Quere kommt.

Vollkommen frei von politischer und gesellschaftlicher Korrektheit zieht er über seine Frau Renate her, „das Fass ohne Hoden“, die in allen sozialen Netzwerken unterwegs ist. „Und die sind schlimmer als die Atombombe,“ keift er. „Jeder hat 388 Freunde – Christian Wulff hat ‚Minus 2‘, aber Sabine, ja, die hat unter der Bluse zwei tolle Apps!“

Trotz mangelnder Programmatik vermittelt er bestens die Grundlagen, um ein guter Choleriker zu werden. Da empfiehlt er sein neues Kochbuch mit dem Titel „Iss Dich wütend“ und mahnt: „Vermeiden Sie Bioläden und Wochenmärkte!“ Klar, dass seine Nahrungspyramide diesem Anspruch angepasst ist. „Wenig Grünzeug! Viel Kaffee und Alkohol! Und noch mehr rotes Fleisch! 80 Prozent Ihrer Nahrung sollte ein Gesicht gehabt haben!“ Probates Mittel sind, so Hassknecht, alle Arten von Burgern. Allerdings am besten, wenn man die pappigen Brötchenteile durch fetttriefende Steaks ersetzt.

Als gründlicher Verweigerer jeglichen Sports „außer dem im Fernsehen“ gibt er der Fitness-Branche einen Seitenhieb mit. Da sehen die „Leute aus wie Michelin-Männchen, nur in fett, und die Frauen brauchen ein Kilo Vaseline, um in die Radlerhosen ’reinzukommen.“ Und wer „auf Laufbändern einem Fernseher hinterherläuft, sollte sich vor Augen halten: Das Einzige, was hilft, gesund zu bleiben, ist, nicht krank zu werden.“

Da kommen die Pointen so schnell, dass im Saal mancher Lacher erst zu spät einsetzt, doch letztlich laufen die Lachtränen überall. Wie die Nummernschilder der abfahrenden Autos zeigen, kommt die Fangemeinde aus weiter Umgebung nach Lügde. Der Schauspieler Hans-Joachim Heist erlebt wohl gerade im zarten Alter von 65 Jahren seinen Karrierehöhepunkt. Und wenn auch gelegentlich der Schauspieler durchkommt und man ein „gelerntes Programm“ erlebt, das nicht wie bei Kabarettisten auf manche spontane Interaktion mit dem Publikum setzt, fühlen sich die Zuschauer hervorragend unterhalten und setzen hoffentlich nicht so manchen Tipp des Berufscholerikers in die Tat um.

Wie sagt er doch? „Nutzen Sie den Nachhauseweg! Kotzen Sie ins Taxi und schreien Sie Ihre Frau an!“



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