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Was Arnulf Schaper vom PSW-Plan hält

„Heimat nicht ruinieren lassen“

Lügde. Als die Hochtief-Tochtergesellschaft „PSW Lippe GmbH“ vor knapp fünf Monaten die Bürger in Elbrinxen erstmals direkt über ihren Plan zum Bau eines Pumpspeicherwerks informierte, versprachen die Konzern-Vertreter ihren Zuhörern Transparenz. Denn sie wussten und wissen: Anderswo in Deutschland scheiterten solche gigantischen Projekte schon mehrfach, weil die Bürger die damit drohenden massiven Eingriffe in die Natur nicht hinnahmen.

veröffentlicht am 08.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 08:55 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Das will auch Arnulf Schaper nicht tun. Seit Monaten beschäftigt sich der Lügder intensiv mit den Plänen des Baukonzerns mitten im naturgeschützten Waldgebiet Mörth.

Zuerst wollte er vor allem wissen, was genau der Konzern-Ableger auf, in und an den Berg mit welchen Folgen bauen will. Deshalb nahm Schaper die Aufforderung der Projektierer zum Dialog beim Wort: Am 30. Dezember schickte er einen umfangreichen Fragenkatalog sowohl an Hochtief als auch an Lügdes Lokalpolitiker ab. Letztere haben öffentlich bisher kaum Stellung bezogen. Immerhin aber hat Schaper nun aus dem Essener PSW-Projektbüro Antworten auf 63 seiner 90 Fragen bekommen. Einige der Erklärungen stimmen den Lügder nun jedoch zunehmend skeptisch. Nicht zuletzt, weil Hochtief zwar eine Rubrik mit Bürger-Fragen und Konzern-Antworten auf der PSW-Homepage im Internet eingerichtet hat (wir berichten), in der Schaper zwar einige Teile des Fragen- und Antwortenkatalogs wiederfand. Aber längst nicht alle. Und gerade jene nicht, die nach seiner Überzeugung Zündstoff bergen.

Vor allem das brisante Thema Wasserentnahme führen die Bau-Projektierer auf ihrer Homepage nicht besonders erschöpfend aus. So weiß Schaper nicht, was er von dem Plan halten soll, das Unterbecken des Pumpspeicherkraftwerks für dessen erste Füllung mit an die drei Milliarden Litern Wasser aus der Emmer zu speisen. Das könnte laut Hochtief – genügend Regen vorausgesetzt – über einige Monate hinweg gelingen. Allerdings ist Schaper schleierhaft, wie die Betreiber später ausgerechnet in trockenen Sommern den Fluss anzapfen wollen, um verdunstendes Becken-Wasser wieder aufzufüllen. Denn dann führt der Fluss bekanntlich selbst nur wenig Wasser.

Wie ein verwunschener Märchenwald wirkt das Mörth auf Spaziergänger. Mit Blick auf die Hochtief-Pläne zum Bau eines Pumpspeicherkraftwerks in diesem Bereich sagt der Lügder Arnulf Schaper: „Ich bin ganz klar dagegen, mir unsere Heimat mit ihrer wunderschönen Landschaft ruinieren zu lassen.“

Apropos: Auch die Frage, wie sich die Versiegelung von insgesamt 60 Hektar Landschaft auf den Wasserhaushalt der Region auswirken würde, sieht Schaper nicht geklärt. Hinzu kommt: Gleich hinter der Schiedersee-Staumauer wird die Emmer samt Umfeld zum FFH-Gebiet. Dort verbietet – wie auch im ebenso geschützten Mörth – die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union alle nennenswerten Eingriffe in die Natur.

Deshalb kann Arnulf Schaper für sich nur eine Konsequenz ziehen: „Ich bin ganz klar dagegen, mir unsere Heimat mit ihrer wunderschönen Landschaft ruinieren zu lassen“, sagt der 57-Jährige. „Das klingt vielleicht seltsam“, sagt er. „Aber ich bin unserer heimischen Natur eng verbunden und mit ihr verwachsen.“ In diesem Empfinden sieht er viele Lügder und Pyrmonter hinter sich. Ebenso baut er auf Lügdes Lokalpolitiker: „Ich wünsche mir, dass auch sie bald eine Position finden“, sagt er. Welche, das müsse freilich jeder für sich entscheiden. Fest stehe jedoch: „Das Thema ist zu wichtig, um im Wahlkampf darüber hinwegzugehen.“

Als Gegner der Energiewende sieht sich der Lügder keineswegs. „Die muss jeder vernünftige Mensch wollen“, findet er. Aber dass ein so gigantisches Bauprojekt ausgerechnet in einem landschaftlich so wertvollen Schutzgebiet umgesetzt werden könnte, kann er nicht nachvollziehen. Noch weniger will ihm in den Kopf, dass ausgerechnet der Kreis Lippe und der Landesverband, „die unsere Interessen vertreten sollten und das Mörth erst zum Schutzgebiet gemacht haben, unsere Heimat jetzt versilbern wollen“. So wortgewandt Schaper ist, gesteht er an dieser Stelle: „Das macht mich fast sprachlos. Und das will ich verhindern.“

Befremdet hat ihn überdies, dass die beiden Hochtief-Ingenieure, die ihm die Konzern-Antworten persönlich übergaben, zunächst nicht wollten, dass er alle Antworten veröffentliche. „Das konnte ich verstehen, aber nicht akzeptieren“, sagt er. Weil die PSW-Repräsentanten letztlich aber doch ihr Okay gaben, stellt Schaper das Papier nun allen Interessierten zur Verfügung. Eine E-Mail an arnulf.schaper@t-online.de genügt.



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