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Hochtief und Kreis Lippe informieren über mögliches Pumpspeicherwerk bei Lügde

Gespräche über einen Energie-Giganten

Schieder. Die Insel Pellworm versucht, sich mit Hochleistungsbatterien so groß wie Schiffscontainer autark zu machen und den auf der Insel aus regenerativen Quellen gewonnenen Strom zu speichern. In Staßfurt in Sachsen-Anhalt planen Ingenieure eine Test- und Pilotanlage, in der unterirdische Kammern mit Druckluft befüllt werden, die bei mangelnder Stromkapazität über Turbinen wieder abgelassen werden kann. Einen wiederkehrenden Kreislauf hingegen und damit einen verbesserten Wirkungsgrad sollen Pumpspeicherwerke (PSW) bieten. Mit dieser Technik wird in Zeiten bestehenden Stromüberschusses Wasser in ein höher liegendes Becken gepumpt, um bei höherem Strombedarf über stromerzeugende Turbinen wieder in das tiefer befindliche Auffangbecken abgelassen zu werden.

veröffentlicht am 14.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

von Klaus Titze
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Diese Technik zählt derzeit zu den effizientesten Möglichkeiten, überschüssig gewonnene Energie intelligent zu speichern und sinnvoll zu nutzen. Beispielsweise in Goldisthal im Thüringer Wald oder in der Schweiz befinden sich derartige Anlagen in der praktischen Anwendung. Nun beabsichtigt der internationale Baukonzern Hochtief AG über sein Tochterunternehmen PSW Lippe GmbH (Pumpspeicherwerk) auf dem ehemaligen Nato-Gelände Mörth im Schwalenberger Wald ein solches Projektgebiet einzurichten (wir berichteten). Was dem einen ein wirtschaftlicher Segen, ist dem anderen ein Graus. Vereinzelt kam in Lügde Kritik wegen einer mangelhaften Bürgerbeteiligung auf. Nun, die möglicherweise betroffenen Landwirte erhielten bereits Informationen aus erster Hand während einer eigens für sie terminierten Veranstaltung in Elbrinxen. Darüber hinaus luden gestern der Kreis und die PSW Lippe GmbH zu einer Pressekonferenz über den derzeitigen Stand des unternehmerischen Vorhabens. Davon machten Vertreter der betroffenen Kommunen und des Landkreises Lippe auch Gebrauch.

„Seit 80 Jahren konstruieren wir bei Hochtief in der Sparte der Speicherkraftwerke. Die Pumpspeicherwerke weisen in diesem Bereich eine ausgereifte Technik auf,“ führt Peter René Jamin, Geschäftsführer der PSW Lippe, zu Beginn aus. Zudem sei diese Form von Energieregelung akzeptierter als die mit großer Skepsis betrachteten unterirdischen Eingriffe anderer Speicherarten.

Im Kreis Lippe habe man sich nun für eine Machbarkeitsstudie am Standort Schwalenberger Wald entschieden, da sich hier aufgrund vorhandener Strukturen geringe Eingriffe in die Landschaft abzeichnen. Bastian Görke, der zuständige Projektleiter, ergänzt: „Es handelt sich auch wegen der Bodenbeschaffenheit um einen nahezu idealen Standort.“ Zirka 300 Höhenmeter lägen zwischen dem Ober- und dem Unterauffangbecken und ergäben eine ausreichende Fallhöhe für die Turbinen. „Der umlaufende Wall des unteren Beckens lässt sich aufgrund der Hanglage verkürzen. Die Zuleitungen zu den beiden Becken werden so in den Berg getrieben, dass es oberirdisch kaum Eingriffe in die Landschaft erfordert. Das Gelände des oberen Beckens kann auf einer Fläche eingerichtet werden, die nicht einer Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie unterliegt“, erklärt Görke weiter. Anhand eines eingeblendeten Luftbildes verdeutlicht er die möglichen Alternativen der Anlage eines unteren Auffangbeckens. Dabei sei die Frage derzeit noch nicht geklärt, wo genau das Becken angelegt werde. Dies sei noch in Gesprächen mit den Landwirten und den Kommunen zu klären. „Erst nach 2016 könnte die ungefähr vierjährige Bauphase beginnen. Allerdings nur, wenn die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen seitens der Politik geschaffen sind“, erklärt Jamin.

Ein Vermessungsingenieur erklimmt die Steigung des Oberbeckens im Pumpspeicherwerk Goldisthal. dpa

„2022 sollen die letzten Atommeiler abgeschaltet werden. Nicht die Strommenge an sich, sondern die Regelung der Lasten, also das Hinzuschalten oder Speichern von Strom wird dann eine entscheidende Rolle spielen. Bereits heute bestehen massive Probleme durch die unterschiedlichen Lasten der Einspeisung. Und die Uhr bis 2022 tickt“, sagt Jamin. „Schritte in die für den Landkreis Lippe wichtige Entwicklung regenerativer Energien sind wir schon sehr früh gegangen“, erklärt Landrat Friedel Heuwinkel. Nun komme es darauf an, sich zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und die Bürger frühzeitig mitzunehmen.

Diese Mitnahme soll in der kommenden Woche am Donnerstag, 19. September, ab 19 Uhr im Lippischen Hof in Elbrinxen geschehen: „Dann haben alle Bürger aus Lügde und den angrenzenden Ortschaften die Möglichkeit, sich umfassend über das Projekt zu informieren“, lädt die Lipper Fachbereichsleiterin für Umwelt und Energie, Dr. Ute Röder, zu einem Informationsabend ein. An selber Stelle tagt um 14 Uhr öffentlich der Ausschuss für Umwelt und Energie des Kreistages.

Katrin Buhr, Vertreterin der Stadt Lügde, sichert zu, dass die Stadtführung dem Projekt ergebnisoffen gegenüberstehe. Und der Bürgermeister von Schieder-Schwalenberg, Gert Klaus, meint: „Wenn man die Energiewende will, dann muss man sie auch machen.“



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