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Ältestes Gebäude in Lippe: Außenfassade des Pfarrhauses in Falkenhagen wird für 200 000 Euro restauriert

Gemeinde muss Sanierung alleine stemmen

Falkenhagen. Strahlend blauer Himmel, Temperaturen um die zehn Grad und trocken – für Benjamin Lüke und seine Kollegen von der Brakeler Fachfirma Büse sind das gute Arbeitsbedingungen. Seit einigen Wochen ist das Pfarrhaus in der ehemaligen Klosteranlage in Falkenhagen ihr Arbeitsgebiet, sind sie dabei, die kulturhistorische Bausubstanz fachgerecht zu sanieren.

veröffentlicht am 18.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 23:21 Uhr

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Autor:

von Wolfgang Siefert
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1509 ist das landschaftsprägende Gebäude aus der Zisterzienserzeit erbaut worden, hat in den zurückliegenden fünf Jahrhunderten so manche Bewährungsprobe überstehen müssen. Durch die Kreuzherren zur Blüte gebracht und wirtschaftlich geordnet, er- und überlebte die Anlage die Reformation ebenso wie den Dreißigjährigen Krieg (1618-48) oder auch die Kriege im letzten Jahrhundert. Dass sie am ältesten Gebäude in Lippe – manche sagen sogar in Ostwestfalen-Lippe – arbeiten, ist den Handwerkern bewusst, immerhin hat der Denkmalschützer bei der Sanierung der Außenfassade des Fachwerkgebäudes ein wichtiges Wort mitzusprechen.

Seit acht Wochen ist das Gebäude mit seinen Verwaltungsräumen und einem Versammlungsraum im Erdgeschoss sowie der Pfarrwohnung im Obergeschoss mit einem Gerüst und einer Folie versehen, seit acht Wochen haben die Fachleute kräftig Hand angelegt, sandgestrahlt und dann ausgebessert. Es ist eine große Anlage mit der gewaltigen und nicht nur für Gottesdienste genutzten Klosterkirche, dem Vorraum, der Sakristei, dem Ostflügel und dem Fachwerkbau.

„Das Neue muss dem alten Ton angeglichen werden“, sagt Benjamin Lüke und nimmt auf einigen Hölzern Musteranstriche vor, um den genauen Farbton zu treffen. Das Holz wird mit Leinenöl in einem Braunton gestrichen. Einige Gefache weisen Risse auf und werden vorsichtig mit Lehmsteinen ausgebessert. Auch hier muss noch gestrichen werden, doch der Farbton steht noch nicht fest. Schritt für Schritt, Etage für Etage, Meter für Meter haben sich die Arbeiter vorgearbeitet. Immer wieder überwacht vom Amt für Denkmalschutz.

Die Arbeiten befinden sich im Zeitplan, bis Weihnachten wird das Gerüst abgebaut sein, kann die renovierte Südseite des Gebäudes wieder in ganzer Länger erstrahlen. Und dann wird das Arbeiten für Silke Wienke, seit über acht Jahren für die Kirchengemeinde als Verwaltungsangestellte tätig, auch wieder erträglich. „Das hat schon sehr gestaubt und natürlich auch gestört. Aber es war dringend erforderlich“, zeigt sie Verständnis. Bei der Ostseite mit der Giebelfront muss man die Witterung beachten, möglicherweise kann die Fertigstellung erst im Frühjahr gemeldet werden.

„Die Arbeiten waren unbedingt notwendig, weil sonst Feuchtigkeitsschäden zu befürchten gewesen wären“, begründet Pfarrer Dietmar Leweke die Eilbedürftigkeit. Wenn der Denkmalschutz mit im Spiel ist, dann sollte man meinen, dass für ein derart historisches Gebäude ausreichend Zuschüsse von der Landeskirche, dem Denkmalschutz oder anderen Geldgebern fließen. Weit gefehlt – die 200 000 Euro teure Sanierung der Außenfassade wird nicht bezuschusst. „Da musste unsere Kirchengemeinde kräftig in den Sparstrumpf greifen und eigenes Geld investieren“, so Leweke, der sich die Frage stellt, warum es den Denkmalschutz eigentlich gibt, wenn keine finanziellen Zuwendungen gewährt werden.

Schon im vergangenen Jahr war die Pfarrwohnung im Obergeschoss für 300 000 Euro komplett renoviert worden. Auch hier hat die Pfarrgemeinde ohne jegliche Zuschüsse auskommen müssen. Lipper sind ja bekanntlich sparsam, und der Geistliche vergisst nicht, seinen Kirchenvorstand zu loben. Er habe stets weitsichtig und wirtschaftlich gehandelt und investiert. „Einigen Kirchengemeinden steht das Wasser bis zum Hals. Daher verbietet sich ein Vergleich mit den gewaltigen Ausgaben wie in Limburg von Anfang an. Die Frage ist nur, wie das für die Kirchengemeinden weiter gehen soll. Denn oftmals handelt es sich um große Immobilien, die in die Jahre gekommen sind und bei denen Reparaturarbeiten gleich in die Zigtausende gehen“, fragt sich der Pfarrer.

Wichtig für die Verteilung der Kirchensteueranteile für eine Gemeinde ist neben anderen Faktoren auch die Zahl der Mitglieder. 1800 Gemeindemitglieder umfasst seine Kirchengemeinde mit den Ortschaften Falkenhagen, Sabbenhausen, Wörderfeld, Hummersen, Niese, Köterberg und Rischenau. Zählt man Elbrinxen mit seinen rund 900 „Schäfchen“ hinzu, dann hat Leweke 2700 Gemeindeglieder in einer sogenannten verbundenen Pfarrstelle zu betreuen. Da ist der Aufgabenplan stets ausgebucht, braucht es eines guten Teams sowohl im hauptamtlichen wie auch im ehrenamtlichen Bereich. Und da ist Leweke stolz auf eine breite Unterstützung vieler helfender Hände.

Bei einer Investition von rund 500 000 Euro innerhalb von zwei Jahren ist die Frage nach einer Einweihungsfeier gestattet. Silke Wienke blättert im vollen Terminkalender. Ihr „Chef“ hat die passende Antwort bereit: „Das überlasse ich den kreativen Kräften. Die haben immer tolle Ideen und werden uns bestimmt überraschen.“

Seit einigen Wochen ist das Pfarrhaus in der ehemaligen Klosteranlage in Falkenhagen eingerüstet.heb



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