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Lügde hat in 13 Jahren 13,7 Prozent Einwohner verloren

Geburtenzahlen schocken Politiker

Lügde. Als geburtenstark ist die Emmerstadt schon seit Jahren nicht mehr bekannt. Mit absehbaren Folgen: In der Großgemeinde sinkt die Zahl der Einwohner. Denn die Zahl der neugeborenen Babys mit Wohnsitz Lügde kann den Verlust durch gestorbene Bürger nicht mehr ausgleichen.

veröffentlicht am 09.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:19 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Zuletzt war das im Jahr 2000 gelungen: Damals überstieg die Zahl der neuen Erdenbürger die der Verstorbenen um genau eine Person. Seither aber geht es – mal mehr, mal weniger – bergab. Ob und wie das Gegensteuern etwas durch eine familienfreundliche Zahl an Krippen- und Kindergartenplätze oder durch den Bau des Emmerauenparks schon mehr Menschen zum Kinderkriegen angeregt hat, lässt sich aus den Düsseldorfer Zahlen noch nicht ableiten. Denn dazu ist die jüngste Statistik nicht aktuell genug.

Was allerdings feststeht: Das Jahr 2012 als letzte Nennung in der Statistik weist in der Alterspyramide über 13 Jahre hinweg die bisher höchste Differenz auf: Der „Sterbefallüberschuss“ betrug 74. Für die Jahre zwischen 2000 und 2012 summiert er sich auf 474. Die einzelnen Zahlen schwanken zwar gehörig. Im Durchschnitt wurden aber 36 Sterbefälle mehr als Geburten verzeichnet.

Doch das ist es nicht allein: Jedes Jahr verlassen die Stadt auch deutlich mehr Menschen als hier hinziehen. Seit der Jahrtausendwende bis Ende 2012 ist die Stadt durch Wegzüge um 1227 Menschen ärmer geworden; die Zahl der Einwohner in Lügde und seinen Ortsteilen sank demnach binnen 13 Jahren um 13,7 Prozent. Laut dem Statistik-Landesamt IT.NRW lebten Mitte letzten Jahres nur noch 9859 Menschen in der Emmerstadt und drumherum.

Weil die meisten Menschen, die Lügde den Rücken kehren, in der Gruppe der bis 30-Jährigen zu finden sind, ist mit Blick auf die künftige Entwicklung der Geburtenzahlen nicht allzu viel Optimismus angebracht. Laut der aktuellen Berechnung, die kürzlich Anne Loke vom Kreis Lippe im Lügder Kita- und Schulausschuss vorlegte, kamen in den Jahren 2012 und 2013 nur 58 beziehungsweise 54 neue Erdenbürger mit Wohnsitz Lügde zur Welt. Damit ist jetzt schon relativ sicher, dass in den Sommern 2018 und 2019 auch kaum mehr Kinder hier eingeschult werden.

Laut der aktuellen Prognose von Walter Schrader aus dem Lügder Rathaus werden dann vor allem die ersten Grundschulklassen mit jeweils 15 und 17 Kindern sehr klein. Weiter in die Zukunft blicken kann er nicht: Denn die Kinder, um die es dann gehen könnte, müssen noch zur Welt kommen.

Als Lügdes Schulpolitiker nun im Ausschuss auf das Thema zu sprechen kamen, sahen sich einige höchst beunruhigt. So wollte SPD-Fraktionschef Dieter Diekmeier, der auch Bürgermeister in Rischenau ist, wissen, wie sicher der Schulstandort dort dann noch sei. Hier suchte Walter Schrader zu beruhigen: „Die Zahlen können sich noch geringfügig ändern“, erklärte er, sah aber keinen Grund zur Panik.

Derweil wollte Jürgens Hinrichs (SDP) von Rischenaus Schulleiterin wissen: „Was bedeutet die Zahl für Ihr Kollegium?“ Barbara Gutenbeil machte in ihrer Antwort klar, warum diese Prognosen sie aktuell weniger beschäftigen: „In diesem Jahr hatten wir eher ein Raumproblem zu lösen“, erklärte sie mit Blick auf die teilweise großen Klassenstärken in der Südstadt-Schule. Die erfordern nämlich in gleich mehreren Fächern eine Teilung.

Hinzu kommt: Im Sommer 2016 zieht noch einmal ein starker Jahrgang in die Rischenauer Grundschule ein: Die dann voraussichtlich 38 Kinder sind auf zwei Klassen zu verteilen – und das Platzproblem wird nicht geringer. Nebenbeigestand Barbara Gutenbeil ein, dass sie zur fraglichen Zeit bereits im Ruhestand sei.

Die Pädagogen der Johannes-Gigas-Schule indes werden sich sicher Gedanken machen über die Zukunft auf dem Ramberg. Denn Lügdes seit 2013 existierende Sekundarschule braucht bekanntlich fünf Jahre lang mindestens 60 Schüler für den Fortbestand. Um diese Zahl zu erreichen, dürfte das Kollegium um Schulleiter Uwe Tillmanns sicher alles daran setzen, um auch außerhalb Lügdes am Image der Schule zu feilen. Vor diesem Hintergrund kann die Schweigevereinbarung nach dem Eklat bei der Schulentlassung denn auch nicht wirklich verwundern.

Zur Statistik hatte das Gros der Politiker in der Sitzung erst einmal wenig Fragen. Aber der amtierende Ausschussvorsitzende Manfred Kuczera (FWG) zeigte sich sicher: „Das Thema wird uns noch beschäftigen.“

In der Kernstadt Grundschule – hier die Einschulungsfeier dieses Sommers – schwanken die Einschulungszahlen bis zum Ende des Jahrzehnts nur leicht. In Rischenau indes gehen sie dann zweimal in Folge zurück.Archiv/jl



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