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Gartenbaubetrieb gibt junger Behinderter berufliche Chance

LÜGDE. Sophie Siegmann (23) hat zurzeit wieder viel zu tun: In der Gärtnerei Blumenhaus Schlieker in Lügde ist Hochkonjunktur für Adventskränze. Die junge Frau ist konzentriert bei der Sache, aber Zeit für einen Flachs mit ihren Kolleginnen ist immer. Dass sie hier arbeitet, ist kein Zufall. Sie leistete in dem Lügder Fachbetrieb ein Schulpraktikum und traf hier auf eine aufgeschlossene Geschäftsführung, die ihr jetzt sogar eine Chance zur beruflichen Qualifikation für den ersten Arbeitsmarkt gegeben hat.

veröffentlicht am 08.12.2017 um 17:01 Uhr

Sophie Siegmann (Mitte) ist derzeit gefordert: Adventskränze werden in der Gärtnerei Schlieker gesteckt. Ihr Chef, Michael Schlieker, und Katrin Stepputat vom Netzwerk Lippe, schauen ihr dabei über die Schulter. Foto: afk
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Achim Krause Reporter
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Und die junge Frau will diese Chance beim Schopf packen und bekommt dafür Unterstützung von allen Seiten.

Bis zum Sommer 2015 hatte Sophie Siegmann die kreiseigene Förderschule am Teutoburger Wald in Horn-Bad Meinberg besucht. Zuhause werkelte sie schon immer gern im Garten und im eigenen Wald und gesteht: „Das macht mir einfach großen Spaß.“

Das spielte dann auch bei der Planung ihrer beruflichen Zukunft eine wesentliche Rolle. „Wir haben durch positive Rückmeldungen sehr schnell erkannt, dass die junge Frau in keine Behindertenwerkstätte gehört. Wir wollten deshalb mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, sie möglichst für den ersten Arbeitsmarkt so fit zu machen, dass sie ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis eingehen kann“, blickt Gerhard Damann, Berater für Behinderte und Rehabilitanden bei Agentur für Arbeit in Detmold, zurück. Und Sophie wollte das auch in diesem Beruf!

Von Anfang an überzeugte die fröhliche, aufgeschlossene junge Frau durch ein hohes Maß an Motivation, Fleiß, Ehrgeiz, Zuverlässigkeit und Freude an der Arbeit auch ihren Arbeitgeber Michael Schlieker. „Das hat mit uns von Anfang an gut geklappt“, erzählt er und Sophie bestätigt das lächelnd. Mit der Agentur für Arbeit waren sich alle Beteiligten einig, ihr eine Qualifizierungschance zunächst durch eine individuelle betriebliche Qualifikation, der sogenannten „Unterstützten Beschäftigung“, einer Einarbeitung und Berufsbegleitung (in diesem Fall durch das Netzwerk Lippe) zu geben. Finanziert wird diese dreiphasige Maßnahme durch die Agentur für Arbeit.

Sophie Siegmann nahm von August 2015 bis August 2017 an der „Unterstützten Beschäftigung“ teil. Dabei arbeitete sie an vier Tagen in der Woche im Betrieb und eignete sich grundlegende fachliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten an. Gerhard Damann und Katrin Stepputat sind sich einig: „Besonders wichtig für den erfolgreichen Verlauf der Maßnahme war die sehr persönliche und individuelle Unterstützung seitens des Betriebes. Sie wurde ins Team integriert und erhielt jene erforderliche Anleitung und Hilfe, die es ihr ermöglichten, sich für eine dauerhafte Beschäftigung zu qualifizieren.“

Sophie mit ihrer aufgeschlossenen Art hatte überhaupt keine Berührungsängste mit den Kollegen, ist mitten drin im Betriebsgeschehen. Aber sie war und ist selbst auch gefordert: An einem Tag der Woche nahm sie an einem Projekttag in Detmold beim Netzwerk Lippe teil, an denen die erforderlichen sozialen und beruflichen Kompetenzen trainiert, schulische Kenntnisse aufgearbeitet und die Teilnehmenden auf ihre berufliche Tätigkeit vorbereitet werden. Gerhard Damann und Katrin Stepputat haben die Entwicklung Sophies mit Begeisterung gesehen: „Der positive Verlauf der Maßnahme hat uns überzeugt, dass sie nun auch den Anforderungen einer Ausbildung zur Fachwerkerin im Gartenbau gerecht werden kann.“

Im August hat sie deshalb auch eine kooperative Reha-Ausbildung begonnen. Das bedeutet für sie zusätzlich wöchentlich eine Fahrt zur Berufsschule nach Paderborn. „Wir sehen sie im Moment im Betrieb seltener“, lacht Michael Schlieker, der diese Qualifizierung nach Kräften unterstützt und versichert: „Egal, ob sie die Ausbildung schafft oder nicht – wir werden Sophie auf jeden Fall behalten.“ „Das ist großartig, wie sich hier ein Betrieb in der Verantwortung sieht und sich für die Integration behinderter Menschen einsetzt“, lobt Gerhard Damann und fügt hinzu. „Leider ist das immer noch die Ausnahme.“

Und Sophie? Sie strahlt wie fast immer und freut sich derweil auch schon auf Weihnachten. Vielleicht erfüllt sich dann auch wieder ein Wunsch von ihr: Fachbücher zum Thema Gartenbau.



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