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Medizinstudent Lucas Küppers schnuppert in Lügder Praxisalltag

Früher Patient, jetzt Praktikant

Lügde. Herbstzeit ist Grippezeit und die Wartezimmer sind rappelvoll. Dann wird der demografische Wandel besonders auf dem Land zu einer echten Herausforderung für Hausärzte. Denn davon gibt es immer weniger. Der streitbare Allgemeinmediziner Dr. Bertel Berendes, der in Fernsehshows und Interviews über Landärztemangel und Tablettenverschwendung redete, und damit für mächtig Wirbel in seiner Branche sorgte, entdeckt derzeit eine neue Möglichkeit zur Nachwuchsrekrutierung. Er hat seit einer Woche einen Praktikanten. „Er war der einzige, der sich bei mir gemeldet hat. Wenn er sich schon dafür interessiert, versuche ich natürlich, ihm die Hausarzttätigkeit schmackhaft zu machen“, so Berendes über den jungen Nachwuchsmediziner. Außerdem habe er einen guten, bescheidenen und wissbegierigen Eindruck gemacht. Der 20-jährige Lucas Küppers studiert im fünften Semester an der Medizinischen Hochschule in Hannover den Modellstudiengang HannibaL. Er wurde vor acht Jahren eingerichtet, um Studenten früher die praktischen Aufgaben eines Mediziners zu vermitteln. Das fruchtet offenbar ganz gut, denn laut Dr. Rembert Müller, der ebenfalls in der Praxisgemeinschaft arbeitet, stellt er sich „wesentlich besser an, als viele andere, die ich gesehen habe, besonders bei der Diagnose der Krankheiten“. Abwechselnd schaut der junge Mann nun einem der beiden Ärzte für ein paar Stunden über die Schulter. Er interessiert sich aufgrund der Vielfältigkeit für die Allgemeinmedizin. „Die Praxis hier ist sehr gut ausgestattet, man kann EKGs machen und muss nicht wegen jeder Untersuchung zum nächsten Arzt überweisen“, sagt Lucas. Das ist aber nur ein Grund, warum er das freiwillige Praktikum gerade in Lügde absolviert. „Ich war als Kind hier bei Dr. Müller in Behandlung – und sehr zufrieden“, so Lucas, der aus Pyrmont stammt. Ob er den Weg in die Allgemeinmedizin letztendlich einschlagen wird, kann er noch nicht sagen, da ihn auch die Unfallchirurgie und die Orthopädie begeistern.

veröffentlicht am 29.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 22:41 Uhr

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Autor:

von julia rau
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Dr. Berendes würde es jedenfalls freuen, einen jungen Kollegen in der Nähe zu haben. „Ich selbst bin 70“, so Berendes, „und viele Kollegen im Umkreis sind auch nicht viel jünger“. Er warnte schon vor etlichen Jahren vor dem drohenden Landärztemangel. „Früher wurde ich dafür belächelt und heute soll ich Vorträge darüber halten“, so der Arzt. Doch nun sei es bereits zu spät – „der Karren ist schon an die Wand gefahren“, meint er. Um 100 Prozent der Hausärzte, die heute noch praktizieren, ersetzen zu können, bräuchte man laut Berendes 160 Prozent weibliche Nachfolgerinnen für die gleiche Arbeit „Weil sie wegen Mutterschaft zeitlich nicht so viel arbeiten wie Männer.“ Alternativ bräuchte man 120 Prozent Männer, „weil das Work-Life-Verhältnis heute ein ganz anderes ist“, also das Verhältnis zwischen Arbeits- und Freizeit. Zudem sei die Ausbildung heutzutage länger, die Arbeitszeiten aber kürzer als zu seiner Zeit.

Nur etwa 9,4 Prozent der Studierenden in Deutschland entscheiden sich noch für die Facharztausbildung Allgemeinmedizin. Die „demografische Bombe“, wie es Dr. Berendes nennt, sei damit nicht zu bewältigen. Eine mögliche Lösung wäre ein deutlich höheres Gehalt für Landärzte im Vergleich zu dem der Stadtärzte.

Praktikant Lucas Küppers mit seinem ehemaligen Hausarzt, Dr. Rembert Müller, dem er jetzt über die Schulter schauen darf. Stethoskop und Kittel dürfen dabei natürlich nicht fehlen.jmr



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