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Ehrenamtliche kommen an ihre Grenzen

Flüchtlingshelfer hoffen auf Hilfe

Lügde. Klar. Mancher macht schon dicht, wenn er das Wort Flüchtlinge nur hört. Wer nicht neugierig ist, sondern furchtsam ist oder empfänglich für Hetze, der gibt sich nur seinen meist diffusen Ängsten hin. Ganz anders geht es den Menschen, die sich ehrenamtlich kümmern. Sie tun das, weil sie sich mit verantwortlich fühlen dafür, dass die Neulinge hier klarkommen und ein Teil der Gesellschaft werden. „Einen anderen Weg gibt es nicht. Die Menschen sind nun einmal da“, ist immer wieder von Engagierten zu hören, die von anderen als „Gutmenschen“ diffamiert werden. „Weil sich aber in Lügde, Elbrinxen und nun auch in Sabbenhausen Leute engagieren, hilft das nicht nur den Flüchtlingen“, sagt Holger Nolte-Guenther. „Es verbessert das Klima insgesamt.“

veröffentlicht am 10.12.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:49 Uhr

Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Der evangelische Pastor, der an der Johannes-Gigas-Schule Religion unterrichtet, nennt ein Beispiel von dort: Ohne einen einzigen Flüchtling zu kennen, hätten manche Schüler noch im Sommer „ganz viel Unsinn“ geredet. „Aber wenn sie dann einen syrischen Mitschüler bekommen und sich um ihn kümmern, wird das Klima ganz anders“, hat Nolte-Guenther beobachtet. Andersherum ist Oliver Jürgens, der Elbrinxens Flüchtlingshilfe-Initiative gegründet hat, sicher, „dass die Stimmung ohne die freiwilligen Helfer ganz anders wäre“.

Die Ehrenamtlichen sind gern im Einsatz: „Das macht Spaß“, sagt Nolte-Guenthers Frau Claudia Guenther. „Aber es ist auch anstrengend. Vor allem die Koordination.“ Gabi Dachrodt aus Elbrinxen sieht das ebenso. Denn immer wieder stoßen die Freiwilligen, die für ihren Einsatz ja nicht entlohnt werden, an ihre Grenzen. Obwohl der Runde Tisch mit Vertretern der Stadt und der Kreisverwaltung, Politikern und einem Flüchtlingsberater hilfreich ist, wird den Freiwilligen die Herkulesaufgabe manchmal zur Last. „Wir kümmern uns um ganz alltägliche Sachen“, sagt Dachrodt. „Wir hatten zum Beispiel eine sechsköpfige Familie in Elbrinxen. Aber die bekam nach anderthalb Wochen eine Wohnung in Lügde.“ Die Folge: „Wir müssen immer wieder bei Null anfangen“. Das betreffe die Versorgung der Menschen mit Kleidung und Hausrat, aber auch im Sprachkurs, den Dr. Werner Preston gibt. Die Fluktuation nehme den Ehrenamtlichen auf Dauer die Motivation, fürchtet Oliver Jürgens.

Über die Probleme in ihrem immer weiter wachsenden Einsatz berichteten die Helfer jetzt den Politikern im Lügder Sozialausschuss. Allerdings wollten sie sich dabei nicht nur ihren Kummer von der Seele reden. Jürgens erhofft auch Konsequenzen: „Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, in Soziales zu investieren“, findet er und plädiert für einen „Masterplan im Umgang mit Flüchtlingen“. Denn falls auch im nächsten Jahr weitere 200 Menschen nach Lügde kommen, dann wächst die Betreuung den meist berufstätigen Kümmerern über den Kopf. Da ist Jürgens jetzt schon sicher. Weil ohne die Ehrenamtlichen aber gar nichts ginge, gelte es, sie zu halten.

Die hauptamtlichen Mitarbeiter im Lügder Rathaus kümmern sich im Kern um Wohnraum für neu zugewiesene Flüchtlinge. Das Sozialamt ist zwar mittlerweile aufgestockt worden, und die Stadt hat laut Manfred Engel die Einrichtung von zwei Bufdi-(Bundesfreiwilligendienst)-Stellen beantragt. Einen hauptamtlichen Sozialarbeiter, bei dem vor allem mit Blick auf die vielen zeitraubenden Koordinationsaufgaben die Fäden zusammenlaufen, gibt es aber nicht. Oliver Jürgens‘ Anregung zur Schaffung einer solchen Stelle wolle die SPD jetzt in die Haushaltsberatungen einbringen, versprach Jörg Eickmann (SPD). Und der Ausschussvorsitzende Klaus Meier (FWG) erkannte den Handlungsbedarf: „Ohne Ehrenamtliche geht es nicht“, betonte er. „Wir müssen einen Weg finden, um die Ehrenamtlichen zu entlasten.“



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