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100 Jahre nach Harzbergs Schulbau lassen Bildungsschüler den Unterricht von einst lebendig werden

„Film hätte noch drastischer ausfallen können“

Harzberg (cg). „Gehorchen, gehorchen, das habe ich hier gelernt“, erinnert sich ein alter Harzberger an seine Schulzeit. „Gehorchen und grüßen.“ Derlei Zucht und Ordnung sind zwar längst Geschichte. Doch nun lassen die Kinder der heutigen privaten Bildungsschule sie lebendig werden – in einem Film auf den Spuren der „Schule vor 100 Jahren“. Denn so alt ist das Gebäude jetzt. Dafür haben die Kinder frühere Schüler befragt und Texte sowie Fotos gesichtet. Im Freilichtmuseum Detmold gedrehte Schwarzweiß-Szenen über das damalige Schulleben machen den Streifen komplett.

veröffentlicht am 11.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 18:21 Uhr

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„Das Museum möchte den Film gern haben“, freut sich Schulleiter Dr. Falko Peschel. . „Wir haben eine Woche geübt und drei Tage gedreht, zwei in Harzberg und einen im Freilichtmuseum“, erzählt Referendarin Frederike Voss. Beim Bearbeiten half dann das Medienzentrum des Kreises.

Die alte Harzberger Schulausstattung hatte die Dorfgemeinschaft dem Museum vor Jahren gespendet, erklärt Ortsbürgermeister Alfons Claes. Bis 1932 wurde in Harzberg konfessionell getrennt unterrichtet und bis 1966 beide Konfessionen gemeinsam.

Dass die älteren Harzberger ihnen ihre Erinnerungen erzählten, hat die Kinder tief beeindruckt. Die damalige körperliche Gewalt konnten sie sich allerdings kaum vorstellen. Für die schlimmste Filmszene – Stockschläge auf die Finger zweier Mädchen – haben sie denn auch gern Abstriche bei der Authentizität gemacht: „Ich musste klatschen, damit sich das echt anhört“, erklärt Milina (9) über ihren Einsatz beim Dreh. Derweil findet Alfons Claes allerdings: „Der Film hätte noch drastischer ausfallen können. Der Druck auf uns war viel schlimmer.“

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  • Harzbergs Ortsbürgermeister Alfons Claes – hier mit Dr. Falko Peschel – hatte in der Schule früher weniger Spaß als die Kinder heute.

Aber auch alte Pausenspiele, Leibesübungen und das Abfragen von auswendig Gelerntem empfanden die Grundschülern nach.

In der 2009 eröffneten Bildungsschule Harzberg (BSH) sollen durch hochgradige Individualisierung des Lernens Lernschwierigkeiten vorgebeugt und Kompetenzen für ein lebenslanges Lernen entwickelt werden, so das pädagogische Konzept der Schulgründer Stefanie und Dr. Falko Peschel. „Die Schüler nehmen sich selbst ihre Arbeiten vor, denken sich Aufgaben und Texte aus und verfolgen eigene Projekte.“, erklärt der Erziehungswissenschaftler.

In diesem Jahr wurden vier Quereinsteiger verabschiedet. „Kinder, die als nicht regelbeschulbar galten, können jetzt auf die Regelschule gehen“, betont der Schulleiter. Jetzt befinden sich nur noch dort eingeschulte Kinder in der altersgemischten Klasse.

Die 29 Grundschüler werden begleitet von einer Lehrerin, einer Referendarin und zwei Ganztagsbetreuerinnen. Intensiver Englischunterricht mit einer weiteren Lehrkraft findet an drei Wochentagen statt. Zudem gibt es künstlerische und naturwissenschaftliche Projekte. „Das Wichtigste ist, die Lernfreude zu erhalten“, weiß Stefanie Peschel.

Im Rahmen des NRW-Landesprogramms „Kultur und Schule“ führte die Steinheimer Künstlerin Elisabeth Brosterhus im letzten Schuljahr in 40 Unterrichtseinheiten das Kunstprojekt „GRIMMige Märchen + ANDERSONstiges“ durch. „Wir haben über viele Märchen gemalt“, erzählt Marla (9). Daraus eine Geschichte zu machen, „hat allen ziemlich gut gefallen“.



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