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Kreis-Jugendhilfeausschuss

Fall Lügde: Zwölf betroffene Kinder leben in Lippe

DETMOLD / LÜGDE. Unter den 40 Heranwachsenden, die die Kripo Bielefeld mittlerweile als Betroffene der sexuellen Gewalttaten kennt, sind 12 Mädchen und Jungen aus Lippe. Das wurde im Kreis-Jugendhilfeausschuss mitgeteilt. 28 Opfer könnten damit im Umkehrschluss in Bad Pyrmont und seiner Umgebung leben oder gelebt haben; denn viele Taten reichen lange zurück.

veröffentlicht am 17.04.2019 um 10:19 Uhr
aktualisiert am 17.04.2019 um 23:10 Uhr

Der Kreis Lippe hat die Arbeitsabläufe in seinem Jugendamt überprüft und will künftig auch die Prävention stärken, damit Fälle von Kindeswohlgefährdung nicht lange unentdeckt bleiben. Symbolfoto: dpa
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Nicht nur viele Lügder Einwohner sind ratlos, wie sie mit dem monströsen Kriminalfall in Ortsteil Elbrinxen umgehen sollen. Auch Fachleute mussten den Schock erst einmal verarbeiten. „Es hat uns so überrollt, dass jeder hoffte, es ist gleich wieder vorbei“, sagt Heike Wagenführ. Die Diplom-Psychologin arbeitet für den schulpsychologischen Dienst in Lippe. Seit Ende Januar hat sie viel in Lügde zu tun. Dass die Heranwachsenden hier ihre Gesprächs- und Beratungsangebote annehmen, berichtete die Fachfrau am Dienstag im Kreis-Jugendhilfeausschuss. Das Gremium kam zu seiner zweiten Sondersitzung im Fall Lügde in Detmold zusammen, um sich die im Kreishaus erarbeiteten Maßnahmen zum künftigen Kinderschutz vorstellen zu lassen.

Von Landrat Dr. Axel Lehmann erfuhren die Politiker gleich zu Beginn, dass unter den 40 Heranwachsenden, die die Kripo Bielefeld mittlerweile als Betroffene der sexuellen Gewalttaten kennt, 12 Mädchen und Jungen aus Lippe sind. Die übrigen Opfer könnten in Bad Pyrmont und seiner Umgebung sowie den Nachbarkreisen Holzminden oder Höxter leben oder gelebt haben; denn viele Taten reichen lange zurück. „Dem Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont sind momentan drei Fälle bekannt, die im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in Lügde stehen“, teilte Landkreis-Sprecherin Sandra Lummitsch am Mittwoch mit. Das betreffe allerdings nur minderjährige Opfer. Die Anzahl der heute volljährigen Betroffenen aus Bad Pyrmont kenne man im Kreishaus nicht.

Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) berät im Auftrag des Kreises Lippe die lippischen Familien. Darüber hinaus vermittelt das Jugendamt Beratungsangebote sowie psychologische Hilfen, soweit das bis zum Ende des Prozesses möglich ist. Es hat den Eltern der betroffenen lippischen Kinder einen Brief mit einer Übersicht von Hilfsangeboten geschickt. Laut Ulrike Glathe vom ASD haben dessen Mitarbeiterinnen auch Kinder zu Verhören bei der Polizei begleitet.

In puncto Prävention will der Kreis eine „Fachstelle Kinderschutz“ installieren, in der viele Fäden zusammenlaufen. Die Stelle dafür wird demnächst ausgeschrieben. Zu den Aufgaben wird unter anderem die Entscheidung gehören, welche Projekte in Schulen, Kindertagesstätten oder Vereinen gefördert werden. 25 000 Euro sollen, wenn der Kreishaushalt genehmigt ist, dafür zur Verfügung stehen.

Zudem gibt es nun eine Steuerungsgruppe unter anderem aus Jugendhilfe, der Polizei und dem Gesundheitsamt.

Anhand des Lügder Falls hat das Kreisjugendamt in Zusammenarbeit mit dem Landesjugendamt eine Fallanalyse durchgeführt. Auf deren Grundlage und unabhängigen, internen Überlegungen sind verschiedene Maßnahmen abgeleitet wurden. So hat das Jugendamt seine Qualitätsstandards und Abläufe bei Meldungen zur Kindeswohlgefährdung überprüft.

Künftig tauschen sich die Mitarbeiter untereinander noch intensiver aus. Meldungen und Einschätzungen aus verschiedenen Fachbereichen, wie zum Beispiel dem Gesundheitsamt oder der Beratungsstelle, werden stärker in die Fallbetrachtung eingebunden. Schulungen soll es ebenfalls geben. Mitarbeiter des ASD erhalten eine Fachberatung.

Ein weiterer Austausch über die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg mit dem Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont ist für Ende Mai geplant.



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