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Gericht wirft Ex-Bauer Betrug vor

Fällt Mittwoch das Urteil gegen Klaus M.?

LÜGDE/DETMOLD. Was ist von einem Landwirt zu halten, der Billigfleisch als „bio“ an Läden in der Region verkauft, das er vorher beim Discounter beschafft, umgepackt und umetikettiert hat? Genau dafür muss sich Klaus M. (50) derzeit vor dem Landgericht Detmold verantworten. Am Mittwoch ab 13 Uhr wird weiter verhandelt.

veröffentlicht am 06.06.2017 um 17:58 Uhr
aktualisiert am 18.06.2017 um 11:11 Uhr

Zig leere Geflügelschachteln vom Discounter entdeckte der auf dem Hof in Wörderfeld lebende Bruder der Verpächterin bereits 2015. Zu dieser Zeit belieferte Klaus M. mehrere Bioläden im Weserbergland und im Kreis Lippe mit seinen Produkten unter dem L
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Und die Anklage wirft dem gescheiterten Bauern weitere Betrügereien vor: Er soll diversen Lieferanten, Dienstleistern und seiner Verpächterin Tausende von Euro schuldig geblieben sein. In einem Fall soll M. als Pächter des von ihm „Kösters Kamp“ genannten Hofes Hühnerfutter sogar noch lange nach dessen Tod auf den Namen des früheren Hofbesitzers bestellt haben.

Bereits im Oktober 2016 war der ehemalige Autobahnpolizist M., gegen den 2010 nach Meldung eines Abschleppunternehmers wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit ermittelt wurde, vor dem Amtsgericht Detmold zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. In die Strafe für fünf Betrugsfälle sowie das Fleisch-Umlabeln eingerechnet worden war eine rechtskräftige Verurteilung wegen nicht gezahlten Unterhalts. Das Geld für die zwei ehelichen seiner inzwischen vier Kinder war M. dem Amtsgericht Rudolstadt zufolge seiner Ex-Frau schuldig geblieben in einer Zeit, als er noch auf der Gehaltsliste der Polizei stand.

Schon im ersten Verfahren vor dem Amtsgericht Detmold schienen die Beweise gegen M. erdrückend. Dabei erweckte der Mann auf der Anklagebank jedoch keineswegs den Eindruck eines Menschen, der sich in existenzieller Not in Schutzbehauptungen flüchtet. Vielmehr leugnete der selbstbewusst wirkende Angeklagte rundweg alle Vorwürfe und begegnete den Aussagen diverser Zeugen mit teils abenteuerlich klingenden Erklärungsversuchen. So schien es, als habe der Angeklagte seine Geschichten über die Jahre zum Einwickeln all jener Menschen perfektioniert, die er irgendwann zu seinem Vorteil zu benutzen beabsichtigte. Von Einsicht keine Spur.

Folgerichtig legte M. nach dem Urteil vom Oktober 2016 Berufung ein. Denn ins Gefängnis will er nicht. Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Um 13 Uhr wird die Hauptverhandlung gegen Klaus M. vor dem Landgericht Detmold fortgesetzt.

Der erste Verhandlungstermin dort war am 10. Mai nach mehrstündiger Sitzung vertagt worden (wir berichteten). Der Grund: M.s Anwalt Ulrich Schmidt hatte erst mittags die Anhörung eines weiteren Zeugen beantragt. Dieser ehemalige Nachbar, von dem M. sich wohl eine Aussage zu seinen Gunsten erhofft, lebt inzwischen in Norddeutschland. Für den Antrag, ihn zu befragen, hatte Oberstaatsanwältin Katja Erfurt im Mai kein Verständnis gezeigt. Da warf sie dem Verteidiger vor, einen bisher unbescholtenen Menschen auch noch zu einer Falschaussage verleiten zu wollen.

Außerdem wird mit dem Erscheinen der bisher letzten Ex-Lebensgefährtin des gescheiterten Bauern gerechnet. Die junge Frau hätte schon am 10. Mai aussagen sollen, erschien jedoch nicht vor Gericht.

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