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Ein Rohr, ein Ast und eine Platte: Heinz-Friedrich Müller hat ein Händchen für die raren Amphibien

Erstes deutsches Lurchhotel steht in Hummersen

In Heinz-Friedrich Müllers Lurchhotel im Lügder Ortsteil Hummersen herrscht Hochbetrieb: Fast zwei Dutzend Feuersalamander tummeln sich in dem Betonrohr. Als Müller vor Jahren die ersten Tiere darin entdeckte, stellte er einen Ast hinein, legte eine Platte dazu – fertig war das Hotel. So voll wie jetzt war es noch nie. (jl)

veröffentlicht am 30.12.2015 um 20:20 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:49 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Hummersen. An Hotels ist Lügdes knapp 400 Einwohner zählender Ortsteil Hummersen nicht arm. Doch die beiden großen Herbergen in dem idyllisch gelegenen Dorf stehen leer. Das Insolvenzverfahren gegen die „AMF Holiday GmbH“ einer auswärtigen Familie, die das „Hotel zur Post“ zuletzt betrieb, läuft seit Herbst 2014. Und auch die „Lippische Rose“ ist nach ihrem Übergang in russische Hände noch nicht neu erblüht. Erste Überlegungen, in Hummersen Flüchtlinge unterzubringen, hat der Kreis Lippe nicht weiter verfolgt.

Dafür ist eine andere Unterkunft hinzugekommen: In ihrer liebevoll restaurierten „Alten Schule“ bietet Ulrike Nolte Ruhe suchenden Urlaubern Bed & Breakfast an.

Aber da ist noch jemand, der schon vor Jahren ein Hotel eingerichtet hat: Heinz-Friedrich Müller. Das Projekt war allerdings weder aufwändig noch teuer. Und seine Übernachtungsgäste checken dort selbstständig ein und aus. Denn Müller hat ein „Lurchhotel“. Das ist scheint aktuell so gut wie ausgebucht: Fast zwei Dutzend Feuersalamander tummeln sich darin. „So viele waren es noch nie“, sagt der 60-Jährige.

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  • In Heinz-Friedrich Müllers Lurchhotel in Hummersen herrscht Hochbetrieb. Fast zwei Dutzend Feuersalamander der gestreiften Unterart „Salamandra salamandra ssp. terrestris tummeln sich in dem Betonrohr. Als Müller vor Jahren die ersten Tiere darin entdeckte, stellte er einen Ast hinein, legte eine leichte Styrodur-Platte dazu – und fertig war das Hotel. pr

Warum ihn der Ansturm auf die offensichtlich lurchgerechte Herberge in einem aufrecht stehenden Betonrohr auf seinem Grundstück so freut: „In der Natur sieht man Feuersalamander selten.“ Müller indes muss nicht weit laufen und braucht nur einen Deckel anzuheben, wenn er nach seinen schwarz-gelben Mitbewohnern sehen will.

„Sie sind schön“, sagt er mit Blick auf die schwarz-gelb kontrastierende Zeichnung ihrer Haut. Und klar, er hat auch schon mal einen in die Hand genommen. „Ihr Gift ist für Menschen nicht gefährlich. Nur für kleinere Tiere. Und größere werden von der aggressiven Farbe abgeschreckt.“

Meist lässt Müller die Lurche natürlich in Ruhe, sieht alle ein bis zwei Wochen nach ihnen. „Aber füttern? Nein, das mache ich nicht“, beantwortet er lachend die Frage nach dem Grad der Zuwendung. „Die versorgen sich selbst.“ Feuersalamander fressen zum Beispiel Kellerasseln, aber auch Käfer oder Schnecken.

Dass sich die Amphibien der gestreiften Salamander Unterart „Salamandra salamandra ssp. terrestris“ in seinem Betonrohr wohlfühlen, weiß Müller schon seit Jahren. Damals wollte er in dem als Absteller eines Regenbehälters dienenden Schacht das Wasser abdrehen – und entdeckte die ersten Tiere.

Bald kam er auf die Idee, es den Lurchen im Rohr noch etwas wohnerlicher zu machen – und das ohne großen Aufwand: „Ich dachte mir, dass sie nach draußen gelangen sollten, wenn das Wasser steigt“, erklärt Müller – und stellte einen Ast ins Rohr. Für den Fall, dass die Tiere trotz Wassers drinnen im Trockenen sein wollten, legte er eine schwimmfähige, leichte Styrodur-Platte dazu. „Auf die können sie sich nach dem Regen retten“, sagt der Erbauer. „Und wenn es kalt wird, kriechen sie darunter.“ Erst neulich hätten sich an die 20 Salamander auf der Platte getummelt.

Die Basis des Hotels bietet ein etwa 1,40 Meter tiefes, mit Rundkornkies und ein paar Steinen bedecktes Loch, in dem das Betonrohr Platz findet. Der Deckel bleibt immer ein Stück offen, weil der Kletterast aus dem Rohr herausragt.

So sehr sich Heinz-Friedrich Müller freut, dass sich die Amphibien in der von ihm erdachten und gebauten Unterkunft wohlfühlen – er hätte nichts dagegen, wenn andere Naturfreunde seinem Beispiel folgten.

Mit Blick etwa auf die großen Harvester, die sich heute bei der Holzernte durch die Wälder pflügen, glaubt er: „In den Wäldern haben die Tiere immer weniger Raum.“ Da wären ein paar mehr Lurchhotels in Waldnähe gar keine schlechte Idee...



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