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Warum die Bahnhofsunterführung so wenig alltagstauglich ist – und nicht einfach gereinigt werden kann

Empfindlich und feucht: der Tunnel-Sandstein

Lügde. Dass den Bauherren an einer ästhetisch ansprechenden Gestaltung gelegen war, sieht man dem Fußgängertunnel am Lügder Bahnhof zwar noch an. Aber die Patina, die die Unterführung in den vier Jahren seit ihrer Einweihung angesetzt hat, bekommt ihr gar nicht gut. Denn das Bauwerk ist keine Lederjacke, die der Besitzer erst mit zunehmenden Gebrauchspuren richtig lieb gewinnt. Der gediegen gestylte Tunnel sah nur gut aus, als er noch neu war. Die Gestaltung hat sich seither als wenig alltagstauglich erwiesen.

veröffentlicht am 15.10.2010 um 21:10 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:26 Uhr

Vier Jahre nach der Einweihung der Bahnhofs-Unterführung ist von
Juliane Lehmann

Autor

Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Schon bald nach dem Bau zeigten sich auf den glatten Sandsteinplatten vor allem im unteren Bereich der Wände erste weiße Ausblutungen. Die Ursache: Feuchtigkeit.

2007 rückte ein Bautrupp an. Zu fünft meißelten die Männer aus dem Odenwald einen Teil der Wand-Randplatten heraus, bauten Splitt unters Pflaster und setzen spezielle Kantsteine. Das kostete an die 100 000 Euro; ein Teil der Summe wurde von einer Versicherung übernommen.

Die Ursache der Wasseransammlungen war damals nicht klar – und ist es offenbar bis heute nicht. Denn dem Vernehmen nach sind die seinerzeit am Bau Beteiligten Planer, Unternehmer und Auftraggeber Bund, Bahn und Kreis noch immer uneins, wer was falschgemacht hat. Mittlerweile bezweifelt mancher sogar, ob die verwendeten Sandsteinplatten für eine solche Umgebung überhaupt geeignet waren. Und, in der Tat: Besonders strapazierfähig sind sie nicht.

Außerdem ist das Problem keinesfalls behoben. Denn noch immer gibt es in der Unterführung diverse feuchte Stellen. Vor allem an den gemäß EU-Norm reichlich kurzen Treppenstufen haben sich zu den abschilfernden weißen Ausblutungen jetzt auch noch algengrüne Flecken gesellt.

Den Rest geben der verkommen anmutenden Optik die Graffiti. Denn das Gekritzel, das neben den Spuren von ein paar Sprayern die Wände bedeckt, hat allenfalls Klospruch-Niveau und wird von Passanten nur als Schmiererei betrachtet. „Das sieht schlimm aus“, findet eine ältere Lügderin auf dem Weg in die Stadt.

Jörg Eickmann sieht das ähnlich und betrachtet die Sandsteinverwendung längst als Verschwendung. „Man weiß doch: Wo ein Tunnel ist, da wird gesprayt“, sagt Lügdes SPD-Fraktionschef, der das Thema kürzlich am Rande einer Hauptausschusssitzung zur Sprache brachte.

Allerdings kann Bürgermeister Heinz Reker für das Problem keine schnelle Lösung anbieten, nachdem seine Mitarbeiter aus dem Bauamt recherchiert haben. „Es gibt keine Möglichkeit, die Graffiti einfach zu entfernen, ohne den Sandstein in Mitleidenschaft zu ziehen“, sagt der Verwaltungschef. Abgesehen davon falle das unter den Gleisen gelegene Stück der Unterführung in die Zuständigkeit der Bahn.

So lange die sich mit den anderen Bau-Beteiligten über die noch offenen Gewährleistungsfragen nicht einig sei, werde sich am Tunnel-Zustand wohl nichts ändern, fürchtet Reker.

Zu den weißen Ausblühungen an den Unterführungs-Stufen kommen jetzt auch noch algengrüne Flecke auf der Sandstein-Verblendung.



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