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Warum eine Anwohnerin Blitzaktionen in der Mittleren Straße fordert

Einsamer Kampf gegen Temposünder?

Lügde. „Alle murren, aber keiner tut was“, sagt Marianne Ott. Sie hingegen findet: „Gegen den Durchgangsverkehr in der Mittleren Straße muss man unbedingt was machen.“ Denn in der Lügder Kernstadt-Hauptstraße steht ihr Elternhaus. Anders als andere Anwohner verbringt die 72-Jährige zwar nicht das ganze Jahr in der Osterräderstadt. Aber ihre Beobachtungen seit dem Bau des Tunnels und der Umgestaltung der Mittleren Straße haben ihr genügt, um ihrem Unmut Luft zu machen. „Die vielen durchfahrenden Autos haben hier doch eigentlich nichts zu suchen“, findet sie – und ist sicher: „Das sehen viele Lügder so.“ Ein gelegentlicher Blick ins Internet-Netzwerk Facebook bestätigt ihre Einschätzung. Immer, wenn das Thema Innenstadtverkehr dort aufs Tapet kommt, gibt es Klagen über zu viele Autos. Manche Diskutanten indes stören sich mehr an geparkten Wagen, die ihre Fahrt behindern.

veröffentlicht am 18.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:19 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Wenn mit bis zu 6000 Fahrzeugen täglich heute noch immer fast halb so viele Autos durch die Mittlere Straße führen wie in der letzten Zeit vor dem Bau der Ortsumgehung, dann sei das eindeutig zu viel. „Dafür hat man den Tunnel doch nicht gebaut.“

Dabei weiß Marianne Ott die Veränderungen in der Stadt durchaus zu schätzen. „Das war ein so aufwendiges Projekt, und es ist so schön geworden“, findet sie mit Blick auf das neue Pflaster und die baumbestandenen Pflanzbeete im Herzen der Stadt. „Doch was nützt das alles, wenn der Verkehr die Anwohner weiterhin so belastet?!

Den Einwand, dass der eine oder andere Lügder Einzelhändler eventuell froh über jedes Auto ist, das durchfährt – und idealerweise auch für einen Spontaneinkauf anhält – will die Anwohnerin nicht gelten lassen. „Von denen hält doch kaum einer an, um in ein Geschäft zu gehen“, glaubt sie. Für das Gros der noch immer durch die Stadt fahrenden Lastwagen gelte das ebenso. „Die verirren sich hier doch nur.“

Deshalb hat Marianne Ott jetzt alle angesprochen, von denen sie glaubte, dass die etwas ausrichten könnten. Über ein Gespräch mit dem Bürgermeister erzählt sie: „Er hat sich gefreut, dass auch mal jemand von außen etwas sagt.“ Die Verabredung zu einem zweiten Gespräch habe sie jedoch nicht einhalten können, bedauert sie.

Eine schnelle Lösung des Problems habe man ihr im Rathaus aber nicht versprechen können. Klar, denn: Das hiesige Ordnungsamt kann nur Regelverstöße des ruhenden Verkehrs ahnden – also Falschparkern Strafzettel hinter die Windschutzscheibe klemmen. „Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass man auch in Lügde zahlen muss“, sagt Ordnungsamtsleiter Karl-Heinz Köhne. Denn nicht zuletzt die Busse müssten eine einigermaßen freie Fahrt haben. Allerdings kennt Köhne auch die Kehrseite: „Falsch geparkte Fahrzeuge mindern das Tempo des fließenden Verkehrs.“

Als Marianne Ott erfuhr, dass die Überwachung des fließenden Verkehrs in den Zuständigkeitsbereich der Polizei fällt, hat sie auf der Wache in Blomberg angerufen. Dort ist die Mittlere Straße nun für die nächste Blitzaktion vorgemerkt, die von Bürgern benannte Brennpunkte in den Fokus nimmt. Denn Ott ist sicher: „Wenn die Straße frei ist, weil hier gerade nicht so viele Autos parken, fahren doch viele schneller als die erlaubten 30 km/h. Sie glaubt, dass heutige Autofahrer sich nur dann an die Regeln zu halten, wenn sie bei einem Verstoß zur Kasse gebeten werden. „Nur so kann man die Leute disziplinieren.“

Am liebsten wäre ihr deshalb eine Verkehrsberuhigung, die nur Schritttempo erlaubt. „Dann würden die Leute vielleicht 30 fahren.“ Das ist allerdings nicht ganz so einfach. Denn über die Mittlere Straße kann nicht allein die Stadt Lügde entscheiden; da hat auch die Kreis-Behörde in Detmold mitzureden.

Und wie sähe für Ott der Idealzustand in der Mittleren Straße aus? „So wie früher, als die Leute noch keine Autos hatten“, sagt die 72-Jährige. Diese Vision mag zwar unrealistisch klingen, aber Ott hat den Eindruck: „Im Badischen zum Beispiel, das funktioniert das.“

Lügdes Politiker werden sich mit dem Thema Verkehrsbelastung demnächst auch beschäftigen müssen. Denn dem Vernehmen nach soll die SPD-Fraktion beantragt haben, in der Brückenstraße ein eingeschränktes Halteverbot auszusprechen und dessen Einhaltung dann auch zu kontrollieren. Falls der zweite Vorschlag der Sozialdemokraten bei den anderen Fraktionen eine Mehrheit findet, würde das Marianne Ott allerdings nicht helfen. Denn die SPD könnte sich vorstellen, die aus der Brückenstraße kommenden Lastwagen, die jetzt noch die enge Rechtskurve nehmen, per Verkehrsschild nach links in die Mittlere Straße und dann über den Mittel-Kreisel auf die Umgehungsstraße zu lotsen. Dann würde allerdings nur der hintere Teil der Straße entlastet, der jedoch erheblich länger ist als das zum Kreisel führende vordere Stück.



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