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So stellen sich Kreis, Stadt, Johanniter und Müller-Bau das Projekt für 20 neue Krippenplätze vor

Eine runde Sache: die Krippe für Elbrinxen

Lügde / Elbrinxen (jl). Die Frauen in der Emmerstadt sind zwar nicht besonders gebärfreudig. Aber die Chancen berufstätiger Eltern, hier beim Großziehen ihres Nachwuchses Hilfe zu bekommen, werden immer besser: Die bereits vorhandenen 55 Betreuungsplätze für unter dreijährige Kinder sollen bald um weitere 30 ergänzt werden. 20 Krippen-Kinder werden möglichst schon vom kommenden Herbst an in der neuen U 3-Kita in Elbrinxen unterkommen können. Derweil ist auch der zunächst geplante und aufgrund der Elbrinxer Pläne im Mai vom Lügder Rat per Sperrvermerk auf Eis gelegte Anbau weiterer zehn Plätze im Kernstadt-Kindergarten „Pusteblume“ bewilligt, und die Plätze in den bereits bestehenden Kitas sollen erhalten bleiben. Damit wird die Emmerstadt in puncto U 3-Betreuung Spitzenreiter im Kreis Lippe. „Wenn es machbar ist, wollen wir dort Plätze anbieten, wo Kinder sind“, sagt Bürgermeister Heinz Reker (perteilos).

veröffentlicht am 28.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 14:21 Uhr

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Wenn alles fertig ist, werden die dann 85 Krippenplätze in sechs Kitas einer Versorgungsquote von 52,8 Prozent entsprechen – gemessen an der Zahl der Kinder im Alter zwischen ein und drei Jahren. „Da wird Lügde eine durchaus federführende Position einnehmen“, sagt die bei der Kreisverwaltung in Detmold für die Kitas zuständige Mitarbeiterin Anne Loke. „Wir können dann weit über die Hälfte der Kinder betreuen.“

Legt die Fachfrau die Zahl aller Kinder zugrunde, die ihren dritten Geburtstag noch nicht gefeiert haben, beträgt die Quote immerhin noch 39,2 Prozent. „Auch das ist sehr hoch“, weiß Loke. Denn bekanntlich gibt die Bundesregierung in ihrem vor vier Jahren verabschiedeten Kinderförderungsgesetz (KiföG) für die Zeit nach dem 1. August 2013 eine Betreuungsquote von 35 Prozent vor. Daran soll dann erstmals auch ein Rechtsanspruch der Eltern auf Betreuung auch für Kleinkinder geknüpft sein.

Knapp ein Drittel der dann bundesweit 750 000 Plätze sollen laut Berliner Plan die Tagesmütter und -väter vorhalten; für Lügde kalkulierte der Kreis Lippe bisher aber nur mit zehn Prozent. Denn hier gibt es noch immer nicht einmal eine Handvoll Tagesmütter, und die Eltern aus der Emmerstadt und ihren Ortsteilen geben ihren Nachwuchs nach Lokes Einschätzung lieber in eine Kita. Auch deshalb schätzt die Expertin den Betreuungsbedarf in den Einrichtungen hier deutlich höher ein als 35 Prozent. „Im letzten Sommer hatten wir 76 Anmeldungen“, erinnert sie sich.

Anne Loke vom Kreis Lippe, Bürgermeister Heinz Reker, Müller-Bau-Chef Bernd Mühlenhof und Johanniter-Regionalvorstand Matthias Schröder verkünden die gute Nachricht, die Lügde zum Spitzenreiter bei der U 3-Betreuung macht: Die Elbrinxer Krippe kann 2013 gebaut werden. Zunächst sind Plätze für 20 Kinder geplant – mit einer Option auf zehn weitere, falls Bedarf und Finanzierung stimmen. Fotos: jl

Auch der Blick in die Statistik lässt Loke von einem mindestens gleichbleibenden Bedarf ausgehen. Die Anmeldefrist für 2013 läuft zwar noch bis 11. Januar. „Doch im August werden wir 217 Kinder im Alter unter drei Jahren haben“, weiß sie und nennt Prognosen, wonach auch in den nächsten Jahren mit etwa 220 Kleinkindern zu rechnen ist.

Fünf Monate lang haben Loke und auch Lügdes Bürgermeister Heinz Reker sowie sein im Rathaus unter anderem für das Thema Kinderbetreuung zuständiger Mitarbeiter Walter Schrader mit drei Bewerbern verhandelt. Und Reker lobt die Zusammenarbeit in höchsten Tönen: „Frau Loke hat mir nicht nur das Gefühl gegeben, mitreden zu dürfen“, betont er.

Schließlich erschien die Johanniter-Unfallhilfe (JUH) als der attraktivste Träger. „Alle drei Bewerber waren sehr gut, aber sie war noch etwas besser“, sagt Reker. Bisher betreiben die Johanniter im Kreis Lippe zwar nur eine Kita, aber insgesamt 50 in ganz Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommt laut JUH-Regionalvorstand Matthias Schröder: „Durch das Johanniter-Stift sind wir in Lügde tief verwurzelt, und auch unsere erste Bundesgeschäftsstelle war hier.“

Was den Ausschlag gab: Die Johanniter wagen sich – im Schulterschluss mit der Firma Müller-Bau aus Rischenau – an ein im Kreis Lippe einzigartiges Investorenmodell für einen Neubau. Das spart der Stadt Geld. Denn: Hätte sie den Neubau selbst gestemmt, „dann hätten wir eine hohe Deckungslücke gehabt“, erklärt der Bürgermeister. Die Mitbewerber hatten indes nur einen Umbau in den Räumen der auslaufenden Elbrinxer Grundschule an.

Die gilt Anne Loke übrigens als zentraler Standort, denn: „Bisher gibt es am Ort keine Kita“, sagt sie und verweist zudem auf das frei werdende Gebäude beziehungsweise Grundstück, das dann sinnvoll genutzt werden kann.

Weil der geplante Teilabriss und der Schulunterricht für die beiden letzten Klassen vor den Sommerferien wohl zeitweilig parallel laufen, hat das Bauamt schon vorgebaut: 20 000 Euro kalkulierte Günter Loges Anfang Dezember im Bauausschuss für eine Abgrenzung zwischen Klassenräumen und Neubau (wir berichteten). Optimal sei der Bau während des Schulbetriebs nicht, gesteht Reker ein, hofft aber auf die Rücksichtnahme der Bau-Leute.

Der Bestand der Turnhalle bleibe vom Krippen-Plan unberührt, versichert der Bürgermeister. Was später aus dem verbleibenden Teil der Schule wird, müssen Lügdes Politiker entscheiden.

Für die Elbrinxer Krippe anmelden können die Eltern ihre Kinder jetzt allerdings noch nicht. Denn bisher ist nicht klar, ob sie zum neuen Kindergartenjahr fertig wird. Anne Loke umreißt den Zeitraum vorsichtshalber mit „bis spätestens Ende 2013“. Denn: „Wir möchten keine verfrühte Erwartungshaltung wecken.“

Und obwohl die Lügder Politiker bei den monatelangen Verhandlungen zwischen Kreis und Betreiber-Bewerbern weitgehend außen vor blieben, ist auch der Kita-Ausschussvorsitzende Joachim Krause (SPD) zufrieden und sieht den Elbrinxer Krippen-Plan als „gute Lösung“ und „schöne Sache für die Zukunft der Stadt“. Allerdings betont er, dass für die Entscheidung nicht ausschlaggebend war, „den Elbrinxern etwas Gutes zu tun“. Gleichwohl sieht Ortsbürgermeister Hermann Wenneker (CDU), sichtlich gerührt, das Projekt als einen Glücksfall für Elbrinxen.

Für die Planung hat sich Bernd Mühlenhof den in Elbrinxen lebenden Hamelner Architekten Axel Hagemeyer an die Seite geholt, der auch schon die geplanten Lügder „Marienhöfe“ projektiert hat.

Und warum will Mühlnebhof bei dem Elbrinxer Projekt einsteigen? „Als Bauunternehmer kann ich heute nicht mehr darauf warten, dass einer kommt und sich von mir ein Haus bauen lässt“, nennt er seine Motivation, das Projekt „mit überschaubarem eigenen Risiko zu initiieren“ – und setzt hinzu: „Bauen tun wir sowieso gern.“

Weil Hagemeyers Skizzen noch nicht bis ins Detail ausformuliert sind, hält sich der Müller-Bau-Chef bei der Schätzung der Kosten zurück. Teurer als eine Million Euro soll es aber nicht werden. Fest steht aber, dass er mit 340 000 Euro Zuschuss von Bund und Land rechnen kann. Das entspricht 17 000 Euro pro Kind.

Zu den Betriebskosten muss die Stadt Lügde später nur neun Prozent zuschießen. Betriebe sie die Kita selbst, wären es 21 Prozent.



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