weather-image
23°

Mit dem „Lichtstubentreff“ wird in Hummersen ein Stück Dorfgemeinschaftstradition wiederbelebt

Eine längst verloren geglaubte Gemütlichkeit

Hummersen. Kein moderner überdimensionaler Plasmabildschirm hängt an der Wohnzimmerwand und zieht mit immer neuen Bildern, Eindrücken und Nachrichten die Aufmerksamkeit auf sich. Kein künstliches Licht zerstört die anheimelnde Atmosphäre. Im Gegenteil: Sparsame Beleuchtung zum Teil durch Kerzenlicht und die gemütliche Wärme des Holzofens laden geradezu ein, ein paar gesellige Stunden im Hummerser „Lichtstubentreff“ zu verbringen.

veröffentlicht am 06.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 18:41 Uhr

Adelheid Reker (links) und Gertraud Erdmeier lassen das Nadelspi

Autor:

Sabine Brakhan
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Duft von frisch gekochtem Tee strömt dem Besucher schon beim Betreten des früheren Schulgebäudes entgegen und folgt man dem Stimmengewirr ins Obergeschoss, so ist es wie der Beginn einer Zeitreise. „Schon im 17. Jahrhundert war es auf den Dörfern ein alter Brauch, in den Wintermonaten Licht- und Spinnstuben abzuhalten. Diese waren Treffpunkte für Jung und Alt und überbrückten die sonst langweiligen Winterabende, denn andere Möglichkeiten zusammenkommen, waren rar. Große Saalbauten und dergleichen und auch Vereine, die darinnen Vergnügen abhielten, tauchten erst Ende des 18. Jahrhunderts auf.

„Die Licht- und Spinnstuben haben sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erhalten, aber sie hatten zuletzt nicht mehr die Bedeutung wie früher. In den Dörfern bauten die Wirte Tanzsäle, wenn auch nur kleine, und überall, auch auf dem Land, entstanden Vereine“, weiß Ulrike Nolte aus der Geschichte der Lichtstubentreffen zu berichten. Die Hummerserin möchte mit ihrem Lichtstuben-Angebot ein Stück Dorfgemeinschaftstradition wiederbeleben und ausbauen und stellt daher den Tee, das Licht sowie die Wärme und die Räume zu Verfügung. Ihre Gäste bringen ihr Handarbeitszeug, Zeit, Geselligkeit und einen leckeren selbst gebackenen Kuchen oder einen eigens aufgesetzten Likör mit. „Die Lichtstuben sind eine schöne Möglichkeit zum Austausch und gleichzeitig zum Kennenlernen, nicht nur einander, sondern auch das Hobby des anderen. Egal ob jemand näht, strickt, häkelt, webt, klöppelt oder einfach nur gern in gemütlicher Runde erzählt, jeder ist willkommen“, lädt Ulrike Nolte zum Stelldichein in der alten Schule ein.

Agnes Marx, Mali Kuhlmann, Adelheid Reker sowie Gertraud und Sieglinde Erdmeier gehören schon seit dem letzten Winter zum Kreis der regelmäßigen Lichtstubenbesucherinnen. Sabine Erkeling-Bruhn und Anja von der Ahe sind zum ersten Mal zu Gast bei Ulrike Nolte. Es dauert nicht lange, dann sind die nicht nur vom Alter recht unterschiedlichen Frauen in einem anregenden Gespräch vertieft, Stricknadeln klappern und das Spinnrad summt. Eine längst verloren geglaubte Gemütlichkeit macht sich breit und verdrängt die Hektik des Alltags. Die Älteren erzählen den Jüngeren, wie sie damals die Schule in Hummersen erlebt haben: „Ich erinnere mich noch gut an die Frauen der Lehrer Seiger und Schulz und an unsere Lehrerin Frau Webel. Die Drei haben uns in den 1940-er und 50er-Jahren in Handarbeiten unterrichtet und jetzt sitzen wir wieder hier und stricken“ oder „Wenn ich an die Schule denke, spüre ich heute noch den Rohrstock!“ und „Damals haben die evangelischen Schüler von Hummersen dagegen demonstriert, dass hier in der alten Schule auch katholische Kinder unterrichtet werden. Die mussten die Schule in Falkenhagen besuchen!“ So wird Heimatgeschichte wach gehalten und weitergegeben. Ein Thema löst das nächste ab. Es wird viel gelacht und die Zeit vergeht wie im Flug.

2 Bilder
Das Lebensmotto von Mali Kuhlmann lautet „Stricke deinen Lebensfaden!“

Ganz nebenbei nehmen Fausthandschuhe, Socken und Häkelspitze ihre Form an und aus dem Haufen ungesponnener Schafwolle wird ein ansehnliches Knäuel. „Es war eine tolle Idee von Ulrike Nolte, hier einen neuen lebendigen Dorftreffpunkt zu schaffen. Sie und ihr Engagement sind eine echte Bereicherung für den Ort“, ist sich die Damenrunde einig und man freut sich bereits auf die nächste Begegnung in der alten Hummerser Schule.

Die Lichtstubentreffen in Hummersen finden in den Wintermonaten alle 14 Tage, immer donnerstags von 15 bis 17 Uhr für Hausfrauen und ab 18 Uhr für Berufstätige statt. Nähere Informationen gibt es bei Ulrike Nolte unter der Telefonnummer 05283/ 412967.

Handarbeiten beim Lichtstubentreff: Anja von der Ahe, Sabine Erkeling-Bruhn, Ulrike Nolte und Agnes Marx (v.l.)

Fotos: sbr



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?