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Lügdes bekanntestes Symbol wird auf den Köterberg aufgestellt / Dechen-Verein sorgt für Ersatz

Ein Osterrad als „Eye-Catcher“

LÜGDE. Seit 2013 trägt Lügde mit offizieller Genehmigung des NRW-Innenministeriums den Beinamen „Stadt der Osterräder“. Zu lesen ist das auf jedem Ortseingangsschild. Aber die Großgemeinde Lügde ist eine Flächengemeinde mit 88 Quadratkilometer und hat ihre Stadtgrenze auch auf dem Köterberg, dem höchsten Punkt des Weserberglandes, einem gern besuchten Tourismusziel, fernab vom Osterberg in der Kernstadt. Demnächst soll dort auch ein Original-Osterrad als „eyecatcher“ für das alte Brauchtum dort werben. Für das künftige Ausstellungsstück wurde jetzt Ersatz geschaffen.

veröffentlicht am 24.08.2017 um 18:03 Uhr

Dieter Stumpe vom Dechenvorstand ist mit den Fräsarbeiten von Bernhard Jaron sehr zufrieden: „Das ist wirklich gut gelungen.“ Hier werden die Vorlagen für die nächsten Buchstaben auf dem Rad festgeklebt. Foto: Afk
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Achim Krause Reporter
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Der Kreis Lippe hatte dem Dechenverein angeboten, auf seinem Gelände auf dem Köterberg dieses wohl bekannteste Lügder Symbol aufzustellen. „Dieses Angebot haben wir natürlich gern und dankend angenommen“, erzählt Dechen-Pressesprecher Dieter Stumpe. „Wir haben uns für das derzeit älteste noch verwendete Rad von 1985 entschieden.“ Das soll entsprechend für seine neue Aufgabe präpariert und ähnlich dem am Kreisel Süd nun dort auf dem Berggipfel dekorativ aufgestellt werden.

Für dieses ausgemusterte aber brauchte man ein Ersatzrad. Die 20 gerundeten Segmente aus jahrelang abgelagertem Eichenholz waren vom Enkel des früheren Zimmerereibetriebes Brockmeyer, Johannes, in Kooperation mit der Lügder Tischlerei Stephan Hoppe bereits im vergangenen Jahr zu einem Rad zusammengefügt worden und lagen bisher als Reserverad bereit. „Das kam uns jetzt zugute“, sagt Stumpe. Normalerweise werden neue Räder immer nur zu ganz speziellen geschichtlichen Ereignissen neu gebaut (so zur Wiedervereinigung Deutschlands 1990 oder das Lippe-Jubiläum 2009). Da aber in absehbarer Zeit kein solches Ereignis zu würdigen wäre, entschieden sich die Dechen, für das Ersatzrad den Spruch: „Meine Ahnen sind Kelten und German, jetzt lauf ich in Christi Namen“ vom 1985er Rad zu übernehmen.

Das Eichenholz bekommen die Dechen gratis von der Stadt. „Wann immer eine städtische Eiche gefällt werden muss, hat man uns die Stämme gebracht. Wir lagern sie zehn bis 15 Jahre ein. Dann ist es trocken und nicht so spröde und lässt sich gut für ein Osterrad verbauen, denn das Material muss ja bei den Sprüngen einigen Druck aushalten“, erzählt der Pressesprecher. Der Osterrad-Rohling liegt nun in der Dechenscheune mit seinen 270 Kilogramm auf zwei stabilen ehemaligen Bürostühlen, als Tischler Bernhard Jaron seine Utensilien auspackt, darunter als wichtigstes Handwerkzeug neben Bleistift und Lineal, eine sogenannte Oberfräse. Die wird knapp fünf Stunden lang an diesem Tag im Dauereinsatz sein. Die Vorarbeit ist erledigt: Eine im Maßstab 1 zu 10 gefertigte Vorlage und bereits auf die Rad-Außenseite aufgeklebte 62 Papierbuchstaben geben dem Tischler seine Aufgabe vor.

Information

Eichen für Dechen

„Aus ersten Urkunden von 1760 wissen wir, dass sich die Stadt verpflichtet hatte, den Dechen bei Bedarf eine Eiche zu geben“, erinnert Heimatforscher Dieter Stumpe an eine bemerkenswerte Geschichte. „Damals haben die Lügder eine Eiche im Stadtholz gefällt. Aber es stellte sich heraus, dass das eine Grenzeiche war. Das war verboten. Schwalenberg hatte daraufhin den Lügdern einen Prozess angedroht. Das konnte man abwenden, weil man erkannte, dass diese Eiche von innen faul war. Insofern war das dann nicht so schlimm.“ Auch jetzt liefert die Stadt von der Größe und dem Zustand passendes Holz gefällter Eichen aus dem Stadtgebiet den Dechen kostenlos. afk

„Die Buchstaben sind ja im Kreis geschrieben und neigen sich alle etwas nach links weg, damit man auch den Bogen hinbekommt“, sieht er sofort. „Durch die Metallbolzen ist das kompliziert. Ich muss erstmal eine Auflage konstruieren, um dann mit der Oberfräse freihändig an den Konturen langziehen zu können.“

Die Späne fliegen, hoch konzentriert ist Jaron am Werk. Die Fräse bohrt sich einen knappen Zentimeter in das Holz und wird von seiner Hand den Kontoren der Buchstaben entlang geführt. Der Handwerker weiß: Der kleinste Ausrutscher würde irreparablen Schaden anrichten. Jedes Mal, wenn wieder ein Buchstabe fertig ist, atmet er durch und lächelt selbstbewusst: „Das sollte ein Tischler schon beherrschen. Aber so etwas wie hier macht man ja auch nicht jeden Tag. Wer weiß, ob ich das jemals noch mal machen kann.“

Dieter Stumpe beobachtet diese Feinarbeit am Osterrad und ist sich mit Bernhard Jaron einig: Mit heutiger computergesteuerter Technik ließe sich diese Arbeit viel schneller erledigen. „Uns kommt es aber darauf an, möglichst viel Handarbeit einzubringen, um das Traditionelle zu pflegen“, sagt Stumpe, ist mit der Leistung hoch zufrieden und lobt: „Das sieht wirklich toll aus.“

Beim nächste Osterfest, das versichert Bernhard Jaron, werde er besonders auf „sein“ Rad achten und erzählen: „Das habe ich graviert.“



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