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Maximal 30 Flüchtlinge könnten nach geplantem Hauskauf durch die Stadt in Elbrinxen unterkommen

Ein Dach über dem Kopf

Elbrinxen. „Weltweit sind so viele Menschen auf der Flucht wie nie zuvor“, sagt Katrin Buhr. „Und wir haben hier den Luxus, relativ frei und sicher leben zu können.“ Als die Vertreterin von Lügdes Bürgermeister Heinz Reker das ausspricht, sieht sie vor ihrem inneren Auge unwillkürlich Bilder, die sich ihr auf eigenen Reisen etwa nach Afrika eingebrannt haben. Und sie stellt sich vor, wie es Menschen geht, „die alles zurücklassen, was ihnen lieb und teuer ist….“

veröffentlicht am 04.08.2015 um 19:23 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:07 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Doch, abgesehen davon, ob die grundsätzliche Fähigkeit zum Mitgefühl hier oder Ressentiments an den Stammtischen die Sicht bestimmen: Die Frage über den Umgang mit Flüchtlingen wird ohnehin nicht in Lügde entschieden. Fest steht: Die Osterräderstadt muss – wie republikweit andere Kommunen auch – nach Möglichkeiten suchen, um Schutzsuchende unterbringen zu können. Denn die 5000 Menschen, die derzeit wöchentlich in Nordrhein-Westfalen ankommen, müssen verteilt werden.

Deshalb ist man im Lügder Rathaus nun froh, dass die Politiker in Lügdes Haupt- und Verwaltungsausschuss in der vergangenen Woche einstimmig beschlossen haben, dass die Stadt ein Haus kaufen darf (wir berichteten). Darüber hätte Bürgermeister Reker eventuell auch allein entscheiden können. Aber der Rückhalt in der Politik dürfte ihm wichtig gewesen sein.

Wann mit der Ankunft der ersten neuen Bewohner in der Elbrinxer Immobilie zu rechnen ist, weiß im Lügder Rathaus noch niemand ganz genau. Aber für Katrin Buhr steht fest: „Wir werden das Haus auf jeden Fall brauchen.“ Der geplante Kauf sei der Belegung von Sporthallen oder Schulräumen als Unterkunft eindeutig vorzuziehen, findet sie. Das wolle man in Lügde vermeiden.

Fünf der sechs unterschiedlich großen Wohnungen in dem insgesamt 600 Quadratmeter großen Elbrinxer Haus stehen schon länger leer, eine Wohnung ist vermietet. „Der vorhandene Mietvertrag wird nach dem Eigentümerwechsel von uns aus selbstverständlich bestehen bleiben“, sagt Verwaltungsmitarbeiter Manfred Engel, zu dessen Aufgabengebiet im Lügder Rathaus die Versorgung der Flüchtlinge mit Wohnraum zählt. Er schätzt, dass maximal an die 30 Menschen in dem Haus untergebracht werden könnten. Seit der Stadt Lügde im Juli weitere 17 Flüchtlinge zugewiesen wurden, leben derzeit etwa 80 Flüchtlinge hier.

Durch den geplanten Erwerb der Immobilie wird die Stadt zwar ihrem Vorsatz untreu, Flüchtlingen ausschließlich innerhalb der Kernstadt ein Dach über dem Kopf zu organisieren. Dort könnten die Kapazitäten allerdings mittelfristig an ihre Grenzen stoßen. Gleichwohl versuche man weiterhin, die Flüchtlinge in privaten Wohnraum in Lügde zu vermitteln, betont Engel.

Was grundsätzlich für die Kernstadt spricht: Sämtliche Neuankömmlinge sind erst einmal Fußgänger, und sie müssen deutlich häufiger Termine zum Beispiel im Rathaus wahrnehmen als Ortsansässige. Anders als den meisten Einheimischen fehlt es ihnen zudem an einem Netzwerk, das sie unterstützen kann – egal, ob es um eine Fahrt in die Stadt geht oder die Erledigung von Einkäufen.

Dass in Elbrinxen und anderen Ortsteilen der Osterräderstadt Flüchtlinge lebten, ist noch gar nicht so lange her. Die Ära der Container ging in Lügde erst vor sechs Jahren zu Ende. „Diese Zeit ist Gott sei Dank vorbei“, sagt Manfred Engel. „Damals haben in einem Container bis zu sieben Menschen gelebt“, erinnert er sich an die Unterbringung der Menschen in den zunehmend morschen Provisorien.

Der Zustand der künftigen Elbrinxer Unterkunft dürfte besser sein. „Wir werden wohl nur ein paar kleinere Sanierungen vornehmen müssen“, glaubt Katrin Buhr. Bei Bedarf könnten die Wohnungen innerhalb weniger Wochen bezugsfertig sein. Und Manfred Engel glaubt, „dass wir damit bis Jahresende hinkommen“.

Was Buhr aus Gesprächen mit anderen Menschen im Ortsteil mitnimmt, ist „durchaus die Bereitschaft, den Menschen zu helfen“.

Ein Elbrinxer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, überlegt: „Vielleicht können wir im Dorf nach den Ferien eine Informationsveranstaltung machen.“ Sein Standpunkt: Man solle nicht erst anfangen, über Willkommenskultur nachzudenken, wenn die Flüchtlinge schon da seien.



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