weather-image
21°

Wortakrobatrik über die Spitze hinaus

Echte Entdeckung: „Das Geld liegt auf der Fensterbank Marie“

LÜGDE. „Das Geld liegt auf der Fensterbank Marie“ – so abgedreht wie der Name des Duos, so skurril war die Vorstellung, mit der es die Besucher im Lügder Klostersaal von Szene zu Szene überraschte. Mit dem Intro machten die beiden Kabarettisten erst mal ihren Standpunkt klar:

veröffentlicht am 14.04.2019 um 22:08 Uhr

Wiebke Eymess und Friedolin Müller sind das Duo „Das Geld liegt auf der Fensterbank Marie“. Im Lügder Klostersaal ernteten die beiden frenetischen Applaus. Foto: yt
Avatar2

Autor

Carlhermann Schmitt Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt so viel wie der Rest. Wir schlachten jeden Tag zwei Millionen Tiere. Die Zahl der Insekten ist seit den 1980er Jahren um drei Viertel gesunken. Jährlich landen zehn Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer ... Und bei der letzten Bundestagswahl erhielt die AfD mehr als zwölf Prozent der Stimmen.“ Allein für diese Aufzählung, in der das Duo auch an Kriege und Hunger erinnerte, gab es großen Beifall.

Dann war Themenwechsel. Oder zumindest ein Perspektivwechsel. Die große Katastrophe wurde eingetauscht gegen das private Chaos in der Beziehung. Umzug von der Großstadt Hannover aufs Land, wo es Brötchen nur noch an der Tankstelle gibt. Durch „Landlust“ und andere Druckwerke verklärtes Wohnen inmitten güllegetränkter Böden für Monokulturen als letzter Ausweg für Familien, die sich die Mieten nicht einmal mehr in weitläufiger Nähe von Bäckereien, Lebensmittelgeschäften und womöglich sogar eines Kinos leisten können.

Das Stilmittel war klasse. Argumente wurden als Beziehungskiste vorgebracht. Wiebke Eymess und Friedolin Müller gaben das Paar, das sich um das Für und Wider zankte, ganz wie ein durchschnittliches Pärchen. Hier Friedolin, der beispielsweise die Funktion einer Garage als Abstellraum für sein Hobbygerät sieht, während Wiebke vorschlug, dass sie als Unterbringungsmöglichkeit für ein Auto gedacht sei. Friedolin: „Dafür gibt es den Carport. Hätte Steve Jobs sein Auto in die Garage gestellt, gäb‘ es kein iPhone.“

Mit absurden Argumenten wurde das Familienleben betrachtet, das letzte Aufbäumen alter weißer Männer oder die Infantilisierung der Menschheit durch das Smartphone.

Mit ihrer Wortakrobatik trieben sie Heinz Erhard weit über die Spitze hinaus. So wollte Friedolin genau wissen, was der von der Werkstatt über sein Auto gesagt habe, nachdem er von Wiebke die Zusammenfassung „im Arsch“ gehört hatte. „Irgendein Fachchinesisch – irgendwas mit abgefahrener Graf. So ein irrer Graf bei der Rektaluntersuchung. Kein Adeliger. Irgendwas mit x-Achse und y-Achse.“ – „Kurvendiskussion? Also Analysis.“ „Sag‘ ich ja, anal.“ „Also Graph, anderer ph-Wert.“ „Ja und das mit den Tiergeschichten.“ „Lessing hat Fabeln geschrieben, also mit Tieren und Moral.“ „Ja und ein Stück mit dem Typen, dessen Eltern gestorben sind. Jonathan?“ „Nathan, nicht die, sondern der Weise.“ „Und was hat das mit unserem Auto zu tun?“ „Die Stelle mit dem Ring.“ „Ringparabel?“ „Ja genau, Parabel, das sind die Graphen, die ich meine.“ „?“ „Unser Auto ist Irre Parabel!“ „Also im Arsch.“ Dass nach dieser Diskussion das Lachen der Gäste etwas verzögert ausbrach und dann leicht hysterisch klang, war durchaus nachzuvollziehen.

Aufgelockert wurde die Vorstellung dann wieder durch einen Song. Friedolin brillierte an der Gitarre. Wiebke zupfte die Ukulele, zog die Harmonika und tippte auf ein Mini-E-Piano. Und wenn beide dann noch zusammen sangen, wurde es schon wieder schwierig für die begeisterten Besucher: Auf die Musik achten oder auf den Text? Das war nicht immer einfach, aber es hat sich gelohnt – was der nachhaltige Applaus am Ende der Vorstellung auch bewies.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?