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Wie NDR1-Moderator Lars Cohrs sein Publikum in Rischenau amüsiert

Die verzweifelte Suche nach einem Geschenk

RISCHENAU. Lars Cohrs selbst beschreibt sein Programm „Oha Du Fröhliche“, das er am Freitag im vollbesetzten Saal des Rischenauer Dorfgemeinschaftshauses präsentiert, als „heiter-besinnliche Weihnachtslesung“. Das klingt vielversprechend, und in weiten Teilen löst der NDR1-Moderator dieses Versprechen auch ein.

veröffentlicht am 18.12.2017 um 08:34 Uhr

Lars Cohrs sorgte in Rischenau weitenteils für größtes Vergnügen. Foto: BR

Autor:

Burhard Reimer
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Denn die Geschichten und Gedichte heben sich deutlich ab von all der klebrig-süßlichen Gefühlsduselei, die Besinnlichkeit vorgaukeln soll in Tagen, die doch in der Regel eher von Hektik geprägt sind.

Vor allem Männer kennen das, was Cohrs da mit genüsslicher Häme vorträgt: das verzweifelte Suchen nach dem passenden Geschenk für die Frau. Da steht er dann im „Tempel der Düfte“ und muss die mitleidigen Blicke jener gleichermaßen betörend schönen wie duftenden Verkäuferin über sich ergehen lassen, dieser bedauernswert unbedarfte, von jeglicher kosmetischer Ahnung freie Trottel. Und brav blättert er an der Kasse sein halbes Monatseinkommen hin – für einen verführerischen Duft, der doch ach so schnell wieder verfliegt.

Die Seitenblicke der Damen im Saal sehen nicht nach allzu viel Mitleid aus.

Dann schon eher der kleine Pelle, der sich in der herzzerreißend tragikomischen Geschichte von Astrid Lindgren im Klohäuschen, hoffend, dass seine ungerechten Eltern ihm bittere Tränen nachweinen werden. Die aber haben keine Tränen für ihn, dafür aber hegen sie ganz viel liebevolle Nachsicht. Und so kehrt Pelle schließlich reumütig in die Arme seiner Lieben zurück, wo dann – bei Pelle – tatsächlich Tränen in Strömen fließen. Wie das bei kleinen Jungs eben so ist.

Erich Kästners verschmitzt hinterhältiges „Interview mit dem Weihnachtsmann“ darf im Reigen der so ganz anderen Weihnachtsgeschichten ebenso wenig fehlen wie die blutrünstige Moritat von der gattenmordenden Försterin in Loriots Gedicht „Advent“. Da gibt es die Weihnachtsbaum-Dienstanweisung für Beamte“ ebenso wie „Die Weihnachtsmaus“ von James Krüss, ein Gedicht, das darüber aufklärt, warum von den Weihnachtssüßigkeiten das Beste immer zuerst verschwindet.

Bei all dem erweist sich Lars Cohrs als ausgezeichneter Interpret, der sein Publikum auch durch Betonung und Gestik mitnimmt und für größtes Vergnügen sorgt.

Da wären seine eigenwerberischen Abschweifungen ins Leben eines Radiomoderators nicht nötig gewesen. Und seine mokanten Äußerungen über Sinn und Unsinn in deutschen Liedtexten sind zwar berechtigt, aber nicht neu. Dass er sich obendrein über seine Hörer lustig macht, ist geschmacklos. Ach ja, in Rischenau fehlte auch die „NDR-Entenjagd“ nicht. Siegerin Vanessa erhält aber nur eine Flache Sekt eines spanischen Massenherstellers aus dem Getränkemarkt. Auch nicht nett.



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