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Aus Begeisterung fürs alte Handwerk: Hummerserin Ulrike Nolte ruft Regionalgruppe der Handspinngilde ins Leben

Die spinnen, die Lipper! – im Dorfgemeinschaftshaus

Hummersen. Die spinnen, die Lipper! Und zwar regelmäßig jeweils am dritten Samstag im Monat ab 14 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus von Hummersen. Dann trifft sich die Regionalgruppe Lipper Bergland der deutschen Handspinngilde, um sich unter anderem in unterschiedlichsten textilen Techniken zu üben. Initiiert wird die Spinnerei auf hohem Niveau von Ulrike Nolte, der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Handspinngilde.

veröffentlicht am 13.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Entstanden ist das Treffen aus den traditionell im Winter stattfindenden Lichtstubentreffen in der alten Schule in Hummersen. „Im Dorfgemeinschaftshaus wollen wir uns jetzt das ganze Jahr über treffen und uns mit unseren Arbeiten an den Jahreszeiten orientieren“, erklärt Ulrike Nolte. Demnach werden die Wollveredelung eher im Sommer und die Verarbeitung der bunten Stränge vorwiegend zwischen Herbst und Frühjahr stattfinden.

Während der 2004 gegründete Dachverband insgesamt etwa 300 Mitglieder zählt, hat allein die Hummerserin in ihrer Regionalgruppe Lipper Bergland mehr als 15 Spinnerinnen um sich vereint, die regelmäßig den unterschiedlichsten alten Handarbeitskünsten frönen. „Allerdings ist die Dunkelziffer der nicht organisierten Spinnerinnen deutlich höher“, erklärt die 58-Jährige. Bei den Treffen sind auch Gäste jederzeit willkommen, und nicht jede Teilnehmerin oder jeder Teilnehmer ist automatisch Mitglied in der Handspinngilde. „Wir möchten in unserer Gruppe das alte Handwerk weitergeben“, so die Motivation der Mitglieder.

Die Rohwolle bekommen die Spinnerinnen meist von heimischen Schäfern geschenkt, weil sich die Wolle nicht verkaufen lässt. Es sei denn, man ist stolzer Besitzer einer seltenen alten Schafrasse. Für die Wolle eines Blue faced Leicester-Schafes hat Ulrike Nolte unlängst ein kleines Vermögen ausgeben müssen, weil sie diese seltene Wolle unbedingt einmal verarbeiten wollte. „Manche sammeln Briefmarken, wir Spinner jagen schon einmal einer besonders seltenen Schafwolle nach“, erklärt die Kunsthandwerkerin.

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Was für den einen die Blaue Mauritius ist, wäre für sie die Wolle des besonders seltenen Jakobsschafes, das bereits seit 2000 Jahren unverändert gezüchtet wird. „Ein Schal aus dieser Wolle würde genau der Qualität des Bekleidungsmaterials der Menschen um Christi Geburt entsprechen“, schildert die Wollliebhaberin ihre Faszination für diese Rarität.

Bevor aus Rohwolle ein Pullover, ein Schal oder ein anderes Accessoire entsteht, muss ein langer, mühsamer Weg beschritten werden. Das beginnt schon mit dem etwas ungewöhnlichen Bad der Rohwolle im Regenwasser, anschließend muss die Faser kardiert werden, damit ein Vlies entsteht, oder man kämmt die Wolle zum sogenannten Kammzug. Nach dem Spinnen hat man dann eine Naturwolle oder ein besonders feines Kammgarn hergestellt. Bevor strickfertige Wolle entsteht, vergehen etwa acht Stunden am Spinnrad, verrät Ulrike Nolte. Maximal kann sie ihre handgesponnene und mit Naturfarben gefärbte Wolle für 18 Euro je 100 Gramm verkaufen – ein nicht wirklich lukratives Geschäft, sondern vielmehr ein bezahltes Hobby.

„Meine Wolle ist etwas für Liebhaber, die den Wert der reinen Handarbeit schätzen“, sagt Ulrike Nolte. So sehen es auch die anderen Mitglieder der Regionalgruppe. Sie schätzen die Individualität der Wolle und der daraus gearbeiteten Stücke – alles Unikate.

Der Heimat- und Verkehrsverein Hummersen ist jüngst eine Kooperation mit der Regionalgruppe Lipper Bergland der Handspinngilde eingegangen. „Es ist schön, dass zukünftig das Dorfgemeinschaftshaus auch von traditionellen Handarbeitern und nicht nur vom Sport- und Schützenverein genutzt wird“, sagt Helmut Pollmann. „Die Handspinngilde bringt Leben ins Dorf und in unser Dorfgemeinschaftshaus.“ Angesichts der Rohwollberge versuchte sich der Ortsbürgermeister gleich im Wolle kardieren.

Ende März findet dann im DGH der erste Hummerser Frühlingsmarkt mir zahlreichen Kunsthandwerkern statt (wir berichteten). Und Ulrike Noltes Planung geht noch weiter: Für 2013 plant sie das regionale Treffen – den Spinnwebentag mit etwa 50 Teilnehmern – im Bereich Lügde/Bad Pyrmont. Für 2014 oder 2015 ist bereits das Bundestreffen hier in der Region in Planung. Bis dahin ist dann auch die erste Ausbildungsordnung fertig, nach der Kursleiterinnen im Spinnen und verwandten Tätigkeiten mit Zertifikat ausgebildet werden können.

Helmut Pollmann versucht sich am Kardieren der Wolle.



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