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Welche Zukunft der demografische Wandel der Stadt Lügde bringt – und wie sie darauf reagiert

Die Schattenseiten einer alternden Gesellschaft

Lügde (rom). Thomas Schniedertünnes sieht für sich und seine kleine Familie keine Zukunft mehr in Elbrinxen. Vor kurzem verlor der Familienvater seinen Job als Fliesenleger. Seine Frau Sandra sucht vergeblich nach einer Anstellung als Tagesmutter. Doch wie in ganz Lügde, gibt es auch in Elbrinxen nicht genug Kinder, die betreut werden wollen. Entweder wurden sie gar nicht erst geboren oder sie zogen weg, wie ihr Sohn Tim, der in Norwegen lebt. Geschäfte gibt es in Elbrinxen schon lange nicht mehr, die Grundschule ist dicht, weder die Sparkasse noch den Kindergarten noch Ärzte gibt es mehr im Ort. Alles nur Schwarzmalerei? Nicht, wenn es nach dem neuen Demografiebericht des Kreises Lippe geht.

veröffentlicht am 13.04.2010 um 21:57 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:21 Uhr

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An Beispielen von Ortsteilen aus drei lippischen Kommunen – darunter auch der Stat Lügde – betrachtet der Bericht sowohl die Auswirkungen des demografischen Wandels in der jüngeren Vergangenheit als auch in den kommenden zehn Jahren. Anhand prognostizierter Sterbe- und Geburtenzahlen ergeben sich für die untersuchten Ortsteile in Detmold, Leopoldshöhe und Lügde zum Beispiel folgende Bevölkerungsbewegungen: Bis zum Jahr 2020 rechnet der Bericht für Lügde mit einem Bevölkerungsrückgang von 5,2 Prozent. Gemessen an den heute 10 651 Lügdern, sind das in zehn Jahren 554 Menschen weniger. 10 097 Menschen werden demnach im Jahr 2020 noch in Lügde wohnen. In Rischenau sinkt die Zahl um 7,2 und in Elbrinxen um 5,1 Prozent. Die Stadt Lügde liegt damit im Trend.

Denn der gesamte Kreis Lippe wird nach den Vorausberechnungen des Demografieberichtes bis zum Jahr 2020 etwa fünf Prozent seiner Bevölkerung verlieren. Aber welche konkreten Auswirkungen wird die Bevölkerungsentwicklung auf das Leben in Lippe haben? Auch darauf geht der Demografiebericht ein, den Vertreter des Kreises, der Städte und Gemeinden sowie der Kommunalen Verkehrsgesellschaft Lippe (KVG) im Rahmen des Projektes Lippe 2020 erarbeitet haben.

Für die Stadt Lügde zeichnet der Bericht das Bild der Familie Schniedertünnes. Ausgehend vom Jahr 2007, schreiben die Autoren die fiktive Familiengeschichte der Schniedertünnes voraus. Die lebt in einem eigenen Haus aus den 60er Jahren, das sie vor sechs Jahren gekauft haben. Der Familie geht es gut. Thomas‘ Arbeit als Fliesenleger wird nicht gut, aber pünktlich bezahlt. Seine Frau Sandra fühlt sich wohl als Hausfrau, Sohn Tim wächst im Dorf auf. Doch mit der Zeit altert die Gesellschaft. Ziehen auf der einen Seite die jungen Menschen auf der Suche nach Arbeit aus Lügde weg, bleiben die Alten zurück. Die Steuereinnahmen der Stadt sinken, weniger Menschen kaufen weniger ein, Geschäfte schließen – die Schattenseiten des demografischen Wandels. Und gegen diese negativen Auswirkungen kämpft auch die Stadt Lügde an. Erst kürzlich hatten die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planen und Bauen einstimmig beschlossen, dass die Mitarbeiter des Rathauses so bald wie möglich eine „Wirtschafts- und Sozialraumkonferenz“ einberufen sollen. Neben Politikern und Verwaltungsmitarbeitern sollen auch Unternehmer, Vertreter von Schulen, Kindergärten, sozialen Einrichtungen und Vereinen mit am Tisch sitzen. Sowohl Günter Loges als Bauamtsleiter als auch sein Mitarbeiter Gregor Günnewich hatten zudem am neuen Demografiebericht mitgearbeitet. Den will der Bauamtschef nun auch der Lügder Politik vorstellen.

Und dabei wird er sicher auch das andere Szenario vorstellen, dass der Bericht zeichnet. Im Gegensatz zu dem Negativbeispiel kann das Ergebnis des demografischen Wandels demnach auch ganz anders aussehen. So könnte in zehn Jahren etwa ein großer Facharbeitermangel herrschen. Fliesenleger Thomas wäre dann wieder gefragt. Sein Sohn tritt dann in die Fußstapfen seines Vaters und wird auch Handwerker – und gründet eine Familie im Haus, das neben dem seiner Eltern leersteht.

Die Zukunft wirft ihre Schatten voraus: Dass eine alternde Gesellschaft allerdings nicht nur Schattenseiten haben muss, zeigt der neue Demografiebericht.

Foto: Bibo

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