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Zeitschriftenwerber nutzen guten Ruf des Lügder Sportvereins und versprechen ihm Prämie

Der TuS als Türöffner

Den guten Namen des TuS „WE“ Lügdes nutzen derzeit Werber, um in der Emmerstadt Zeitschriften-Abonnements zu verkaufen. Die Reaktionen auf die mit Einverständnis der TuS-Spitze von einer Werberfirma durchgeführte Kampagne sind sehr gemischt. (jl)

veröffentlicht am 05.04.2016 um 20:52 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:37 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Lügde. Wer würde den Sportlernachwuchs der „Westfälischen Eichen“ nicht fördern wollen?! Auf die Großzügigkeit der Lügder bauen Zeitschriftenwerber, die derzeit in der Emmerstadt und in der Südstadt unterwegs sind, um Illustrierten-Abos zu verkaufen.

In Lügde neu ist die Methode: Wer die Tür öffnet, bekommt kurz darauf einen vom TuS-Vorsitzenden Carlo Hasse unterschriebenen und mit gleich zwei TuS-Stempeln versehenen Zettel gezeigt.

Unter der Überschrift „Aktion zugunsten unserer Sportjugend“ ist auf dem Papier zu lesen, dass „unser Verein“ für jeden Kunden, der im Rahmen der von „einer Sportwerbefirma“ durchgeführten Aktion ein Unterhaltungsheft oder Magazin bestelle, einen Punkt bekomme. Als Gegenwert erhalte der Lügder Verein „qualitativ hochwertige Adidas-Sportartikel“. Der Name der Werbefirma wird in dem Schreiben nicht genannt. Auf der Rückseite der Verträge firmiert die „WW Medienwerbung GmbH“ als Widerrufs-Adresse.

Eine eventuell aufkeimende Skepsis der Adressaten suchen die Autoren des Empfehlungsschreibens im nächsten Absatz zu zerstreuen. „Als Verantwortliche der Sportjugend haben wir uns von der Seriosität der Aktion überzeugt und diese durch Unterschrift und Stempel bestätigt“, ist dort zu lesen. Und unten rechts ist das Blatt noch mit einem „Sport statt Drogen“-Aufdruck versehen.

Formuliert hat den Text allerdings nicht die Lügder Sportvereins-Spitze. Der Vordruck stammt von den Initiatoren der Abo-Werbekampagne. Auf Anfrage sagt „Eichen“-Chef Carlo Hasse: „Wir haben uns vorher schlaugemacht und empfanden das als seriös.“ Wohl deshalb fehlt auf dem Papier auch ein Hinweis, wie ihn andere Vereine in ihren Aktions-Hinweisen untergebracht haben. So betonte im vergangenen Winter der HSC Blau-Weiß „Schwalbe“ Tündern, dass er „weder moralischen noch sonstigen Druck hinsichtlich eines Vertragsabschlusses“ mit der Firma ausüben wolle und es „der völlig freien Entscheidung jedes Einzelnen obliegt, ob er ein Zeitschriftenabonnement abschließt“. Das Lügder Schreiben schließt hingegen mit den Worten: „Für die tatkräftige Unterstützung bedankt sich die Sportjugend bei all ihren Freunden und Gönnern im Voraus ganz herzlich!“ Auf der TuS-Internet-Seite ist zudem zu lesen: „Keine Sorge, es handelt sich hierbei weder um Sozialdienste krimineller Jugendlicher noch um nervige Drücker-Kolonnen.“

Die Referenzen auf der Internet-Seite der „Sportjugend-Förderung e.V.“ mit Sitz in Wassenberg bei Aachen (, deren Vorsitzender auch eine Werbefirma betreibt,) zeigen: Bundesweit haben schon diverse Sportvereine den Zeitschriftenwerbern ihren guten Namen gegeben – und hinterher entsprechend davon profitiert. Denn: Je mehr Zeitschriften-Abonnements die Werber verkaufen, desto höher fällt der Provisions-Anteil für den TuS aus. Pro Abo könnte es laut Hasse einen Punkt im Wert von 15 Euro geben. Der Verein könne sich dann aussuchen, ob er zum Beispiel Trikots oder Bargeld haben möchte.

In Lügde kommt die Kampagne nicht durchweg gut an. So riet ein Mitglied einer örtlichen Facebook-Gruppe: „Lieber direkt dem Verein spenden!“ Ein anderer schrieb von einem „sehr schlechten Beigeschmack“, und einem Dritten waren „,Drückerkolonnen’ mit Abo als Spendensammler absolut nicht geheuer“.

Andere wieder haben kein Problem damit, dass der TuS WE sich von Zeitschriftenwerbern als Türöffner benutzen lässt, weil ja auch er ein Nutznießer der Aktion ist. „Vom Prinzip her finde ich das nicht schlecht“, sagt Carlo Hasse, der beim Unterschreiben nur Gutes für örtlichen Sport-Nachwuchs im Sinn hatte.

Weshalb der Lügder und andere Clubs in solche Aktionen einwilligen, liegt auf der Hand: Zur Finanzierung der Jugendarbeit ist jeder Euro willkommen, und der Verein trägt offenbar kein Risiko. Allerdings profitieren vom Abschluss der Abo-Verträge in erster Linie die Verkäufer beziehungsweise die hinter ihnen stehenden Unternehmen.

Seit Hasse aus dem Urlaub zurück ist, haben den TuS-Chef mehrere Anrufe teils erboster Lügder erreicht. Richtig sauer ist eine Frau, deren kranke Mutter einen Abo-Vertrag unterschrieben hat, als sie allein zu Hause war. „Der Werber hat ihr erzählt, dass die Kinder in Lügde keinen Ball zum Spielen haben“, berichtet die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich finde das recht komisch.“ Den Vertrag habe sie eher zufällig gefunden, als sie wieder nach Hause kam. Um die Angelegenheit zu klären, habe sie dann zunächst zigmal bei der Firma „WW Medienwerbung GmbH“ anzurufen versucht, aber niemanden erreicht. „Dann habe ich an die Adresse auf der Rückseite eine schriftliche Widerrufserklärung geschickt.“ Die Lügderin sagt: „Wenn ich aus der Nummer nicht rauskomme, bin ich sofort beim Anwalt.“ Sie habe im Internet auf Anhieb diverse sehr kontroverse Zeitungsberichte über das Thema gefunden.

Fälle wie den der alten Dame bedauert Carlo Hasse natürlich. Und er räumt ein, dass man nicht bedacht habe, „dass manche Leute das vielleicht nicht verstehen. Wäre mir das vorher klar gewesen, hätten wir uns das vielleicht überlegt.“

Den örtlichen Fachhandel hatte der Verein bei seiner Einwilligung in die Aktion offenbar ebenfalls nicht auf dem Schirm. Bei Tabak-Kleine ist man jedenfalls nicht begeistert. „Die Leute haben vor allem unterschrieben, weil sie dachten, dass sie dem Verein etwas Gutes tun“, ist im Laden zu hören.

Carlo Hasse berichtet indes, der Werber habe ihm versichert, sich vor Ort informiert zu haben, welche Titel Kleine führt – und die dann aus seinem Sortiment genommen. Im Laden, der Hunderte von Zeitschriften anbietet, hat man davon nichts mitbekommen.

Verbraucherschützer sehen solche Aktionen skeptisch. Die Fachfrau der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf war gestern zwar nicht zu erreichen. Aber eine Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale Münster hatte kürzlich gegenüber den „Westfälischen Nachrichten“ erklärt: „Bei Haustürgeschäften gibt es immer einen gewissen Überrumplungseffekt.“

Möglich übrigens, dass die Werber ihren Wirkungskreis in den kommenden Tagen ausdehnen. Dem Vernehmen nach stehen nun die Lügder Südstadt und der Pyrmonter Ortsteil Hagen auf ihrem Plan.



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