weather-image
17°
Ärzte und Kassen verhandeln am Donnerstag

Der Streit ums Honorar geht weiter

Lügde/Lippe. Gut möglich, dass die Patienten in Westfalen-Lippe und damit auch in Lügde in nicht allzu ferner Zeit wieder einmal vor verschlossenen Praxistüren stehen, wenn sie zum Arzt wollen, oder besser: müssen. Denn aktuell verhandeln niedergelassene Ärzte und Krankenkassen wieder einmal übers Honorar.

veröffentlicht am 15.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 06:21 Uhr

Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Grundpauschale der niedergelassenen Mediziner liegt in Westfalen-Lippe mit 325 Euro pro Patient und Jahr bekanntlich niedriger als anderswo in der Republik; den Honorar-Bundesdurchschnitt beziffert die Kassenärztliche Vereinigung (KV) auf 352 Euro. Für das gleiche Geld müssen die Mediziner hier demnach mehr Patienten behandeln als ihre Kollegen. Deshalb fordert die KV mehr. Begründet wird das auch mit dem Ärztemangel auf dem Land. Die schlechteren Verdienstmöglichkeiten hier und zudem drohende Regressforderungen der Kassen an Mediziner, deren Heilmittelverordnungen das Budget überschreiten, hielten junge Kollegen von einer Niederlassung ab.

„Das weiß doch jeder, dass man nicht nach Westfalen-Lippe geht“, habe er sich erst neulich von jüngeren auswärtigen Kollegen sagen lassen müssen“, berichtet der Lügder Arzt Dr. Bertel Berendes (71).

Nachdem die KV den letzten Verhandlungstermin am vergangenen Dienstag platzen ließ, weil sie die AOK nicht als alleinige Gesprächspartnerin vonseiten der Kassen akzeptieren wollte, sollen die Verhandlungen nun am kommenden Donnerstag in die nächste, größere Runde gehen. „Wenn sich dann nichts tut, wird unser Protest ganz laut“, ist Berendes sicher.

Vorerst haben die Ärzte ihre Forderungen in einem offenen Brief formuliert, und zwar „sehr moderat“, wie der Lügder Hausarzt findet. In dem Schreiben mahnen die Mediziner unter anderem, der Mangel an ärztlichem Nachwuchs werde durch die Fortschreibung der unterdurchschnittlichen Vergütung ambulanter Leistungen deutlich verstärkt. „Ihre Blockadehaltung gefährdet die Zukunft der ambulanten Versorgung in Westfalen-Lippe!“, heißt es weiter in dem Brief an den AOK-Verhandlungsführer Martin Litsch..

Laut Argumentation der Kassen zeichnen die Ärzte jedoch ein schiefes Bild. Ein Vergleich von „Kopfpauschalen je Versicherten“ nach Bundesländern sage nichts über die tatsächlichen Einkünfte eines Arztes aus, heißt es in einer Erklärung der AOK. Werde zur Berechnung der Honorare nicht nur die Grundpauschale herangezogen, dann liege das Einkommen aus der Behandlung gesetzlich Krankenversicherter etwa fünf Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Laut AOK verunsichern die Mediziner die Öffentlichkeit mir unzutreffenden Behauptungen.

Doch egal, wie die Verhandlungen ausgehen – der Lügder Hausarzt Dr. Bertel Berendes sicher: „In Zukunft werden sich gerade die Pflegebedürftigen auf dem Land umgucken, denn die Wege zur nächsten Praxis würden weiter. jl



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare