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Für den Notfall: Ab Dienstag gilt nach 18 Uhr nur noch die neue zentrale Telefonnummer / Entlastung für Hausärzte

Der helfen soll, wird künftig meist ein Fremder sein

Lügde (jl). „Jetzt habe ich meinen letzten Notdienst hinter mir“, sagt Dr. Bertel Berendes. Der gerade 68 Jahre alt gewordene Lügder Allgemeinmediziner hält zwar viel auf seine Fitness. Und doch ist er froh, dass er nach rund vier Jahrzehnten nachts nicht mehr rausmuss, um nach Patienten zu sehen, die ihn als Notarzt anklingeln. Denn: „Da stößt man an seine Leistungsgrenzen.“

veröffentlicht am 28.01.2011 um 19:59 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:21 Uhr

Dr. Berendes
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Allerdings werden die Kranken in der Emmerstadt und ihren Ortsteilen künftig generell nur noch selten bekannte Gesichter sehen, wenn sie die ab 1. Februar gültige neue zentrale Telefonnummer 0180-5044100 anwählen und später der Notarzt oder die -ärztin vor ihrer Tür steht. Denn die 162 Notdienst-Bezirke Westfalen-Lippes sind dann zu 32 Groß-Bezirken fusioniert.

Fortan werden sich nach 18 Uhr die Anrufe bei den Lügder Ärzten erübrigen. Stattdessen landen die Hilfesuchenden per Zentralruf in Duisburg. Die Disponenten dort lassen sich das jeweilige Problem schildern und entscheiden dann, ob sie den mobilen Notarzt oder gar den Rettungswagen losschicken oder ob sie dem Patienten den Krankenhausbesuch in Detmold oder Höxter bei eigener Anreise empfehlen. Den Kontakt zu Fachmedizinern wie etwa Augen- oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzten vermitteln sie ebenfalls.

„In Duisburg sitzen ganz qualifizierte Leute“, sagt Dr. Berendes, um den Patienten die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen. „Die lassen die Leute nicht allein.“

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Etwas soll sich allerdings durchaus ändern: „Der Notdienst ist für Notfälle da“, sagt Hausarzt Berendes mit Blick auf das Anspruchsdenken einiger Patienten, das er und seine Lügder Kollegen wiederholt erleben mussten. „Neulich verlangte eine Frau einen Hausbesuch, weil ihr Mann zu viel getrunken hatte, um sie in die Praxis zu fahren“, erinnert sich Berendes kopfschüttelnd. In derselben Nacht sollte er dann ein weiteres Mal raus, denn dem Patienten war es zu glatt, um sich selbst ins Auto zu setzen. „Die übermäßige Inanspruchnahme der Notärzte bei Bagatellerkrankungen soll verringert werden“, erklärt Berendes ein Ziel der Reform. Denn sie soll Aufwand und Kosten eindämmen.

Von der Novelle profitieren allerdings auch die niedergelassenen Ärzte in Lügde und seien Ortsteilen: Waren sie bisher im Verbund mit Schieder-Schwalenberg zu etwa 40 Nachtdiensten eingeteilt, so wird es sie künftig nur noch maximal ein halbes Dutzend Mal pro Jahr erwischen.

„Nach der Sprechstunde ist dann wirklich Feierabend“, sagt Dr. Berendes. Und er hofft, dass dieser Zugewinn an Lebensqualität den Landarzt-Beruf ein Stück attraktiver für junge Mediziner macht, die bisher in die Städte streben. Denn dass gerade die dünner besiedelte Provinz den Nachwuchs bitter nötig hat, predigt Berendes bekanntlich seit Jahren. Schließlich ist mittlerweile jeder vierte niedergelassene Arzt in Westfalen-Lippe über 60 Jahre alt.

„Dass unsere Patienten den längsten Weg zu den lippischen Krankenhäusern haben, ist einfach Pech“, sagt Berendes mit Blick auf die Anlaufstellen in Detmold und Höxter. Aber den eigenmächtigen Besuch etwa in der Notfallambulanz des Pyrmonter Bathildiskrankenhauses will er den Lügdern als Alternative nicht empfehlen. Denn: „Die Kosten werden den Lipper Ärzten dann wieder über den Fremdkassenausgleich abgezogen.“

Apropos: Das Freizeit-Plus durch die Notdienst-Neuordnung bekommen die Ärzte in Westfalen-Lippe auch nicht umsonst: Jeder Mediziner finanziert Organisation und Infrastruktur mit etwa 140 Euro pro Monat. Die Notdienstler sollen dann etwa 40 bis 50 Euro pro Stunde bekommen. „Das ist für einen qualifizierten Mediziner nicht gerade viel“, findet Berendes. „Aber wir hoffen, dass sich für die Dienste genug Junge finden.“

Beim Hausbesuch werden die Kranken in der Emmerstadt und ihren Ortsteilen künftig generell nur noch selten bekannte Gesichter sehen.

Foto: Bilderbox



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