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Unterwegs mit Landschaftswächtern

Den Schutz der Natur haben sie fest im Griff

Lügde. „Die Emmer hat aber nicht mehr allzu viel Wasser!“ – Wenn Ernst Dreiucker auf Kontrollfahrt durch seinen Dienstbereich 13a ist, dann hat er die augenscheinlichen Veränderungen zwischen der niedersächsisch-nordrhein-westfälischen Landesgrenze und der Staumauer des Schiederstausees genau im Blick.

veröffentlicht am 08.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 22:41 Uhr

Helmut Pollmann sammelt nebenbei auch Feuersteine.

Autor:

Sabine Brakhan
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Er registriert beim Überqueren der Emmerbrücke, wie viel Wasser der Fluss führt, kontrolliert, ob das Umfeld der Rast- und Schutzhütten beschädigt oder verdreckt ist und hat ein Auge darauf, dass Ross und Reiter nicht querfeldein reiten. Der 78-Jährige ist Landschaftswächter und seit mehr als zwei Jahrzehnten ehrenamtlich im Außendienst der Landschaftswacht des Kreises Lippe tätig.

Zu den Aufgaben des Lügders gehört es, Lippes Wälder und Felder zu beobachten, Bodenablagerungen oder wilde Müllkippen möglichst im Vorfeld zu verhindern oder einen Verursacher von Umweltbeeinträchtigung durch Überzeugungsarbeit zur Beseitigung zu veranlassen. „Die Landschaftswacht ist seit 1981 im nordrhein-westfälischen Landschaftsgesetz verankert. Nachdem eine Probephase mit vier 1983 eingerichteten Landschaftswachtbezirken erfolgreich abgeschlossen werden konnte, wurde 1986 das gesamte Kreisgebiet in 40 Bezirke flächendeckend aufgeteilt“, weiß Ernst Dreiucker aus der Entstehungsgeschichte seines Ehrenamtes zu berichten. Der ehemalige Kaufmann ist von Anfang an dabei und hofft, dass seine Gesundheit es zulässt, noch einige Zeit als Vermittler vor Ort auf mehr Umweltbewusstsein beim Bürger hinwirken zu können. Dabei setzt er auf die Unterstützung seines aus den 80er Jahren stammenden Mercedes. Der bringt den 78-Jährigen zuverlässig auch an die entlegensten Stellen seines Kontrollbereiches.

Sein ständiger Begleiter auf seinen Touren ist neben dem Spazierstock sein Fernglas. „Heute ist leider kein Muffelwild unterwegs, aber schon oft konnte ich auf den steilen Bergwiesen eine ganze Herde beobachten“, erzählt der Landschaftswächter und legt das Fernglas zur Seite, um am Wegrand reifende Schlehen zu begutachten. Auch ein solarbetriebenes Weidegerät fällt dem ehemaligen Jäger am Rand eines Maisfeldes auf. „Die Moderne hält Einzug!“, so sein Kommentar angesichts der sonnenenergiebetriebenen Schwarzwildabwehr. Ein wenig stolz macht es Ernst Dreiucker, dass er in über 20 Jahren als Landschaftswächter noch nie gezwungen war, einen Verstoß an die Landschaftsbehörde zu melden. „Natürlich kam es auch in meinem Bereich schon zu Situationen, in denen meine Hilfe gefragt war. Allerdings haben ich mit den Verursachern bisher immer eine einvernehmliche Lösung der Probleme herbeiführen können, ohne die Behörde einschalten zu müssen“, erzählt Ernst Dreiucker.

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Sein Augenmerk gilt in der Brut- und Setzzeit den „Dogsittern“ in den Emmerwiesen. „In Niedersachsen gilt zu dieser Zeit Leinenpflicht. Die Hundebetreuer der Kurstadt nutzen dann die Nähe zum Nachbarbundesland, um ihre Vierbeiner auf der grenzüberschreitenden Gassi-Runde im nordrhein-westfälischen Bereich frei laufen zu lassen“, beschreibt der Naturschützer eines der Probleme, mit denen Landschaftswächter konfrontiert werden können.

Auch Landschaftswächter Helmut Pollmann, zuständig für den Nachbardienstbereich von Ernst Dreiucker, sieht die Aufklärungsarbeit sowie die Konfliktbewältigung als Schwerpunkte seiner Arbeit. Dabei setzt der Vorsitzende des Heimatvereins Hummersen auf die Unterstützung und Zusammenarbeit mit den Vereinen, der Dorfgemeinschaft und den Landwirten. „Ein geschärftes Bewusstsein für die Natur sowie den verantwortungsvollen Umgang mit ihr findet man mittlerweile in breiten Teilen der Bevölkerung“, so der Umweltschützer. Er hat kein Verständnis für zertrümmerte Badezimmer oder Restölfässer, die rund um den Köterberg von Mitmenschen entsorgt wurden. Bei so krassen Verstößen gegen das Landschaftsgesetz schaltet er öffentliche Stellen ein. „Aber das sind echte Ausnahmen und lassen sich während meiner langen Dienstzeit an einer Hand abzählen. Im Allgemeinen ist zu beobachten, dass sich das Umweltbewusstsein der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert hat“, so Pollmanns Beobachtung. Bereits in der Schule setzt der Lehrer auf die Vermittlung des Umweltschutzgedankens. „Bei Wanderveranstaltungen und Klassenfahrten bemühe ich mich, den Umweltschutz didaktisch mit ins Programm einzubeziehen“, erklärt der Hobbyarchäologe, der seinen Schwerpunkt innerhalb der lippischen Landschaftswacht in der Bodendenkmalpflege sieht. Rund 300 bearbeitete Feuersteine aus der Mittelsteinzeit findet er jährlich auf seinen Touren durch seinen Kontrollbereich 13.2. Mittlerweile dürfte die Sammlung des 60-Jährigen auf 30 000 steinerne Zeugnisse mittelsteinzeitlichen Lebens angewachsen sein. Und sicher kann Helmut Pollmann noch manches Glas mit weiteren archäologischen Fundstücken füllen, denn genau wie Ernst Dreiucker denkt auch der Hummerser noch nicht ans Aufhören.

Ernst Dreiucker und sein treuer Begleiter: sein Mercedes.

Fotos: sbr



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