weather-image
Jetzt werden Ideen zum Gegensteuern gesammelt / So startet Lügdes erste Wirtschafts- und Sozialraumkonferenz

Demografie-Alarm lässt in der Aula 150 Köpfe rauchen

Lügde. Es ist hart, aber nicht zu leugnen: Lügde droht sich abzuschaffen. Denn die Stadt altert, und es wachsen immer weniger junge Einwohner nach. Viele dieser Wenigen zieht es dann, als Erwachsene auf der Suche nach einem Auskommen, auch noch fort.

veröffentlicht am 03.02.2011 um 22:20 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:24 Uhr

Gratwanderung: Bürgermeister Heinz Reker zeigt den Zuhörern in der Schul-Aula die Notwendigkeit auf, dem für Lügde besonders dra
Juliane Lehmann

Autor

Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

In den letzten 15 Jahren ist Lügdes Einwohnerzahl von 12 000 auf jetzt 10 500 geschrumpft. Und den Statistikern schwant nichts Gutes. Für das Jahr 2030 sagen sie nur noch 8000 Einwohner voraus, fast die Hälfte von ihnen jenseits der 60. Wäre die Fortschreibung dieser Prognose nicht arg vermessen, dann hätte sich die Emmer-stadt im Jahr 2140 komplett geleert.

Tröstlich wohl, dass niemand der heute Lebenden in diese Zukunft sehen kann. Aber schon die heutigen Kinder werden die Folgen der Überalterung schmerzlich zu spüren bekommen, denn das Leben dürfte, bei sinkendem Komfort, immer teurer werden. Dass die Flächenkommune Lügde sich auf fast 90 Hektar ausdehnt und damit laut Bürgermeister Heinz Reker „so groß wie Würzbug und kaum kleiner als Gelsenkirchen ist“, macht es auch nicht günstiger, das Gemeinwesen am Laufen zu halten.

Höchste Zeit also, ein Gegensteuern zu versuchen – in der Hoffnung, den Trend wenigstens aufzuhalten. Deshalb nahm Lügdes Stadtverwaltung den Demografie-Alarm jetzt zum Anlass, sich Hilfe zu holen. Und zwar nicht nur vom „Zukunftsbüro“ der lippischen Kreisverwaltung, sondern vor allem aus den Reihen der Lügderinnen und Lügder: Rund 150 von 200 eingeladenen „Entscheidern und Multiplikatoren“ kamen dazu beim ersten Treffen der neu installierten „Wirtschafts- und Sozialraumkonferenz“ am Mittwoch in der Schul-Aula am Ramberg zusammen.

„Es war super. Wir sind selten so herzlich aufgenommen worden“, schwärmte „Zu- kunftsbüro“-Chef Karl-Eitel John hinterher. Und weil er Vergleiche zu anderen Städten ziehen kann, in denen solche Treffen schon „ein bisschen zäher“ abgelaufen seien, findet er: „Man kann den Lügdern nur ein großes Lob aussprechen.“ Denn sie hätten, soweit er in die Gesprächsgruppen Einblick erhielt, „sehr zügig gearbeitet“.

Imponiert hat dem Detmolder allein die Tatsache, dass ein Drittel der Gäste der geschlossenen Veranstaltung sich für die Mitarbeit im Bereich „Wirtschaft, Infrastruktur und Stadtentwicklung“ entschied, einem der vier Themenfelder, die es zu beackern galt. „Daran sieht man, welchen Stellenwert das Thema für die Menschen hat“, so John. Und sein Kreis-Kollege, Schulrat Wilfried Starke, zeigte sich auch angetan: Er habe selten so viele Leute in einer so regen Diskussion erlebt“, befand er im Anschluss.

Am Mittwoch teilten sich die Gäste erst einmal in fast ein Dutzend Gesprächsgruppen zu den Themen „Familien, Kinder Jugend“, „Bildung und Schule“, Senioren und Gesundheit“ sowie „Wirtschaft“ auf. Die Wege zum Umgang mit den jeweiligen Problemen, die sie bei den künftigen Treffen aufzeigen sollen, könnten Lügdes Politiker später als ein Fundament ihrer Beschlüsse dienen. Der Vorteil für sie: Bei einschneidenden Entscheidungen können sie auf die Ergebnisse der Konferenz zeigen – und stehen dann nicht allein in der Verantwortung. Karl-Eitel John deutete in seiner Einführung immerhin an: „Es gibt Bereiche, wo wir das Angebot zurückfahren und die Infrastruktur abbauen müssen.“

Bevor aber Freibäder und Schulen dichtgemacht werden, soll nun erst einmal alles daran gesetzt werden, um den Bürgern ein Umfeld zu schaffen, das ihre Stadt lebenswert macht und sie nicht in die Ferne treibt. Denn, so sagte Heinz Reker in seiner Begrüßung: „Wir müssen versuchen, die Wanderungsbewegung zu bekämpfen.“ Um die Probleme offensiv anzugehen, forderte er „die Gestaltungskraft aller“ ein. Zugleich warnte der an diesem Abend als Mutmacher angetretene Stadt-Chef: „Panikmache, Schwarzmalerei und Fatalismus haben der Menschheit noch nie geholfen.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt