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Die A-cappella-Band „Voisix“ verblüfft das Publikum im Lügder Klostersaal

Das soll so sein

Lügde. „Die menschliche Grundbefindlichkeit des Suchens“ nannte Uli Lettermann, der Bariton der A-cappella-Band „Voisix“ die tiefere Bedeutung das harmonische Gerüst, in dem das Sextett die Interpretationen mehr oder weniger bekannter Lieder darbot. Bei E.T.A. Hoffmann war es noch der Oktavenjäger, Voisix hatte es auch noch auf die Quinten und Terzen abgesehen. Und so kündigte Lettermann das Stück „Vokalise“ von Sergei Rachmaninoff mit den Worten an: „Es klingt ein bisschen schräg. Soll aber so.“

veröffentlicht am 20.12.2015 um 17:33 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:50 Uhr

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Autor:

Carlhermann Schmitt
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Die drei Sängerinnen und drei Sänger waren großartig, hatten tolle weiche Stimmen mit angenehmem Timbre und auch richtig Power und sie trafen jeden Ton. Dabei verblüfften sie die gut 150 Gäste im Lügder Klostersaal allerdings mit ihrer Entscheidung. Sie suchten sich nämlich gerne gerade die Töne aus, die auf ein Verhältnis zum Nachbar-Sänger schließen ließ, das zwischen kritisch und zerrüttet eingeordnet werden musste. „Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden“ – es muss schon ein die Avantgarde begrüßender Musiktheoretiker sein, der die in feinster atonaler Struktur dargebrachte Einladung nicht ausgeschlagen hätte. Jeder im Saal erkannte, dass das so sein soll und spendete nach jedem Stück kräftig Beifall, zumal viele der aufgezogenen Spannungsbögen letztlich auch in versöhnlichen Harmonien aufgelöst wurden. Allerdings will ein Kind, das zur Ruhe gebettet wird, den kommenden Tag nicht wie das Armageddon begrüßen. Wenn dann die Oktave von „Morgen“ zum folgenden „früh“ in Brahms Wiegenlied gebrochen wird, kann das doch nur Albträume hervorrufen.

Das Sextett bot schwedische Lieder aus der Weihnachtszeit wie „Jul Jul“ oder aus dem Sommer. Laut Lettermann würde alles süß und lieblich klingen und an den Christbaum erinnern. Sicherlich gab es Strecken, die an Weihnachten erinnerten, so auch ihr Medley, das mit dem (für viele unsägliches) Wham-Lied begann und zuckersüße Versatzstücke wie „Santa Baby“ oder „Santa is coming to Town“ verarbeitet hatte. Der Rest erinnerte weitgehend an gar nichts. Vielleicht noch an Gödelsche Sätze oder Bachsche Fugen aber selbst bei „Like a Prayer“ dauerte es eine geraume Weile, bis man ahnen konnte, dass da Madonna gecovert wurde.

„Sie müssten sich mal sehen, wie sie gucken.“ Lettermann meinte dies als Lob an die Gäste, die hoch konzentriert und bis zum Zerreißen gespannt in ihren Stühlen saßen. Es fiel zwar keine, aber wäre eine Nadel gefallen, man hätte sie gehört. Denn das Publikum war wirklich überwältigt von den Gesangsqualitäten der sechs Vokalisten. Und sicherlich auch beeindruckt von den kompositorischen Fähigkeiten, mit denen die Lieder in die typische „Voisix-Harmonie-Struktur“ übersetzt worden waren. Und an die lehnten sich die Gäste dann auch beim letzten, dem obligatorischen Mitsinglied an. Sie nutzten den Kunstgriff des Gemeindegesangs und ließen sich bei „O lasset uns anbeten“ um einen halben Takt zurückfallen, damit es besonders kakophon klang.“



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