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Was Johannes-Gigas-Rektor Uwe Tillmanns nach 100 Tagen von der Sekundarschule hält

„Das ist die richtige Schulform“

Lügde. „Spannend“ ist das Wort, das Uwe Tillmanns am häufigsten verwendet, wenn er die Zeit seit dem 5. September Revue passieren lässt. Denn an diesem Tag hat auf dem Lügder Ramberg nicht irgendein Schuljahr begonnen, sondern so etwas wie eine neue Ära. Die Johannes-Gigas-Schule firmiert seither nicht mehr nur als Haupt- und Real-Verbundschule. Seit genau 100 Tagen ist sie auch Sekundarschule – jedenfalls für 81 Fünftklässler.

veröffentlicht am 14.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 09:16 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Ich bin überzeugt, dass das die richtige Schulform ist“, sagt der Rektor. Er glaubt denn auch, dass in der Schullandschaft langfristig nur noch Sekundar- und Gesamtschulen sowie Gymnasien erhalten bleiben werden. „Die Hauptschule ist ein Auslaufmodell, und auch die Realschule.“

Auf die seit dem Sommer in der Osterräderstadt angebotene neue Schulform gab es einen regelrechten Run. Das Konzept der „einen Schule für alle“ kam, auch dank des Versprechens möglichst individueller Förderung und bestmöglicher Vorbereitung auf das Gymnasium, bei Eltern wie Schülern gut an: „Wir hatten vorher immer auf 60 Anmeldungen gehofft“, erinnert sich Tillmanns an die Mindestvorgabe aus Düsseldorf. Doch dann waren es kurz vor den Sommerferien plötzlich 81 – und die drei genehmigten Klassen wurden mit jeweils 27 Kindern größer als geplant. Die „magischen Zahlen“ 60 und 20 waren plötzlich passé. Tillmanns: „Über das Ende der Fahnenstange hatten wir gar nicht nachgedacht.“

Einfach mit vier Klassen an den Start gehen – unmöglich. „Dann hätten uns jede Menge Lehrerstunden gefehlt“, erklärt der Schulleiter, der wegen acht weiterer kurzfristiger Anmeldungen aus der in Auflösung begriffenen Schlossparkschule Schieder schon seine 7. Hauptschulklasse teilen musste. „Das hat uns an die Schmerzgrenze geführt. Denn die Lehrerzuweisungen waren zu diesem Zeitpunkt längst abgeschlossen.“ Zudem gilt für Sekundarschulklassen: Sie dürfen erst ab 30 Kindern geteilt werden. „Vier Klassen können wir ab 91 Anmeldungen machen.“

Aber Tillmanns und sein Kollegium haben versucht, das Beste daraus zu machen: Vorerst in Mathe und Englisch und ab Februar auch in Deutsch wird jede 5. Klasse jetzt zeitgleich von zwei Lehrkräften unterrichtet. Die können intensiver auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen als ein einzelner Pädagoge. Zudem gibt es für die drei Klassen acht Fördergruppen – und zwar sowohl für schwächere als auch „Mathe extra“ oder „Englisch plus“ für stärkere Kinder. Das Zauberwort heißt „Binnendifferenzzierung“. Das bedeutet: Der Lehrer zieht nicht für alle 27 Kinder denselben Unterricht durch, sondern stellt auf das individuelle Lernvermögen zugeschnittene Aufgaben. „Die ganz jungen Kollegen kennen, können und praktizieren das“, sagt Tillmanns. Mancher gestandene Pädagoge indes müsse „viele Sachen ganz neu denken“. Fortbildungen erleichtern das.

Insbesondere die Doppelbesetzung in den Kernfächern kommt bei den Eltern der jüngsten Gigas-Schüler sehr gut an. Das hört Tillmanns nicht nur in Gesprächen. Er hat es jetzt schwarz auf weiß aus den Ergebnissen eines Fragebogens an die Eltern. Diesen „Evaluationsbogen hat er verteilen lassen, weil er wissen wollte: „Hagen sich ihre Erwartungen erfüllt?“ Die 16 Fragen auf dem Zettel haben 51 Eltern gerade beantwortet. Demnach kritisieren sie zwar vor allem die großen Klassen. Der Doppelbesetzung geben sie indes durchweg gute Noten. Die große Mehrheit von ihnen würde die Gigas-Schule sogar uneingeschränkt weiterempfehlen.

Was Tillmanns besonders freut: Die drei neuen Fünften sind bisher nicht nur ein Klasse-Jahrgang. Auch das Engagement der Eltern, die durch die Anmeldung ihrer Kinder den Start der neuen Schulform in Lügde ermöglicht haben, scheint über dem Durchschnitt zu liegen. Mehr als die Hälfte der Antwortenden hat im Fragebogen angekreuzt, sich gern stärker an der Schulentwicklung beteiligen zu wollen. „Deshalb wollen wir nun mehrmals im Jahr ein ,Elterncafé‘ fest einrichten“, stellt Tillmanns in Aussicht. „Viele Mütter und Väter haben vielleicht auch gute Ideen, auf die wir nicht kommen.“

Ein Ärgernis für manche Eltern hat die Schule zusammen mit der Stadtverwaltung schon nach den Herbstferien ausgeräumt: Für die mittlerweile 90 Schüler aus dem Bereich Schieder-Schwalenberg fahren jetzt zwei Busse. Mit Blick in die Zukunft und in der Hoffnung auf weiterhin genügend Anmeldungen sagt Tillmanns: „Wir erreichen die Eltern durch gute Taten.“



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