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Schädlingsbekämpfer: „Die Anzahl hat sich drastisch reduziert“ / 60 Nager im Klärwerk angespült

Das Gift wirkt – kaum noch Ratten in der Stadt

Lügde (jl/jhe). „Wir haben in zweieinhalb Wochen in der ganzen Großgemeinde nur eine Ratte gesehen“, sagt Bauhof-Mitarbeiter Norbert Müller. Das ist zwar alles andere als eine stolze, für die Lügder jedoch umso beruhigendere Bilanz der soeben abgeschlossenen „Rattenvertilgung“.

veröffentlicht am 04.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 20:21 Uhr

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„Drastisch“ ist die Anzahl der Ratten laut Schädlingsbekämpfer Peter Schmidt in diesem Jahr zurückgegangen. Höchstens 60 der ungeliebten Nagetiere wurden gestern in der Kläranlage angespült, nachdem alle Giftbeutel kontrolliert und nachgefüllt worden waren. „Das ist eine Fallstärke, die kaum noch messbar ist“, sagt Schmidt. „Als wir mit der Bekämpfung vor neun Jahren angefangen haben, fanden wir etwa 1000 und im vergangenen Jahr rund 500 Ratten in der Kläranlage“, so Schmidt. Diesen Erfolg führt der Schädlingsbekämpfer darauf zurück, dass die Giftsäckchen seit 2008 jährlich ausgelegt werden und nicht mehr nur alle drei Jahre wie noch zuvor.

Und so funktioniert die Rattenvertilgung: Unter Schmidts Anleitung lüfteten Norbert Müller und seine Bauhof-Kollegen Viktor Lusewitsch und Klaus Arwers sämtliche Kanaldeckel in der Großgemeinde. Ob an der jeweiligen Stelle Ratten aktiv waren, zeigte ein Blick: Lag der Köder vom letzten Jahr noch unberührt an seiner Abwurfstelle, war es ruhig an der Rattenfront. Erspähten die Männer hingegen ein angefressenes oder gar kein Giftsäckchen mehr im Schacht, warfen sie ein neues nach.

Der Schädlingsbekämpfer erklärt, dass jeder Giftbeutel entweder befestigt oder in einer Köderstation aufbewahrt werde, um eine Gefahr für Menschen und Haustiere auszuschließen. Denn der Giftgrundstoff Brodifacoum ist für Säugetiere sehr gefährlich, weshalb die Beutelchen zusätzlich den Bitterstoff Bitrex enthalten. „Wenn ein Mensch oder Hund daran lecken würde, spuckt er es gleich wieder aus“, erklärt Schmidt. Ratten und Mäusen fehlten dafür allerdings die Geschmacksnerven, weshalb sie das Gift fräßen. Schmidt weist daraufhin, dass auch ganz junge oder ganz alte Hunde und Katzen vor dem Bitterstoff nicht zurückschreckten.

Und an welchen Stellen haben die Ratten besonders viel von dem Giftsäckchen genascht? „In Bereichen, wo Bach- oder Flußläufe entlangführen, sind die Köder angenommen worden“, sagt Schmidt. Diese Bereiche seien vor allem deshalb bei den Nagern beliebt, „weil sie sich gerne dort aufhalten, wo es ein bisschen feucht ist“. Außerdem könnten die Ratten über die dortigen Rohre in die Kanalisation gelangen – ein Ort der ihnen als Rückzugsgebiet und Kälteschutz diene. An anderen Stellen habe Schmidt aber keinen Rattenbefall feststellen können.

Auch auf Privatgrundstücken seien die Nager nur in seltenen Fällen aktiv. „Insgesamt hatten wir zwölf Meldungen und nur bei einer handelte es sich um Rattenbefall – das ist sehr gering.“ Als Ursache für den Befall nennt Schmidt die Lage des Grundstückes an einem Kanalnetz.

Dass die ungeliebten Nagetiere immer mal wieder in einer Stadt auftauchen, sei ganz normal, beruhigt Schmidt die Lügder. Den Bürgern könne er deshalb auf jeden Fall keinen Vorwurf machen: „Ich habe keinen Kanaldeckel gefunden, unter dem Speisereste lagen.“ Denn durch Nahrungsmittel werden die Ratten angelockt und haben optimale Vermehrungsbedingungen.

Rund 12 000 Euro muss die Stadt für die Rattenbekämpfungs-Aktion bezahlen. Darin sind laut Karl-Heinz Köhne auch die Arbeitsstunden der drei Bauhof-Mitarbeiter enthalten. Der Ordnungsamtsleiter ist zufrieden, dass sich die verstärkte Bekämpfung bereits gelohnt hat. Damit die Stadt auch weiterhin nahezu rattenfrei bleibt, ruft Köhne auch zukünftig alle Bürger auf, sich beim Ordnungsamt zu melden, wenn sie auf ihrem Grundstück Ratten entdecken. „Dann legen wir neue Köder nach – wenn es nötig ist, auch in einem großen Gebiet.“

Bauhof-Mitarbeiter Norbert Müller (li.) wirft einen Beutel mit Rattenköder-Körnern in den Kanalschacht. Er und seine Kollegen Viktor Lusewitsch und Klaus Arwers sind seit zwei Wochen quer durch die Großgemeinde in Sachen Rattenbekämpfung unterwegs. Foto: jl

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