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Christian Ehring wird im „Klostersaal“ deutlich, und das Publikum geht ihm immer wieder auf den Leim

Cool sein in Lügde

veröffentlicht am 18.09.2016 um 12:06 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:19 Uhr

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Autor:

Carlhermann Schmitt
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„Cool sein in New York, das kann jeder. Cool sein in Lügde: Das ist die Herausforderung.“ Der als aus dem Fernsehen bekannte Extra-3-Moderator Christian Ehring relativierte aber auch gleich den Großstädter-Dünkel mit einer Meta-Verortung frei nach dem Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“: „Die Erde ist ein kleiner Planet eines unbedeutenden Spiralarms einer abgelegenen kleinen Galaxie.“ Deshalb war für den Kabarettisten, der am Samstag im Lügder Kloster auftrat, auch klar: „Wir sind ein Staubkorn im Universum und wenn Menschen von einer Seite des Staubkorns unter höchsten Strapazen sogar ihr Leben aufs Spiel setzen, um unmenschlichen Zuständen zu entkommen, haben wir die Pflicht, ihnen zu helfen.“

Selten wurde Ehring bei seinem Auftritt so deutlich. Meist waren seine Ironie und auch sein Zynismus in eine Geschichte verpackt in der er den Protagonisten spielte, den grün-konservativen Vater, der seinen Sohn nicht versteht, den Großstadtdissidenten mit edlem Haus am gentrifizierten Stadtrand, den proaktiv vegan-denkenden Steakliebhaber mit Vorliebe für respektvoll geschlachtete Tiere. Also eine Art humanistischer Mustermann: Die billige Milch kaufen und das Schreddern von männlichen Küken billigen – aber mit Betroffenheitsduktus.

Dabei gingen ihm die Gäste im gut besuchten Saal öfters auf den Leim. So als er die Pubertät des Sohnes darstellte: „Allein der Gestank – ich verstehe jetzt warum die Turnschuhe ‚Puma‘ heißen.“ Das Publikum lachte, als er von dessen Phlegma berichtete und auch von dessen Freizeitstress; davon dass er als Papa alles organisieren müsse. Immer wieder quer durch das gesamte Programm gab es solche Vater-Sohn-Einsprengsel, bis dann das Gespräch vorgetragen wurde, in dem der Sohn dem Vater erklärt, dass dieser über Jahre hinweg nicht zugehört, nichts verstanden habe. So verwurstete Ehring alle Pointen und Kalauer zuvor zu Makulatur. Einzelne verspätete Lacher zerbröselten im Saal.

Es war nicht das einzige Mal, dass Eiszapfen von der Decke wuchsen, wie es Ehring formulierte. Er entlarvte konservative Werte als Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Schwulenfeindlichkeit, Fortschrittsfeindlichkeit und Bigotterie. Deutsche Werte wie Ehrlichkeit im Zeichen von Beckenbauer und VW, Ingenieurwesen im Angesicht des einzigen vollkommen CO2-neutralen Flughafens in Berlin. Und progressive Werte von besser verdienenden Trendsettern, die Mieter aus günstigen Wohnungen vertreiben, um selbst schick zu wohnen, die Bio-Honig aus der Provence persönlich beim Erzeuger abholen und jetzt schon zumeist vom Hightech-BMW intellektuell überholt werden. „Wir wollen doch keine Autos, die noch schlauer sind, selbstständig fahren und bei Tempo 230 über Schopenhauer philosophieren – mit anderen Autos.“ Alles Themen, die er in der aktuellen Ausgabe der Pyrmonter Nachrichten entdeckte.

Am Anfang stand seine ungewöhnliche Aufforderung an das Publikum: „Lassen Sie Ihr Smartphone an. Ich bin es nicht mehr gewohnt, während einer Unterhaltung oder eines Auftritts die ganze Zeit angeschaut zu werden.“ Außerdem sei der Benutzer für ihn zu orten. „Ich kann Sie dann direkt ansprechen, fragen was unklar sei, was ich wiederholen soll.“



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