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Ortstermin mit Bildhauer Bernd Maro

Brunnenbau: Hier muss alles perfekt passen

Lügde. Passt der bronzene Zulauf auf die beiden durch den Sandsteinquader geführten Edelstahlrohre, durch die das Wasser in den Lügder Ziegenbrunnen gepumpt wird? Wo genau soll welches Tier am Brunnen platziert werden, damit es hinterher nicht im Wege steht? Und: Wie fügen sich die roten Sandsteinquader der achteckigen Brunnenumrandung ins Fundament? Diese Fragen galt es gestern Vormittag auf dem Lügder Marktplatz zu klären. Dazu reiste auch der Bildhauer Bernd Maro aus Wunstorf an, der die fünf Ziegen und ihren Hirten für Lügdes künftigen Marktplatzbrunnen gestaltet hat. Denn, klar: Wenn die Tiere in knapp drei Wochen angeliefert und platziert werden, gibt es nicht mehr viel Spielraum. Denn Materialien wie Bronze und Sandstein schließen nachträgliches Ausbessern so gut wie aus. Da muss dann alles perfekt ineinandergreifen. Die Ziege etwa, die mit den Vorderbeinen eine Sitzbank erklimmt, muss wirklich draufstehen. Schweben käme gar nicht gut.

veröffentlicht am 16.04.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 17:58 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Ich bin schon gespannt, ob alles so passt“, sagt Günter Loges. Die Brunnen-Fertigstellung gehört zu den Projekten, die Lügdes ehemaliger Bauamtschef angeschoben hat und nun, auch als Pensionär, noch mit begleitet. „Er war sechsmal bei mir im Atelier und hat sich jede Ziege und den Hirten angesehen“, erzählt Bernd Maro. Loges war es auch, der ihn veranlasste, dem Ziegenhirten eine andere Mütze zu verpassen, als der ursprünglich trug. „Jetzt hat er eine Zwetschgenkappe“, sagt der Bildhauer. „Aber mehr verrate ich nicht.“ Auch Loges hält sich zurück. Zwar hat er in Wunstorf immer wieder Fotos vom Fortschritt der Arbeit gemacht. Aber veröffentlicht sehen will er sie jetzt noch nicht. „Dann wäre ja die Überraschung weg“, feixt er.

Damit die Brunnenfassung passt, werden erst einmal sieben der acht tonnenschweren Quader aus Bad Karlshafen platziert. Der letzte Stein wird, als frische Maßarbeit für die noch freigebliebene Fläche, später geliefert. Das Beton-Fundament soll bald eine Kieselstein-Matte verdecken.

Auch die fünf Ziegen und ihr Hirte sind schon fertig gegossen. „Jetzt müssen sie nur noch ziseliert werden“, sagt Maro, der seine Haupt-Arbeit mit der Gestaltung der ersten Gussformen aus Wachs schon vor Monaten abgeschlossen hat.

3 Bilder
Auf der Zeichnung wird die Verteilung festgelegt.

Dort, wo die zweite und letzte Negativ-Gussform aus einem feuerfesten Sand-Schamott-Gemisch, in die die fast 1300 Grad heiße Bronze gegossen wurde, ein paar feine Risse hatte, die auf der Skulpturen-Oberfläche nun als Erhöhungen zu sehen sind, muss geschliffen werden. Ebenso gilt es, hier und da noch kleine Kanten abzurunden, damit später kein Kind beim Erklettern der bronzenen Tiere an der Oberfläche hängenbleibt. Denn der Brunnen soll ja bespielt werden. Das ist sein Zweck. „Er soll Freude machen“, sagt Bildhauer Maro über seine Lügder Auftragskunst. „Wenn die Kinder den Platz annehmen, das mag ich. Und wenn es dann noch die Erwachsenen gut finden, ist es auch in Ordnung.“

Übrigens: Damit bei dem „toten Material“ Bronze hinterher der Eindruck von Originalgröße entsteht, musste Maro alle Figuren etwas größer anlegen. Die Herausforderung des Lügder Projekts lag für ihn allerdings weniger auf der künstlerischen Ebene. „Das waren hier die Zeit und das Geld“, sagt er. „Beides war knapp gerechnet. Aber auch in der Gießerei hat trotz Hochdrucks bisher alles wunderbar geklappt.“ Seien die Einzelteile der Skulpturen zusammengeschweißt, dann müsse die Bronze nur noch patiniert werden.

Gespeist wird der Brunnen zwar mit Trinkwasser. Doch das durchläuft ihn per Umwälzpumpe und fließt durch eine Aufbereitungsanlage, deren chemische Zusätze das Algenwachstum mindern sollen. Prima zum Planschen, aber nicht gerade ideal, um daraus seinen Durst zu stillen.

Während zwei Steinmetze aus Bad Karlshafen mit zwei Brunnentechnik-Fachleuten und dem Bauhof-Team unter Leitung von Uwe Rinsche noch ihren Einsatz vorbereiten, kommt plötzlich ein Mannschaftswagen mit der Aufschrift „Zoll“ angefahren. Ein halbes Dutzend dunkelgrün Uniformierter steigt aus und verteilt sich über die Baustelle. Der Einsatz erweist sich als Schwarzarbeiter-Kontrolle. Rein zufällig, wie die Beamten erklären. Nachdem sie sämtliche Personalien – übrigens auch die des freischaffenden Künstlers – aufgenommen haben, sind sie aber auch schon nach zehn Minuten wieder weg vom Lügder Marktplatz, ohne fündig geworden zu sein.

Bernd Maro bleibt trotz der ungewöhnlichen Unterbrechung freundlich und gelassen. In seinen 36 Jahren als Bildhauer hat der 65-Jährige eine solche Kontrolle zwar noch nie erlebt. Aber, so sagt er milde lächelnd: „Ich hab’ ja auch nichts gegen Schaffner, die mich im Zug kontrollieren.“



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