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Welche wesentlichen Fragen der Kabarettist Sebastian Nitsch sonst noch stellt

Bleibt nur die DNA im Kaugummi?

Lügde. Sie ist ganz anders, die Show des Kabarettisten Sebastian Nitsch. So ganz anders als das Bisherige, was im Lügder Klostersaal zu erleben war.

veröffentlicht am 11.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 23:41 Uhr

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Autor:

Carlhermann Schmitt
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Wenn Nitsch überlegt, ob Obstfliegen nur deshalb so wirr durch die Küche fliegen, um Augenkontakt mit den Menschen zu suchen, denen sie letztlich ihr Leben zu verdanken haben, mag das lustig sein – oder auch nicht.

Es offenbart aber die soziale Haltung des Künstlers: Glück entsteht im Miteinander, im Gemeinsamen und in der Kommunikation. Und so wundert es nicht, wenn er auch den Wandel der Sprache betrachtet: „Die Jugend zischt mehr: ‚Sch- liebdsch-wrklisch-ischschwöre.‘“ (Ich liebe Dich wirklich. Ich schwöre.)

Den Wandel betrachtet Nitsch aber auch in evolutionären Dimensionen: „Was werden Archäologen oder Außerirdische in einigen Tausend Jahren vorfinden?“ In Anbetracht der Kurzlebigkeit heutiger Produkte wohl steinerne Zeitzeugen aus vorchristlicher Zeit und darüber einen Haufen Plastikschutt. Um nicht dem Vergessen anheim zu fallen, ruft Nitsch die Gäste auf, allenthalben Kaugummi in die Umwelt einzutreten. „Darin ist unsere DNA – und aus der können wir zukünftig geklont werden.“

In der Pause verteilt der Künstler Kaugummis – damit mittels Unsterblichkeitsbatzens etwas von uns bleibt.

So verteilt er in der Pause Kaugummis, die er später gekaut wieder einsammelt, um sie in einem großen „Unsterblichkeitsbatzen“ einzutreten – als Zeichen an die Nachwelt: „Erschafft uns wieder aus dem Speichel, wir haben Euch Einiges mitzuteilen.“

Während der Kabarettist hier zunächst noch nach einem euphorisierten Zukunftsfan klingt, der statt H-Milch lieber eine speziell gezüchtete Minimilchkuh mit Fieber und Schüttelfrost in der Küche stehen hätte, aus deren Euter Milchschaum käme, outet er sich in der nächsten Szene als Fortschrittsskeptiker, der die Navis dafür verurteilt, dass sie vermeintlich Uninteressantes links liegen lassen. Und der sich ärgert, dass es auf manchen Karamell-Schokoriegeln heißt, sie könnten Spuren von Erdnüssen enthalten. „Spülen die zwischendurch den Topf nicht? Was würden Sie denken, wenn Ihre Freundin Sie darauf hinweisen würde, sie könnte Spuren von anderen Männern enthalten?“

Ja es gibt auch reichlich Pointen – ist ja Kabarett. Aber Sebastian Nitsch geht es auch immer um das Glück, das kleine alltägliche, das von den großen Gesten, den schrillen Farben und den lauten Tönen allzu oft zugeschüttet wird. Und so bekam der Künstler keinen zwar besonders lauten Applaus, sondern langen, fast nachdenklichen Beifall.



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