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Rheinischer Kabarett-Start erntet Lachsalven im Klostersaal

Beckers Lehrstunden

Lügde. Kunst erklären? Ist immer schwierig. Wenn sich aber der rheinische Star-Kabarettist Jürgen Becker daran macht, in seine Interpretationen das aktuelle Zeitgeschehen reinzubasteln, entstehen ganz neue, sehr witzige Sichten auf manchen Klassiker der Moderne. Im Lügder Klostersaal gab‘s dafür reichlich Applaus. ti

veröffentlicht am 26.10.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

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Autor:

Klaus Titze
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Lügde. Bis auf die Empore ist der Klostersaal rappelvoll. Offensichtlich reicht allein der Name, um den Saal zu füllen. Dicht gedrängt hocken Becker-Fans auf den Stühlen, plaudern in Vorfreude auf einen unterhaltsamen Abend noch mit dem Nachbarn, was allerdings sofort verstummt und in lauten Empfangsapplaus übergeht, als der Kabarettist die Treppe zur Bühne erstürmt.

Bereits seine rheinische Aussprache verführt zum Grinsen, sobald sich der aufmerksame Zuhörer an den Dialekt gewöhnt hat. An Beckers dialektische Begriffe, Wortstammverknüpfungen oft verziert mit deftigen Ausdrücken muss man sich hingegen nicht groß gewöhnen. Die kennt man aus den diversen Kabarett-Sendungen in TV und Radio. An diesem Abend hat sich der Wortkünstler als Lehrstunde für sein Publikum eben das vorgenommen, was seinen Berufsstand ausmacht: die Kunst.

Genüsslich zitiert er etwa eine völlig unverständliche Bildbeschreibung aus einem Ausstellungskatalog. In den Lacher des Publikums passt denn auch seine Frage: „Was will uns der Künstler eigentlich damit sagen?“ Dies führt zu einer Enthüllung einer Max-Ernst-Kopie aus dem Kölner Museum, das – mit Beckers einfacher Bilderklärung umschrieben – darstellt: „Der Zimmermanns Jupp (Jesus als Sohn vom Zimmermann Josef) hat Scheiße gebaut und kriecht von seiner Mutter den Arsch versohlt!“

So wirft er Beamer-gesteuert immer wieder Bilder berühmter Kunstwerke an die Wand, um sie, den aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Geschehnissen angepasst, mit eigenen Untertiteln zu versehen. Dabei bekommt der Klerus mit den tanzenden nackten Frauen von Matisse als „Feierabend im Priesterseminar“ ebenso sein Fett weg wie der VW-Aufsichtsrat mit den nackten Frauenkörpern im „Türkischen Bad“ von Ingres.

Auch der Berufsstand der in rheinischer Mundart ausgesprochenen „Arschitekten“ eignet sich für den Beckerschen Vortrag – bieten doch dorische oder korinthische Baustile an Tempeln und Triumphbögen ausreichend Möglichkeiten, sie an heutigen Bauten wie einem Toilettenhäuschen bei St. Peter Ording wiederzuentdecken.

Die von Rubens gemalten fülligen Frauen – laut Becker „Barock im Speckmantel“ – vergnügten im Klostersaal ebenso wie seine Fortpflanzungstheorien anhand eines gemalten röhrenden Hirsches.

Selbst Caspar David Friedrich, der beim Malen „stets Glück mit dem Wetter hatte“, da seine Bilder immer Sonnenlicht durchflutet sind, führt ebenso zu einem erheiterten Applaus im Vergleich zu Gustave Caillebottes „Straße in Paris bei Regen“, der wohl nie Glück mit dem Wetter gehabt haben muss.

Glück mit dem ausgewählten kabarettistischen Abend haben allemal die Zuschauer – nicht zuletzt, weil Jürgen Becker ihnen allen, wie bei den WDR-Mitternachtsspitzen üblich, ein echtes Kölsch ausgibt.

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