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Weiträumige Umleitung für Durchgangsverkehr

Ausgerechnet jetzt: Tunnel nach Trafo-Brand dicht

Lügde (jl). „Das ist ein Ding, was vielleicht einmal in 30 Jahren passiert“, sagt der Elektriker. In Lügde war es gestern Nachmittag soweit: Im Betriebsgebäude des nicht einmal zwei Jahre alten, weit über 30 Millionen Euro teuren Tunnels schmorte ein Trafo durch. Die Folge: Der Tunnel ist gesperrt. Dabei wird er derzeit dringend gebraucht. Denn die hintere Hälfte der Mittleren Straße ist aufgerissen, die Ortsumgehung sollte eigentlich den gesamten Durchgangsverkehr aufnehmen. Doch nun darf die Unterführung wahrscheinlich das ganze Wochenende über niemand mehr durchfahren. Denn ihre komplette Stromversorgung ist ausgefallen. Nicht nur die komplette Beleuchtung inklusive Notausgang-Hinweisen und Nottelefon streikt, sondern auch Lüftung, Rauchmelder und sämtliche Videokameras. Deshalb kann die Tunnelleitzentrale in Hamm das Innere des unterirdischen Bauwerks nicht überwachen. Jeder Unfall im Funkloch könnte katastrophale Folgen haben – ein Risiko, das niemand eingehen will.

veröffentlicht am 09.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 18:21 Uhr

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Seit dem frühen Nachmittag kam es deshalb gestern überall in Lügde zu Staus. Der aus Pyrmont kommende Verkehr wälzte sich zunächst durch den noch offenen Teil der Mittleren Straße, der baustellenbedingt eigentlich nur noch Anliegern vorbehalten ist. Darunter waren zunächst auch große Lkw, die stadtauswärts über die Emmerbrücke mussten. Denn: Einmal in der Stadt, können sperrige Fahrzeuge nicht mehr wenden.

Später griff dann immerhin die großräumige Umleitung aus Richtung Bad Pyrmont. Schon am dortigen Bahnhof wurde dem Schwerverkehr der Weg über Holzhausen in Richtung B 1 gewiesen.

In Lügde selbst müssen nun wohl bis Montagmorgen allein die Vordere und die Hintere Straße sowie „Unter den Klippen“ den kompletten Verkehr aufnehmen – und das ausgerechnet am Liuhidi-Markt. Zu dem zweitägigen Mittelalter-Spektakel werden bis zu 4000 Besucher erwartet.

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Tunnel wieder frei

Bis die Umleitungsschilder gestern standen, postierte die Polizei am Nachmittag je einen Streifenwagen vor den beiden Tunneleinfahrten. Damit bewahrten die Beamten die unaufmerksameren Fahrer vor dem Los der ersten Pechvögel. Deren Durchfahrt endete gegen 14.30 Uhr plötzlich vor der Schranke am Tunnelmund: Ein Reisebus und ein Lkw mussten die Rampe mühsam wieder rückwärts hinauffahren.

„Wir können hier dichtmachen. Bis Montag ist Pause“, meinte ein Mitarbeiter der Firma Pytron, der – nach Feuerwehr und Rettungsdienst – als erster Fachmann am Tunnel-Betriebsgebäude eintraf. Die Feuerwehr musste den Raum zwar nur lüften, aber der Trafo war hinüber. Solange das noch nicht feststand, hatten die Tunnelüberwacher aus der Leitzentrale in Hamm noch versucht, das vermeintliche Elektronik-Problem per Fernreparatur zu beheben. Ohne Erfolg.

Verantwortlich für Reparaturen an der Elektrik ist die Firma, die sie eingebaut hat. Die sitzt zwar in Dresden, hat aber Wartungsverträge mit heimischen Firmen. „Ich glaube nicht, dass sie die Hände in den Schoß legen“, sagte am Abend Bauamtsleiter Günter Loges, der gleich nach der Brandmeldung um 14.25 Uhr zum Betriebsgebäude geradelt war. „Die bemühen sich, schnell ein Ersatzteil zu bekommen.“

Weniger zuversichtlich klang allerdings der Sprecher der Landesstraßenbaubehörde Straßen.NRW: „So einen Trafo werden wir am Wochenende garantiert nicht auftreiben“, erklärte Andreas Roth gegenüber den PN. „Das ist nichts, was man im Regal liegen hat.“

Wer in allem das Gute sucht, kann unterdes immerhin feststellen: Der Unterbau des heute und morgen im Emmerauenpark stattfindenden „Liuhidi-Markts“ wird nun noch ein kleines bisschen authentischer. Denn schließlich gab‘s im Mittelalter längst noch keinen Strom. Aber die Lügder Macher des Spektakels sind nicht von gestern – und schlau ist, wer ihren an den Straßen aufgehängten Parkplatz-Hinweisen folgt.

Stau im mittelalterlichen Städtchen wegen Stromausfalls im Tunnel: Vor allem in der Lügder Brückenstraße ging es gestern Nachmittag vor allem stadtauswärts nur langsam voran.

Fotos: uk, jl



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