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Zu Besuch bei Wolfgang Brenker

Auf Fährmann „Ömmi“ kann sich jeder verlassen

Wörderfeld/Polle (nic). Die Stille an diesem sonnigen Abend wird nur unterbrochen durch das leise Rauschen des Wassers, das den stählernen Körper der Fähre umspielt, die von Polle hinüber zum Ostufer und wieder zurück gleitet, sich in die Strömung legt und von ihr sanft zum Zielufer getragen wird.

veröffentlicht am 01.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 22:41 Uhr

Wolfgang „Ömmi“ Brenker liebt seinen Job als Fährman
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Wenn Fährmann Wolfgang Brenker (41) aus Wörderfeld dann die Plattform herunterlässt, rasseln die Ketten, und wenn die Autos darüberfahren, rumpelt es – aber sonst stört kein Lärm und kein Qualm diese jahrhundertealte Art der Fortbewegung auf dem Wasser. Der „Fährmann mit Binnenfährpatent“ Brenker – hier in der Gegend besser bekannt unter „Ömmi“ – hat schon an Heizungen geschraubt, Straßen gebaut, Kanäle saniert, bei Tetrapak gearbeitet – aber erst hier auf der Fähre, auf deren Planken er seit 2005 steht, hat er seinen Traumberuf gefunden. „Wenn ich zum Beispiel in der Halle arbeiten musste, habe ich oft zu mir gesagt, Fährmann müsste man sein… Ich bin froh, dass mich der Chef der Firma Winter vor Jahren ansprach und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, mich nochmal auf die Schulbank zu setzen und Fährmann zu werden.“

Er muss es Brenker, der damals oft mitfuhr, wohl an der Nasenspitze angesehen haben, dass dieser nichts lieber tun würde. Und nun befördert er also alles und jeden, der ans andere Ufer will. „Fährmann, hol über!“, sagt heute kaum noch jemand, ein Winken tut’s auch. Auf der 19 Meter langen Fähre kann er rund 42 Tonnen, das ist ein beladener Sattelzug oder ein Lastwagen mit Hänger, befördern. Abends wartet Brenker manchmal noch trotz Feierabend auf diesen oder jenen Bauern, von dem er weiß, dass er mit dem Mähdrescher oder dem Trecker rüber muss. Jetzt im Sommer sind es vor allem auch Radfahrer und Urlauber, die übergesetzt werden wollen. „Es gibt tatsächlich welche, die sich wundern, dass sie dafür Geld bezahlen sollen. Aber die Mutter von drei Kindern im zerbeulten Panda zahlt ohne zu diskutieren. Das passiert schon eher bei den großen Limousinen. Man muss die Menschen zu nehmen wissen, dann kann man viel Spaß haben bei meiner Arbeit“, erzählt der Fährmann, ehe er seine Gierseilfähre für die nächste Fahrt vorbereitet.

Gieren bedeutet mit der Strömung zu fahren, und so steht die Fähre auch nie im rechten Winkel zum Ufer. Über die Weser ist das starke Oberstromseil gespannt, das die Fähre bei sieben Kilometern pro Stunde Fließgeschwindigkeit am „Gängelband“ hat. Das Heck der Fähre wird jetzt zum Bug und damit sie sich in die Strömung legt, die sie dann ans andere Ufer schiebt, muss die Länge der Kette, die zum östlichen Ufer zeigt, jeweils verändert werden.

Langeweile bei dem täglichen Hin und Her? „Nein, durch die vielen verschiedenen Menschen ist es immer abwechslungsreich, viele kenne ich schon, man erzählt sich so dieses und jenes, ich kriege auch schon mal ein Bier oder sogar mal eine Tupperschale mit Kohlrouladen und Kartoffeln“, lacht Wolfgang Brenker. Seine Bewegungen sind ruhig, sind schon Routine und doch ist zu spüren, hier agiert einer, der das gern tut, was er tun muss. Er strahlt innere Ruhe aus, wenn er seine Fahrgäste abfertigt, hat einen Witz auf Lager und für jeden ein freundliches Wort. Erzählen kann er wirklich wie ein Wasserfall, weiß viel von Natur und Technik, hat auch schon so einiges erlebt auf seiner Fähre.

„Es nervt schon, wenn die Leute meinen Anweisungen nicht folgen, zum Beispiel Sportbootfahrer, die die langsame Fähre nicht ernst nehmen. In diesem Jahr sind schon zweimal Kanus an die Fähre gefahren und die Leute sind mit allen Sachen in die Weser gekippt.“ Mit Kindern freundet er sich schnell an, hat schon oft das Märchen vom Aschenputtel erzählt, das auf der Burg in Polle gewohnt hat. „Einmal an einem eiskalten Winterabend stand ein Auto mit zwei jungen, leicht bekleideten Damen am Ufer, die schon halb erfroren waren. Das Navigationsgerät hatte sie in die Irre und beinahe in die Weser geführt, da musste ich natürlich helfen“, sagt „Ömmi“ schmunzelnd.

Aber da winkt vom anderen Ufer ein Autofahrer und er muss rüber. „Na, wie war der Urlaub?“, fragt der Fährmann und setzt die Fähre wieder in Bewegung. Er genießt seine kleine Freiheit hier draußen, die ihm die hellen Lachfältchen ins sonnengebräunte Gesicht geschrieben hat.

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