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Geringer Raumwiderstand aber lautstarker Bürgerwiderstand in Rischenau

Auf die Straße gegen die Trasse

Rischenau. Ein paar Leute lehnen über einen Tisch, diskutieren und fahren mit den Fingern eine große Karte ab. Anfangs, und nur anfangs, wirkt es, als würden viele Teilnehmer des Informationsmarktes vom Netzbetreiber Tennet zusammen mit den Mitarbeitern des Konzerns den Trassenverlauf planen. Die Hochspannungsleitung Suedlink soll Windenergie aus dem Norden nach Süddeutschland transportieren und verläuft auch durch Lügde, genauer: an Rischenau und Falkenhagen vorbei. Warum der Korridor „Mitte-West“ so nah an den Ortschaften ist und warum nicht die bereits bestehende 380-kV-Leitung von Grohnde kommend genutzt wird, sondern auf der Ostseite eine weitere entstehen soll, sind zwei der großen Fragen im Dorfgemeinschaftshaus. „Wir haben die Vorgaben, nicht über Städte und Dörfer zu bauen, Rischenau ist mittlerweile aber unter die 380-kV-Leitung gewachsen“, erklärt Heike Hackemesser von Tennet.

veröffentlicht am 08.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 16:21 Uhr

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Autor:

von Julia Rau
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Das können viele nicht nachvollziehen. Auch nicht Lügdes Bürgermeister Heinz Reker: „Ich denke mir, die meinen, wer die Pest schon hat, kann die Cholera auch noch vertragen.“ Vor einer regelrechten Einkesselung ist immer wieder die Rede. Ein Rischenauer befürchtet sogar, dass sich durch Stromleitungen das örtliche Wetter verändert. Andere wollen spüren, wie Herzschrittmacher in der Nähe einer solchen Leitung kribbeln. Wieder andere, wie etwa Britta Gräfe, machen sich Sorgen um den Wertverlust des Eigenheims und mögliche Folgen für die Gesundheit: „Wir sind unmittelbar betroffen, aber schlimmer ist, dass unser Kind dort aufwachsen soll und dem dann von klein auf ausgesetzt ist“, so die Bürgerin. „Nur weil wir weniger Raumwiderstand sind, ist unser Leben auf dem Dorf doch nicht weniger wert“, sagt sie. Sie ist eine von vielen, die mit den Informationen der Tennet-Mitarbeiter unzufrieden sind. Dabei erklären diese geduldig, warum der Verlauf so gewählt wurde, und sammeln Hinweise, etwa den, dass in der Gegend die seltenen Schwarzstörche vorkommen oder eine Umgehung Richtung Osten unter Umständen günstiger wäre. Das alles würde später geprüft, so Thomas Wagner, der die Veranstaltung leitet. Eine zu prüfende Möglichkeit sei auch, die bestehende Leitung von Grohnde dahin zu verlegen, wo die neue Leitung verlaufen könnte. Gemeinsame Masten können die Kabel aber nicht nutzen. Das ist laut Tennet-Mitarbeiter Peter Herzel nicht machbar.

Große Sorgen macht vielen Bürgern obendrein die fehlende Gesetzgebung für einen Mindestabstand. In Niedersachsen muss die Leitung 400 Meter von Wohngebieten und 200 Meter von einzelnen Häusern entfernt sein. In Nordrhein-Westfalen fehlt diese Regelung bislang, wird vermutlich aber kommen. Darauf will sich der Lügder Marco Schmidt nicht verlassen. „Geben Sie es mir jetzt und hier schriftlich, dass das auch in NRW eingehalten wird“, fordert er Wagner auf. Nach einer Weile können die Vertreter des Netzbetreibers der Übermacht der aufgebrachten Bürger nicht mehr standhalten, kommen unter dem Fragenhagel nicht mehr zu Wort. Die Stimmung kippt, lädt sich auf und gipfelt in einer Demonstration auf dem Sportplatz nebenan mit etwa 300 lautstarken Lügdern und auswärtigen Stromtrassengegnern. Danach löchert Julia Fritzsche von der Bürgerinitiative Marienmünster Wagner am Mikrofon mit Fragen. Der macht deutlich, dass er nicht für die Maßgaben der Politik in Regress genommen werden möchte, und nimmt anschließend eine Unterschriftenliste von Heinz Reker, Rischenaus OB Diekmeier, Falkenhagens OB Waltemode und Dr. Ute Röder vom Umweltamt des Kreises Lippe entgegen. 2688 Bürger votieren dafür, dass eine andere Trasse gesucht werden soll.

Mit Schildern und Pfeifen ziehen 300 Menschen gegen die Stromtrasse durch Rischenau. Sie machen ihrem Unmut auch im DGH Luft, wo schrilles Pfeifen die Antworten auf Erklärungen der Tennet-Vertreter sind.yt



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