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VHS überreicht 19 A-1-Zertifikate an Flüchtlinge / Wer hilft Kinder betreuen?

Applaus nicht nur für Einser-Schüler

„Für uns ist es nicht so wichtig, ob und wie jemand bestanden hat“, sagt Andrea Lemm von der Volkshochschule Lippe-Ost nach Abschluss der beiden Lügder Kompakt-Deutschkurse. „Toll ist es vor allem, dass sie bei der Stange geblieben sind.“ Insgesamt 19 Männer und Frauen schafften das A-1-Zertifikat.

veröffentlicht am 25.04.2016 um 19:17 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Lügde. „Wir hätten gern viel mehr Personen in die Sprachkurse gegeben“, sagt Manfred Engel aus dem Lügder Rathaus. Doch schon vor dem Start der beiden Deutsch-Kompaktkurse für Flüchtlinge im Winter legte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) fest: An diesen von der Volkshochschule (VHS) Lippe-Ost organisierten Angeboten dürfen nur Menschen aus Syrien, dem Irak, Iran und Eritrea teilnehmen. Weil Afghanistan zuvor zum „sicheren Herkunftsland“ erklärt worden war, mussten von dort Geflüchtete draußenbleiben. Ebenso wie andere Leute, deren Heimat den Gesetzgeber pauschal auf eine geringe Bleibeperspektive schließen ließ.

Einen Monat nach Kursende haben die Teilnehmer nun ihre Bescheinigungen bekommen. Dabei hat Siyawash M. geschafft, was nur den Allerwenigsten gelingt: Der 30 Jahre alte Iraner hat 100 von 100 Punkten erreicht. Sein Zertifikat nahm seine Frau Lala K. entgegen. Denn der Kurs-Primus wollte nicht seinen letzten Praktikumstag bei Elektro- und Fernsehtechnikermeister Fritz Köller in Rischenau verpassen. Wie zwei weitere Kursteilnehmer, so lag auch Lala K. nur ganz knapp unter der Höchst-Punktzahl. Ihr fehlten nur 1,5 Punkte. „Ich wollte auch 100 schaffen“, sagt die ehrgeizige 25-Jährige. Und Birgit Edelmann von der VHS findet: „Viermal die Note 1 - das ist nicht schlecht.“

Gestartet waren die Kompaktkurse im Winter mit jeweils rund 20 Teilnehmern. Sie brachten sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit: Menschen, die in ihrer Heimatländern nur wenige Jahre zur Schule gegangen waren, lernten gemeinsam mit Akademikern mit guten Englischkenntnissen. Letztere hatten es deutlich leichter als jene, die zuvor nur Arabisch konnten. Den Mehrsprachigen waren immerhin die lateinischen Buchstaben vertraut.

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Von den ursprünglich gestarteten knapp 50 Teilnehmern wurden 27 Männer und Frauen zur Prüfung angemeldet. 19 von ihnen haben jetzt ihr A-1-Zertifikat in der Tasche.

Zur mündlichen und schriftlichen Prüfung angemeldet wurden schließlich 27 Männer und Frauen. 19 von ihnen haben jetzt ihr A-1-Zertifikat in der Tasche. Ein gutes halbes Dutzend Männer und Frauen schrammten nur haarscharf daran vorbei. Die Übrigen erhielten im Lügder Wichernhaus ihre Teilnahmebestätigungen.

Doch egal, wie jemand abgeschnitten hatte - als Sprachkurs-Koordinatorin Andrea Lemm von der VHS jeden einzeln zur Übergabe nach vorn bat, applaudierten stets alle Teilnehmer im Saal. Was durchaus in Andrea Lemms Sinn war. Denn: „Für uns ist es nicht so wichtig, ob und wie jemand bestanden hat“, erklärte sie. „Toll ist es vor allem, dass sie bei der Stange geblieben sind.“ Nun sei es wichtig, dass die Deutsch-Neulinge die Sprache nicht wieder vergäßen. Deshalb sollten sie jede Gelegenheit ergreifen, um mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen - auch, wenn das Mut und Überwindung kostet.

Um den Menschen das Warten auf die voraussichtlich erst im Juli startenden Integrationskurse zu verkürzen, macht die VHS jetzt gleich zwei weitere Angebote. Zweimal die Woche - montags und mittwochs für Anfänger sowie dienstags und donnerstags für die Fortgeschritteneren – können die Kurs-Absolventen unter der Leitung von Helmut Pollmann weiter im Gespräch bleiben.

Lala K. will das Angebot zwar nutzen. Und doch fällt es der jungen Iranerin nicht ganz leicht, ihre Ungeduld zu zügeln. „Freunde von uns in Frankfurt sind erst zwei Monate nach uns in Deutschland angekommen. Aber sie sind schon im A-2-Kurs“, sagt sie mit Blick auf die professionellen Großstadt-Strukturen.

Ganz aktuell sucht die Flüchtlingshilfe noch Freiwillige, die bereit sind, vormittags zwischen 10 und 12.30 Uhr sowie donnerstagnachmittags die Kinder von Teilnehmer zu betreuen, „damit auch die Mütter am Sprachkurs teilnehmen können“, wie Flüchtlingshilfe-Koordinatorin Claudia Guenther erklärt. Denn einen Platz in einem der Lügder Kindergärten haben bisher erst vier von mehr als 20 infrage kommenden Kindern im Vorschulalter bekommen (wir berichteten). Wer bei der Kinderbetreuung helfen möchte, wird gebeten, sich in Lügdes evangelischem Pfarramt (Telefon 05281/7252) zu melden.



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