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Pfarrer Marc Stücker gewährt einen Einblick in sein neues Heim

Angekommen in Lügde

Lügde. Wenn er privaten Besuch bekommt, dann serviert Marc Stücker schon mal gerne einen selbst gemachten italienischen Auflauf. „Aber ich koche nicht jeden Tag“, betont der katholische Pfarrer, dem seit dem 1. April die Leitung des Pastoralverbundes Falkenhagen-Lügde-Bad Pyrmont obliegt.

veröffentlicht am 05.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 16:21 Uhr

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Autor:

von Claudia Guenther
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„Ich lebe nicht gerne aus Umzugskartons“, sagt er zehn Tage nach seinem Einzug ins Pfarrhaus, während er den Zucker sucht. Seine Bücher hat er bereits in den Regalen verstaut, während die vielen Bilder noch an den Wänden lehnen. Nach zehn Umzügen in den letzten 15 Jahren freut er sich auf eine deutlich längere Zeit in Lügde. „Zehn Jahre braucht eine solche Aufgabe schon“, blickt er in die Zukunft, in der auch der „Pastorale Raum Lippe-Süd“ zusammenwachsen soll, ohne alle Gemeinden über einen Kamm zu scheren. Diese Aufgabe ist ihm nicht neu.

1963 wurde Stücker in Unna geboren und wuchs mit seiner Schwester in Holzwickede auf, wo seine Eltern noch heute leben. Seiner Verweigerung zum Dienst bei der Bundeswehr kam die Ausmusterung zuvor. Da er keinen Zivildienst antreten konnte, entschied er sich für einen sozialen Freiwilligendienst in einer Kommunität in Calabrien. Danach studierte er zwölf Semester Theologie in Bochum, belegte auch Kurse in Sozialwissenschaften und Philosophie.

„Das Bild von Jesus als Begleiter der Emmaus-Gemeinde“ hat er vor Augen, „an bestimmten Schnittstellen unseres Lebens merken wir, er ist da und er ist auch immer da gewesen.“ Dass man Umwege im Leben macht, weiß er aus eigener Erfahrung. Aufgrund seiner Italienisch-Kenntnisse bekam er unerwartet nicht nur einen Praktikumsplatz bei Ferrero in Stadtallendorf, sondern arbeitete dort sechs Jahre als Personalreferent. Aber „es gab Situationen, da hätte ich gerne mehr geholfen, als es möglich war“, erinnert er sich an Probleme einiger Mitarbeiter des Betriebes.

„Nicht Glaubensferne, sondern Kirchenferne“ führte zum Kirchen-Austritt des damals 30-Jährigen. Stattdessen spendete er das Kirchgeld für „Amnesty international“. Als er gefragt wurde, warum er nach seinem Studium die Brocken hingeschmissen habe, kam er ins Grübeln und ein spiritueller Weg führte ihn drei Jahre später zurück. 2001 empfing er im Hohen Dom zu Paderborn das Priestersakrament.

„Die Kirche ist ein Platzhalter für die Stelle Gottes, dass es in unserer Welt noch mehr gibt als das Greifbare, und dass Gott mit uns in Beziehung getreten ist“, sagt er heute – auch wenn man die Botschaft Jesu nicht zu 100 Prozent leben könne. Doch „wenn das als Selbstzweck gesehen wird, dann läuft was falsch“. Ihm ist wichtig, „dass sich Kirche nicht der Zeit, aber den Menschen anpasst“. Interessiere sich jemand für den Glauben und komme dazu, entstehe häufig das Gefühl, „das muss ich alles tun, wenn ich mich darauf einlasse“ und führe zum Rückzug.

Die Kirche müsse sich aufgrund demografischer Veränderungen nicht nur umstrukturieren, sondern die Aufgabe sei, „wie gelingt es, Glauben für andere erfahrbar zu machen. Denn der Glaube lebt nur in den Menschen und ihrer Geschichte“. Eine einladende Kirche müsse sich öffnen, „aber nicht nur nach unseren Regeln“. Dies sei auch eine „gute Basis“, ökumenische Gespräche zu führen.

Der Seelsorger mag italienische Rockmusik und humoristische Literatur. Er setzt sich mit Gedanken von Teilhard de Chardins über das Universum auseinander, interessiert sich für Naturwissenschaften, liebt das Theater und greift gerne mal zur Gitarre. Vielleicht eröffnen sich Stücker auf seinen Fahrten durch den Pastoralen Raum aber nicht nur Einsichten, sondern auch besonders schöne Aussichten, denn er wandert gerne.



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