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Lügder Vereinigung feiert am Sonntag ihr 95-jähriges Bestehen

Als die „Frauenhülfe“-Damen für Soldaten Socken strickten

Lügde (jl). „Das will ich mir schreiben in Herz und Sinn, dass ich nicht für mich auf Erden bin; dass ich die Liebe, von der ich leb’, liebend an andere weitergeb“ – ein selbstloseres Vereinsmotto als dieser Vera lässt sich kaum vorstellen. Und die ihm in Lügde nacheifern, dürften an Verlässlichkeit ebenfalls kaum zu übertreffen sein: Schon seit Jahrzehnten halten die meisten der derzeit 22 Mitglieder „ihrer“ evangelischen Frauenhilfe die Treue. Und in den ersten 90 Jahren hatten sie nur vier Leiterinnen; bevor ein Team an die Spitze gewählt wurde, war die letzte, von 1989 bis 2005, Edith Sturm.

veröffentlicht am 27.10.2010 um 22:06 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:41 Uhr

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Das einzige Problem: Zusammenschlüsse wie dieser sind – trotz ambitionierten Programms – heute für immer weniger junge Frauen attraktiv. „Früher trat fast jede nach der Hochzeit in die Frauenhilfe ein“, sagt Pfarrer Holger Nolte-Guenther mit Blick auf vergangene Jahrzehnte.

Allerdings wollen Lügdes Frauenhilfe-Mitglieder nun nicht etwa jammern, sondern feiern: Am Sonntag begehen sie das 95-jährige Bestehen ihrer Vereinigung.

Deren Anfang markierte übrigens das Ende eines anderen Zusammenschlusses: 1915 traten 17 Mitglieder des sechs Jahre zuvor gegründeten „Jungfrauenvereins“ der „Frauenhülfe“ bei, wie sie damals hieß. Von der ersten Vorsitzenden ist nicht einmal der Vorname überliefert. Sie ging als „Frau Pfarrer Winckler“ in die Annalen ein.

Die Arbeitsfelder der Frauen ergaben sich stets aus der Zeit heraus. So pflegten und betreuten sie Kranke und Arme und „kümmerten sich um gefährdete und verwahrloste Mädchen und Frauen“, wie Gunhild de Faria in ihrem Rückblick schreibt.

Dass die Frauen im Ersten Weltkrieg für die Soldaten Socken strickten, ist überdies bekannt. Doch wie es ihnen während der Nazizeit erging, ob sie bedrängt wurden, sich behaupteten oder arrangierten, ist nicht überliefert.

Erst 1950 machten die Frauen wieder Furore: mit einem Fest zum 35-Bestehen im Saal der Witwe Spilker. Denn das Wichernhaus stand noch nicht.

Berufstätige Frauen gerieten in den 1960er Jahren in den Fokus der Frauenhilfe: Für sie installierte die damalige Vorsitzende, die Pfarrersfrau Margret Liebing, zusätzlich zum „Nachmittagskreis“, den „Abendkreis“. Denn die Jüngeren hatten tagsüber keine Zeit. Bis heute laufen beide Kreise parallel und werden von Gunhild de Faria und Ingeborg Schröder betreut. Marlies Will sorgt, als Dritte im Leitungsteam, für eine ordentlich geführte Kasse.

Beide Kreise treffen sich allmonatlich. Sie laden Referentinnen zu aktuellen Themen ein, machen Ausflüge, wandern, basteln für die Gemeinde-Adventsfeier, bereiten den ökumenischen Weltgebetstag vor oder pflegen die Geselligkeit. Und auch Krankenbesuche stehen noch auf dem Programm. Zudem unterstützen die Lügderinnen mit ihrem Geld diverse Frauenprojekte sowie einen Patenkind in Äthiopien. Dank ihnen konnte der inzwischen 17 Jahre alte Waise Adebajehu Zeleke zur Schule gehen.

Der Festgottesdienst zum 95. Geburtstag der Frauenhilfe Lügde beginnt am Sonntag, 31. Oktober, um 10 Uhr in der St.-Johannis-Kirche. Die Predigt hält die Frauenbeauftragte des Kirchenkreises Paderborn, Pfarrerin Gaby Hische-Richter. Es singt der Kirchenchor. Anschließend gibt es einen Empfang im Wichernhaus.

Pfarrer Holger Nolte-Guenther stöbert in den Fotos, die Gunhild de Faria für die Geburtstagsausstellung der evangelischen Frauenhilfe zusammengetragen und arrangiert hat. Das älteste Bild zeigt die erste Leiterin der 1915 in Lügde etablierten „Frauenhülfe“ mit ihrem Mann, Pfarrer Gustav Winckler. Der Vorname der Frau ist – typisch für diese Zeit – nicht überliefert. Foto: jl



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