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Heißer Disput ums Für und Wider

9:5 – wie Aktive in Lügdes SPD über die GroKo-Frage denken

LÜGDE. Die große, leidige Frage „GroKo – Ja oder Nein?“ treibt aktuell auch Lügdes Sozialdemokraten um. Und sie spaltet. Bildlich gesprochen scheint das Damoklesschwert schon herabgefallen in der Theke des Alten Brauhauses zu stecken, noch bevor die vom SPD-Ortsverein anberaumte außerordentliche Versammlung beginnt.

veröffentlicht am 21.02.2018 um 22:27 Uhr

Ostlippes Juso-Vorsitzender Nico Tintel (20) begründet zu Beginn der Sitzung seinen No-GroKo-Standpunkt. Später zeigt sich: Die Mehrheit der Zuhörer ist anderer Ansicht. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Diejenigen, die die Partei am besten zerlegen, sind wir“, sagt Jörg Eickmann mit Blick nach Berlin und auf das Hin und Her, den Zwist und die Querelen des Führungspersonals. Dabei habe die SPD in der bisherigen Großen Koalition doch Manches erreicht – was dann aber jeweils der Bundeskanzlerin zugeschrieben worden sei.

Offiziell hängen an der anstehenden Entscheidung auch der 75 Mitglieder zählenden Lügder SPD-Basis über eine dritte Koalition mit CDU/CSU oder den Weg in die Opposition zwar keine Personalfragen. Doch die kommen im Laufe des Abends angesichts des von Umfrageergebnissen suggerierten Abwärtstrends immer wieder auf. „Wir lassen uns Spitzenpersonal andrehen, das eine Politik macht, die nicht meine ist“, sagt Manfred Schrader. Und auch Gitta Knaack macht das Spitzenpersonal als eins der Hauptprobleme aus: „Wenn wir mit dem in die GroKo gehen, dann war’s das.“ Ortsvereinschef Jörg Eickmann lobt indes das Verhandlungsgeschick von Andrea Nahles. Über Martin Schulz hingegen sagt Rüdiger Bode: „Merkel und er haben sich verstanden wie ein altes Ehepaar. Und er hat das Volk eingeschläfert wie Merkel.“

Was GroKo-Befürworter und -Gegner eint: Beide Seiten fürchten, die jeweils andere werde mit ihrem Votum zum Totengräber der SPD.

Die Argumente für und wider eine weitere GroKo sind an diesem Abend vielstimmig. Und mancher kommt beim Debattieren in der mit 14 Teilnehmern überschaubaren Runde ziemlich in Wallung. Nach knapp zwei Stunden engagierter bis leidenschaftlicher Aussprache zeigt eine Abstimmung per Handzeichen allerdings eine klare Mehrheit von 9:5 zugunsten der GroKo. Doch zuvor wird gestritten.

Nico Tintel, mit 20 Jahren der Jüngste in der Runde, bleibt indes so gelassen wie sein Juso-Vorsitzender Kevin Kühnert, als er zum Einstand dessen Standpunkt teilt: Alles, was die SPD in einer weiteren Großen Koalition durchsetzen könnte, würde doch wieder nur der CDU gutgeschrieben, fürchtet Tintel. Was also spräche dagegen, wenn die Christdemokraten eine Minderheitsregierung stellen und die Unterstützung durch wechselnde Mehrheiten suchen müssten?

Der Tischälteste Bernhard Jagalla (83) zählt sich aus eher grundsätzlichen Erwägungen zum pro-GroKo-Lager: „Dieses Durcheinander soll endlich zuende sein“, findet er. „Das Volk ist wahlmüde.“ Gegenüber drohenden Neuwahlen sei eine Regierungsbeteiligung das kleinere Übel.

Jörg Eickmann sieht das ähnlich: „Von Neuwahlen würden nur AfD, Grüne und FDP profitieren.“ Ohne den Schritt in die GroKo „haben wir keinen Einfluss, Neuwahlen zu verhindern.“ In Torben Blomes Augen und mit Blick in die Welt heißt das wichtigste Thema: Stabilität. „Die Leute sagen: Kommt jetzt in die Puschen!“ Die Koalitionsvereinbarung sei zwar nicht der ganz große Wurf. Aber Blome ist sicher: Die erstrittenen Verbesserungen würden auch in Lügde positiv zum Tragen kommen. Beispiele: die beitragsfreie Kita und die Einschränkung sachgrundlos befristeter Arbeitsverhältnisse.

Wie Blome, so sieht auch Manfred Schrader ein Problem der SPD in der verlorengegangenen Glaubwürdigkeit. Sein Hauptthema ist allerdings der Frieden. Den sieht er durch die teils völkerrechtswidrige deutsche Militärpräsenz im Ausland keineswegs befördert. „Die Bundeswehr kann nicht vermitteln.“ Deutschland wolle doch nur seine Wirtschaftsinteressen durchsetzen. Scharader: „Mit den Global Playern möchte ich nicht spielen!“ Er wolle nicht, „dass es weitergeht, wie bisher“.

Egal, wie es kommt – Bernhard Jagallas Wunsch dürfte sich erfüllen: „Ich möchte, dass wir eine neue Regierung bekommen, so lange ich lebe.“



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