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S & H erholt sich langsam von der Krise

„2009 war das grauenhafteste, schlechteste Jahr“

Lügde (jl). Gute Nachrichten waren im zu Ende gehenden Jahr eher rar. Die Wirtschaftskrise hatte viele Unternehmen im Griff. Auch in Lügde. „2009 war das grauenhafteste, schlechteste Jahr, das ich erlebt habe“, sagt Ernst- Michael Hasse. „Das war uns schon im Januar klar.“

veröffentlicht am 30.12.2009 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 17:41 Uhr

Die Nachfrage nach Kupferlackdrähten hat wieder angezogen, Schwe
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Immerhin ist der geschäftsführende Gesellschafter des Lügder Kupferlackdrahtherstellers froh, dass sein Unternehmen die Kurzarbeit nach neun Monaten im Oktober beenden konnte. „Da hatte sich unsere Auftragslage immerhin wieder soweit verbessert, dass wir seither mit der Stammbelegschaft weitermachen können.“ Rund 200 Mitarbeiter hat der Traditionsbetrieb in Lügde, darunter derzeit auch 14 Auszubildende.

Hasse sieht – wie mancher Wirtschaftsweise – immerhin schon ein Licht am Ende des Tunnels „aber auch nicht mehr“, wie er hinzusetzt. Denn dass gegenüber 2008 in diesem Jahr fast ein Drittel der Aufträge wegbrach, lässt sich nicht mal eben auffangen.

Der Lügder Industrielle ist zwar optimistischer als sein Branchenverband ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie). Hatte der unlängst vorausgesagt, dass es sieben Jahre dauern werde, bis die Elektroindustrie sich völlig von der Krise erholt haben werde, so hofft Hasse doch auf eine etwas kürzere Zeitspanne von „drei, vier Jahren, bis wir wieder da sein werden, wo wir einmal waren“.

E.-M. Hasse

Um betriebsbedingte Kündigungen kam man bei S & H glücklicherweise herum. Aber die Leiharbeiter – vor der Krise stellten sie bis zu 15 Prozent der Belegschaft – mussten gehen. „Doch wir haben schon wieder einige an Bord“, sagt Hasse und begründet das damit, dass die Unternehmen in der aktuellen Lage nur „auf Sicht fahren“ könnten. Denn auch seine Kunden wüssten nicht wirklich, wie sich die Nachfrage weiter entwickle.

So müsse man sehen, wie es mit der Autoindustrie weitergehe – jetzt, wo das durch die Abwrackprämie entfachte „Strohfeuer“ verloschen sei.

Von diesem in Berlin angeschobenen Steuerungsinstrument hält Hasse denn auch nichts, weil hier Geld in überkommene Strukturen gepumpt worden sei, statt einen Langzeiteffekt anzustreben. „Investitionen sollten in die Zukunft gerichtet sein – und nicht in die Vergangenheit“, findet Hasse, der als deren Präsident auch der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lippe vorsteht.

Schwering & Hasse hatte die Krise früh zu spüren bekommen. Denn die Kupferlackdrähte aus Lügde seien Vorleistungsgüter in der Wertschöpfungskette. Da habe S & H als „early bird“ sehr früh die „volle Breitseite gekriegt“, sagt Firmenchef Hasse heute, der die Verluste mit „Geld aus der Kasse“ abzufedern sucht.

Viele Hersteller hätten damals erst einmal „ihre Pipelines leergemacht“ und nichts mehr geordert. Der dem Stillstand folgende Stau habe sich dann im Sommer wieder aufzulösen begonnen.

Hat die Nachfrage nach den Lügder Drähten innerhalb Deutschlands langsam wieder angezogen, so steht es international noch immer nicht zum Besten. „Italien ist eine Katastrophe“, sagt Ernst-Michael Hasse. Denn die Industrie dort sei strategisch erheblich schlechter aufgestellt als in Deutschland und setze zum Beispiel kaum auf regenerative Energien. Zudem sei Italien durch sein Nord-Süd-Gefälle noch extremer gespalten als Deutschland. Viel besser als in Italien sehe es auch in Spanien nicht aus. Der asiatische Markt indes sei nicht zuletzt durch den starken Euro erheblich weggebrochen.

Sorgen bereitet dem S & H-Chef in Deutschland vor allem die Energiepolitik. „Wenn 40 Prozent des Energiepreises aus Abgaben bestehen, werden energieintensive Unternehmen aus Deutschland herausgedrückt“, fürchtet er. „Doch das ist die falsche Richtung.“ Damit sei auch dem Weltklima keineswegs geholfen. Denn der Schadstoffausstoß werde durch effiziente, saubere Herstellungsverfahren in Deutschland erheblich besser begrenzt als in manch anderem Land mit geringeren Abgaben. „Anderswo wird dann unter viel laxerer Aufsicht gearbeitet“, so Hasse, der diese schleichende Entwicklung „fatal“ nennt. Die deutsche Industrie müsse international wettbewerbsfähig bleiben. Ansonsten würden immer mehr Unternehmen die Segel streichen.

Für sein Unternehmen fasst Hasse konkret keine Verlagerung ins Auge, denn er sieht es in Lügde verwurzelt. Das dokumentiert nicht zuletzt das Engagement der S & H-Stiftung. Trotz Krise, verspricht der Firmenchef, bleibe der Etat mit 25 000 bis 30 000 Euro pro Jahr für lokale Initiativen erhalten.



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