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Mann (57) in Hannover vor Gericht

20 Jahre nach der Tat: Erinnerungslücken

LÜGDE / BAD PYRMONT / HANNOVER. Den 15. Januar 1998 wird ein damalige Lügder Autohändler nicht so schnell vergessen haben. Morgens standen drei junge Männer vor ihm. Sie wollten einen 3er-BMW für 27 000 Mark probefahren. Doch der Händler traute ihnen nicht. Er fuhr mit. Und sein Bauchgefühl erwies sich als richtig.

veröffentlicht am 07.05.2018 um 19:57 Uhr

Mit diesem Phantombild suchte die Polizei 1998 nach den rabiaten Auto-Räubern. Zwei der Männer wurden damals verurteilt. Der mutmaßliche dritte Täter steht nun vor Gericht. Ausriss: Archiv
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Nach einer Tour nach Thal und zurück steuerte der Fahrer nicht wieder den damaligen „Auto-Stop“ in der Pyrmonter Straße in Lügde an, sondern bog ein Stück hinterm Pyrmonter Ortseingang links ab, in die Kleinenberger Straße. Dann ging laut Polizei alles ziemlich schnell: Einer der Männer warf dem auf dem Beifahrersitz sitzenden Händler von hinten eine Schlinge um den Hals und zog sie zu.

Geistesgegenwärtig bekam der Lügder Geschäftsmann jedoch das Seil zu fassen, sodass der Täter ihm die Kehle nicht zudrücken konnte. Zudem trat er mit dem Fuß gegen das Lenkrad und brachte das Auto so zum Stehen. Dann nutzte er die folgende Schrecksekunde: Er riss die Beifahrertür auf, stürzte aus dem Wagen und rannte davon, auf ein nahes Firmengelände. Eine Waffe, die der am Steuer sitzende Täter auf ihn richtete, erwies sich später als Schreckschusspistole.

Dann brauste das Trio im BMW davon. Der Wagen fand die Polizei später auf einem Waldweg bei Kleinenberg. Den Männern wurde später der Prozess gemacht. Einer bekam fünf Jahre Freiheitsstrafe, ein anderer fünf Jahre und neun Monate. Nur einer konnte sich absetzen: Rudolf A., der dem Händler von hinten die Schlinge umgeworfen und zugezogen haben soll.

Fast 20 Jahre nach der Tat wurde der heute 57-Jährige an Heiligabend 2017 auf dem Flughafen Stuttgart bei der Einreise nach Deutschland gestellt, auf Basis eines im Juli 2003 ausgestellten Haftbefehls. Seit rund vier Monaten sitzt der aus Georgien stammende Mann nun in Untersuchungshaft. Und seit Montag muss er sich vor der zweiten großen Strafkammer des Landgerichts Hannover verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm einen räuberischen Angriff auf Kraftfahrer in Tateinheit mit schwerem Raub vor.

Geständig zeigte sich der Beschuldigte am ersten Verhandlungstag nicht. Laut Gerichtssprecher Hans-Christian Rümke berief sich A. auf Erinnerungslücken. Alles schon so lange her.

Die Kammer dürfte sich nun auf die Aussagen der beiden 1998 Verurteilten stützen. Die Männer sagten am Montag als Zeugen aus. Schon vor 20 Jahren hatten sie den mutmaßlichen Mittäter belastet, als die angaben, der habe die Schlinge um den Hals des Opfers geschlungen.

So lange es gedauert hat, bis der dritte Mann den Ermittlern ins Netz ging, so schnell könnte das Verfahren gegen ihn beendet sein. Dem Vernehmen nach könnte heute das Urteil fallen.

Der zweite Verhandlungstag im Strafverfahren gegen Rudolf A. vor dem Landgericht Hannover beginnt um 9 Uhr.



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