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Reuiger Autoräuber verurteilt

20 Jahre nach der Tat 2,5 Jahre Haft

LÜGDE / HANNOVER. 2,5 Jahre Monate Haft. So lautete am Dienstag das Urteil gegen Rudolf A.. Die Beteiligung des heute 57-Jährigen an einem gut 20 Jahre zurückliegenden Autoraub in Lügde und Bad Pyrmont hatte der Georgier zuvor eingeräumt. Auch, weil der Anstifter 2003 Bewährung bekam, ließ die Kammer Milde walten.

veröffentlicht am 08.05.2018 um 22:03 Uhr

Rudolf A. mit seinen Anwälten Dr. Viktor Schulz (vorn li.) und Dietrich Hohmann sowie einem Dolmetscher im Gerichtssaal. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Seine beiden russlanddeutschen Mittäter waren relativ bald nach dem gemeinsamen Überfall auf einen Lügder Gebrauchtwagenhändler (wir berichteten) verurteilt worden. Ein vierter Mann, der Cousin eines dieser Komplizen und wohl der Drahtzieher, wurde 2003 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Nur A., der nach dem Verbrechen abgeschoben worden war, bekam es erst an Heiligabend 2017 wieder mit der deutschen Justiz zu tun. Da holte ihn sein altes Leben ein. Im Stuttgarter Flughafen klickten die Handschellen.

Dabei hatte der durch seinen früheren Heroinkonsum an Hepatitis C erkrankte 57-Jährige das Flugzeug in Tiflis in freudiger Erwartung bestiegen: A. wollte die Weihnachtstage 2017 bei seinen in Deutschland lebenden Enkeln verbringen. Von dem am 15. Juli 2003 am Amtsgericht Hameln ausgestellten Haftbefehl wusste er offenbar nichts.

Hätte der Georgier seine Reise in die Bundesrepublik drei Wochen später angetreten, wäre die Tat verjährt gewesen. So aber kam Rudolf A. in Untersuchungshaft. Bis Dienstag.

Wäre es nach der Staatsanwaltschaft gegangen, dann säße der Angeklagte nun weiter im Gefängnis. Drei Jahre und sechs Monate lautete die Forderung.

So wenig alltäglich die Umstände des Falls erscheinen, so ungewöhnlich reagierte der sichtlich vor der Zeit gealterte kleine Mann auf der Anklagebank nach seiner Verurteilung. Er verbeugte sich in Richtung Richterbank und sagte mit rauer Stimme: „Danke.“ Da hatte Dr. Martin Grote, Vorsitzender Richter der zweiten Großen Strafkammer, den Haftbefehl gerade aufgehoben. Somit konnte A. das Landgericht nach Ende des zweiten Verhandlungstages als einstweilen freier Mann verlassen. Sofern A. noch vor seinem Haftantrittstermin wieder nach Georgien zurückkehrt und künftig einen Bogen um die Bundesrepublik macht, wird er seine Strafe nicht absitzen müssen. Das war der Kammer klar, als sie nach fast einstündiger Beratung ihr relativ mildes Urteil fällte.

Das tat sie aus gleich mehreren Gründen: Zum einen, weil A. sein vor 20 Jahren wohl vor allem von der Heroinsucht bestimmtes Leben später in der Heimat wieder auf die Reihe gekriegt hat. Der 57-Jährige lebt heute mit Frau und Familie in Georgien. Er geht einer geregelten Arbeit als Taxifahrer nach und zeigte sich vor Gericht reuig.

Außerdem trug der damals überfallene Autohändler keine bleibenden körperlichen Schäden davon. Befragt werden konnte er jetzt allerdings nicht. Der 50-Jährige türkische Staatsbürger lebt seit 2008 wieder in seiner Heimat.

Was aber vor allem ins Gewicht fiel: Der damalige Anstifter kam 2003 – nicht zuletzt wegen der Verzögerung seines Verfahrens durch „staatliche Schlamperei“ (Staatsanwalt) mit einer Bewährungsstrafe davon. Dass A. nun nach 20 Jahren eine höhere Strafe bekommen sollte, als der Komplize, der alles ausgeheckt hatte, wäre der Kammer unverhältnismäßig erschienen. Die von der Allgemeinheit zu tragenden erwartbar hohen medizinischen Behandlungskosten des 57-Jährigen spielten bei der Entscheidung offiziell keine Rolle.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Dass A.s Anwälte (sie plädierten auf eine Bewährungsstrafe) oder die Anklage Revision einlegen, ist indes unwahrscheinlich.



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