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Bornhof, Emmel und Kästner

Musikalisch-lyrisches Entertainment in der Domänenburg

Das erste Konzert in der Domänenburg seit Pandemiebeginn haben die Stammgäste Borris Bornhof & Johannes Emmel mit ihrem akustischen Programm „Chansongs“ und Kalenderlieder, untertitelt „noch einmal Erich Kästner“ am Donnerstagabend bestritten. Des Dichters Werke, vertont und gesungen, begeistern – und scheinen aktueller denn je.

veröffentlicht am 11.09.2021 um 14:00 Uhr

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AERZEN. Locker vom Hocker präsentieren Borris Bornhof und Johannes Emmel seit etwa 20 Jahren akustische Gitarrenmusik und vertonte Gebrauchslyrik. Wer rhythmischen Blues, sanften Jazz, gefühlvolle Chansons mit Anklängen an Folk und Country mag, ist bei ihnen gut aufgehoben. Ihr Kästner-Special, eine Hommage an den großen deutschen Dichter, der mit seinen Alltagsbeobachtungen stets auf Augenhöhe mit seinen Lesern spricht, lädt zum ruhigen Zuhören ein. Bornhof erinnert an den Literaten, der 1933 zuschauen musste, als seine Bücher verbrannt wurden. Viele Texte des Programms stammen aus „Doktor Erich Kästners Lyrischer Hausapotheke“.

Jede zweite Reihe bleibt pandemiegemäß unbesetzt, an den Deckenscheinwerfern hängen Spinnweben. 3 GGG ist Voraussetzung für den Einlass, etwa 60 Besucher verteilen sich im Raum. Sie erleben eine Art Lebensreise als musikalischen Zyklus. Existenz- und Jugenderinnerungen in Blues, ein Spottgedicht zum Thema Klassentreffen als Chanson, „Bilanz per Zufall“ in einer gesprochenen A-cappella-Version. „Eisenbahngleichnis“, ein Klassiker, strotzend vor Lebensweisheiten. Kalenderbilder aus dem Jahre 1955 folgen, die Zeit, als Emmel noch ein Kleinkind und Bornhof ein Jugendlicher war. Harry Belafontes „Mathilda“ gepfiffen, nicht geflötet, erklingt. Jetzt mit einem „e“ am Ende, denn es geht um Kästners Jugendliebe, deren Entwicklung dem Mann, der in einschlägigen Kreisen auch als „Hengstchen“ bezeichnet wurde, nicht gefällt. Ein Zuschauer schleicht für Erinnerungsfotos auf quietschenden Sohlen nach vorn.

Emmel, der Nachdenkliche, kraust die Stirn. Bornhof schmunzelt und verbreitet gute Laune. Den über 60 Jahre alten Kästner-Text „Der synthetische Mensch“ präsentieren die beiden Künstler im Zwiegespräch. Wenn sie das „Produkt einer unausgeschlafenen Nacht“ ohne Kindergarten- und Schulzeit in nur etwa sieben Stunden als fertiger Erwachsener produzieren und bei Missfallen zurück in die Retorte schicken, dann rotiert das Kopfkino der amüsierten Fans. Mit Zugaben wie „Lebenskunst“ von Otto Reutter verabschiedet sich das Musik-Duo nach etwa 120 Minuten. Gemäß dem Motto „Genießt das heut, das Heute!“, und ungeachtet des Gelächter hervorrufenden Zwischenrufs eines Fans „Wir haben Zeit“.



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